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<dc:title xml:lang="de" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Vigilien</dc:title>
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<dc:contributor.editor xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Ritter-Jasińska, Antje</dc:contributor.editor>
<dc:contributor.technical_editor xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Choromańska, Paulina</dc:contributor.technical_editor>
<dc:publisher xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Fundacja Nowoczesna Polska</dc:publisher>
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<dc:subject.genre xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Poemat prozą</dc:subject.genre>
<dc:description xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Publikacja zrealizowana w ramach projektu Wolne Lektury (http://wolnelektury.pl). Wydano z finansowym wsparciem Fundacji Współpracy Polsko-Niemieckiej. Eine Publikation im Rahmen des Projektes Wolne Lektury. Herausgegeben mit finanzieller Unterstützung der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.</dc:description>
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<dc:source xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Stanisław Przybyszewski, Vigilien, wyd. (Leiftner &amp; Drewts); S. Fischer, Berlin 1895.</dc:source>
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<category.thema.main>DC.WL-P </category.thema.main>
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</rdf:RDF><opowiadanie><nota_red>
<strofa>ss –> ß:/ 
grosse –> große/ 
deines Schoosses –> deines Schoßes/
Strasse –> Straße/ 
weisse –> weiße/ 
masslosen –> maßlosen/ 
verfliessend –> verfließend/ 
</strofa></nota_red>








<autor_utworu>Stanisław Przybyszewski</autor_utworu>



<nazwa_utworu>Vigilien</nazwa_utworu>


<dedykacja><akap>An mein Weib</akap></dedykacja>






<naglowek_rozdzial>I</naglowek_rozdzial>




<akap>Gestern ist sie von mir gegangen.</akap>


<akap>Da saßen wir vor diesem Tisch und starrten
uns an. Am Tage waren wir ausgegangen, versuchten fröhlich zu sein, tranken Wein, sprachen
uns sehr freundlich an, aber in uns war erwartungsvolle, schwüle Stille. Wir wussten beide:
jetzt müssen wir uns auseinandersetzen, jetzt
ist der Augenblick gekommen.</akap>


<akap>Ich war sehr ruhig. Nur einmal bin ich
ähnlich ruhig gewesen und erinnerte mich jetzt
daran. Damals hatt' ich meine wissenschaftliche Zukunft geopfert, um Künstler zu werden.
Es war schwer, sehr schwer. Weder der Vater,
noch irgend jemand wollte etwas davon wissen.
Und ich wusste selbst, was kommen würde;
Not und Elend. Aber ich musste. Der Künstlerwille war zu stark. Und so tat ich es.
Eine stille Mondnacht war es, das Silberlicht
füllte mein ganzes Zimmer; plötzlich war ich
aufgewacht und setzte mich mit reifem Entschluss im Bette hoch. Ich empfand nichts,
hatte keinen einzigen Gedanken, war mir meines
eigenen Beschlusses durchaus nicht bewusst;
ganz naiv, wie ein grausames, unabwendbares
Verhängnis empfand ich nur jenen Willen. Er
kam von außen, er legte sich auf mein Gehirn;
wie ein Riesenkeil zerschob er alle Gründe, die
mir mein Bewusstsein gegen mein Gelüste aufgeschichtet hatte. Ich fühlte mich unschuldig
meiner Zukunft, überantwortet dem Schicksal;
ich freute mich, dass meine eigene Willenstätigkeit mir abgenommen war.</akap>


<akap>O diese Ruhe, diese stiere, starre, empfindungslose Ruhe, wenn sie jetzt nur wiederkommen möchte: so friedsam brütend.</akap>


<akap>Wir saßen uns gegenüber. Sie war unruhig, nervös; sie wusste, was jetzt kommen,
unfehlbar kommen musste.</akap>


<akap>Überrock und Handschuh hatt' ich abgeworfen, den Hut hatte ich noch auf dem Kopfe,
ich drückte ihn mir fester in die Stirne. Ich
fühlte ihn wie einen Reifen, und das tat mir
wohl; es kam mir vor, dass sonst mein Kopf
zerplatzen müsste.</akap>


<akap>Meine Stimme vibrierte; im Halse fühlte
ich ein eigentümliches, unheimliches Würgen,
und um die Mundwinkel zuckte es mir
schmerzlich.</akap>


<akap>Ich sah meine Finger unstet auf dem Tisch
herumfühlen.</akap>


<akap>Plötzlich fesselte mich ein Couvert mit
einer wild orangeroten, seltsamen Marke;
auf dem Couvert in festen, zerhackten Schriftzügen mein Name. In diesem Augenblick jedoch war mein Name mir vergessen, ich sah
etwas fremdes, wildfremdes, und wunderte
mich, wie dies Couvert auf meinen Tisch zu
liegen kam.</akap>


<akap>Nun drückt’ ich mir den Hut noch tiefer
in die Augen und sah sie halb im Traume an.</akap>


<akap>Etwas wie boshafte Schadenfreude glaubte
ich in ihren Augen gesehen zu haben, gemischt
mit einer lauernden, beinahe schmerzlichen
Spannung.</akap>


<akap>Eine Weile verging; ich fing an mich zu
sammeln.</akap>


<akap>Niemals bohrte sich mein Blick tiefer in
ein menschliches Auge, gieriger in eine Seele;
ich fühlte deutlich die Gewalt des Blickes, er
machte meinen eigenen Augen Schmerz.</akap>


<akap>Verlegen, mit boshaftem Lächeln versuchte
sie ihn auszuhalten, dann wich sie aus. Ich
empfand ein leises künstlerisches Entzücken
an den langen, schlaffen Wimpern ihrer Augenlider; wie seh’ ich deutlich diese schlaffen,
adlig müden Lider mit den langen Wimpern.</akap>


<akap_dialog>--- Du! Ein Wort...</akap_dialog>


<akap>Ich sprach gemessen, beinah' mit pedantischer Würde; ein kindliches Gefühl, wie
edelmütig ich im Grunde sei, rührte mich fast
bis zu Tränen.</akap>


<akap_dialog>--- Ja, und?...</akap_dialog>


<akap_dialog>--- Du, ganz europäisch und objektiv...</akap_dialog>


<akap_dialog>--- Ja selbstverständlich...</akap_dialog>


<akap>Es war ja ihre schwache Seite, das Europäische und Objektive; sie schwärmte für die
männliche Intelligenz, die etwas objektivieren
kann.</akap>


<akap_dialog>--- Hör’ mal... Wieder empfand ich
das eigentümliche, zitternde Würgen. Meine
Stimme wollte umkippen. Ich stand auf und
trank ein Glas Wasser. Wieder setzt’ ich
mich; die Rolle eines objektiven, edelmütigen
Richters gefiel mir.</akap_dialog>


<akap_dialog>--- Wir wollen vernünftig sein und vor
allen Dingen uns ganz ruhig aussprechen ---
meine Stimme wurde immer fester und härter
--- ganz ruhig, mein’ ich; nicht wahr?
Was sollen wir uns quälen? du liebst mich
nicht mehr, ich verstehe es sehr gut, unser
Verhältnis hatte keine Ansprüche auf Ewigkeit. Übrigens hast du das Recht, einen
andern zu lieben, das ist selbstverständlich;
ich nehm’ es dir nicht übel. Unsere Instinkte
sind so ziemlich von uns unabhängig.</akap_dialog>


<akap>Sie schwieg und sah mich prüfend an;
etwas wie Trotz stach aus ihren Augen, ein
frecher Trotz, ein kühnes Eingestehenwollen,
ganz so, wie man Vorwürfen begegnen will.
Aber ich hatte keine Vorwürfe, ich sprach nicht
gereizt, nur eine unendliche, würgende Traurigkeit wand sich in mir, die Gelassenheit eines,
der das Verhängnis über sich, um sich, in
jeder Handlung, jeder Willensäußerung erkannt hat.</akap>


<akap>Der Ausdruck ihrer Augen veränderte sich;
nichts als Mitleid und die Ungeduld, endlich
einmal zu Ende zu kommen, sah ich nun in
diesen Augen.</akap>


<akap>Ich schob meinen Hut zurück, goss Spiritus
in die Teemaschine und sprach trocken, abgerissen, fast geschäftlich:</akap>


<akap_dialog>--- Ich hindere dich nicht, ich stehe dir
garnicht im Wege, ich habe ihm das auch
schon mitgeteilt, du kannst gehen...</akap_dialog>


<akap>Sie stand auf, halb trotzig, halb beschämt,
nahm ihren Mantel und Hut und wollte gehen.</akap>


<akap_dialog>--- Du, einen Augenblick... Ich sprach
ganz ruhig, erkünstelt, beinah' mit herzlichem
Entgegenkommen.</akap_dialog>


<akap_dialog>--- Wir scheiden nicht als Feinde, wir
sind Kameraden; denk dich doch mal in die
Rolle eines meiner männlichen Kameraden hinein. Siehst du, ich meine das Technische
an der Geschichte: Geld, Kleider und ähnliches. Das Technische ist immer die große
Hauptsache.</akap_dialog>


<akap>Ich versuchte freundlich zu lachen.</akap>


<akap_dialog>--- Ich denke, das beste wird sein,
dass du gleich gehst; deine Sachen schick’
ich dir nach. Um offen und europäisch zu
sprechen, nämlich, siehst du, kann ich
nicht mehr länger zusammen mit Dir bleiben;
man kann alles verstehen, aber so bleibt doch
immer so ein Vorurteil, eine Idiosynkrasie, so
ein <slowo_obce>malgré tout</slowo_obce>...</akap_dialog>


<akap>Meine Stimme brach allmählich, ich fing
an zu beben, noch ein Wort und ich hätte
mich nicht länger halten können. Meine
Hände sah ich in zweckwidrigen Bewegungen
nach etwas suchen, autonom, ohne bewussten
Willensantrieb.</akap>


<akap>Tränen rollten über ihre Wangen ---
Tränen, wie sie nur Frauen haben; sie
kommen so mir nichts dir nichts, irgendwelche physiologische Nebenwirkung ist nicht zu bemerken, es kommt beinah wie Schweißtropfen.</akap>


<akap>Sie versuchte, mich zu beschwichtigen:</akap>


<akap_dialog>--- Aber glaub' mir doch; willst du mich
durchaus los werden, so geh' ich, aber meine
Liebe zu dir hab’ ich nicht verloren...</akap_dialog>


<akap>Der Schlusssatz interessierte mich; wie
wunderbar sie das »Ich liebe dich« umschrieben
hatte. Sie wusste, dass ich dabei aufgelacht
hätte. Übrigens war sie ihrer Lüge sich sehr
gut bewusst; es kam so zaghaft, wie ein verzweifelter und eigentlich sinnloser Versuch.</akap>


<akap>Ich lächelte sehr überlegen.</akap>


<akap_dialog>--- Nein, lass nur, lass; Du hast zu
viel Ehrlichkeit im Leibe... Und wieder
lächelte ich: die »Ehrlichkeit im Leibe« kam
mir so bedeutsam und so trivial vor.</akap_dialog>


<akap_dialog>--- Lass; es würde doch zu nichts führen.
Ich werde allein mit meinem Kinde bleiben,
vielleicht wird es mich lieben; ich war niemals
geliebt, ich war immer allein.</akap_dialog>


<akap>Ich hatte boshafte Lust, sie zu quälen,
ihr den Abschied ein klein bisschen schwer zu
machen; aber dies Gefühl war so mit Selbstbedauerung vermischt, dass ich große Mühe
hatte, nicht loszuheulen.</akap>


<akap>Sie machte Miene, sich um meinen Hals
zu werfen.</akap>


<akap>Plötzlich verspürte ich etwas wie Ekel,
wurde kühl und sehr freundlich.</akap>


<akap_dialog>--- Du darfst nicht glauben, dass ich sehr
leide, oh nein; ich habe Gehirn genug,
um dich und mich und unser Verhältnis
objektivieren zu können.</akap_dialog>


<akap>Jetzt fing ich an sehr müde und resigniert
zu sprechen; ich suchte instinktiv einen starken
Eindruck hervorzurufen.</akap>


<akap_dialog>--- Nein, im Gegenteil; ich empfinde eine
große, ästhetische Freude, wenn ich Euch
beide ansehe. Ihr passt so wunderbar zusammen!</akap_dialog>


<akap>Sie weinte.</akap>


<akap_dialog>--- Herrgott, so sei doch vernünftig; wir
sind doch sozusagen freie Menschen, nicht
wie Sklaven aneinander gebunden.</akap_dialog>


<akap>Ich zitterte; in jedem Augenblick müsste
ganz spontan ein fürchterlicher Ausbruch kommen, mit Krämpfen oder dergleichen. Ich riss
meine Augen weit auf, legte die Stirn in tiefe
Falten, ich spannte meine Muskeln an, um
diesem Anfall zu begegnen, aber mein Kopf
wurde schwer, das Eigenlicht wurde zu glänzenden Feuerschlangen, jetzt, jetzt...</akap>


<akap>Nein, es verging.</akap>


<akap>Ich atmete auf.</akap>


<akap_dialog>--- Du, wir sind Kameraden; ich werde dir
etwas Geld leihen, und dann gehen wir ganz
ruhig auseinander, wie es freien, vernünftigen
Menschen geziemt.</akap_dialog>


<akap>Das »geziemt« gefiel mir sehr gut, es erinnerte mich an die wohlüberdachte, dozierende
Professorensprache; ganz wunderbar.</akap>


<akap>Sie schwieg eine Weile.</akap>


<akap_dialog>--- Aber das Kind?!</akap_dialog>


<akap_dialog>--- Lass, ich werde es gut erziehen,
deinem Glücke würde es im Wege stehen, es
wird es gut bei mir haben, sehr gut, und ---
es wird mich lieben...</akap_dialog>


<akap>Ein Sprühregen von flüssigem Feuer tanzte
in meinen Augen, mein Kehlkopf kam in
Krämpfe, meine Stimme brach vollständig, ein
unheimlicher Fistelton stieg mir pfeifend aus
der Brust, jetzt ist es da... Nein, wieder
verging es.</akap>


<akap>Ich überbot mich in Edelmut.</akap>


<akap>Ganz leise schob ich ihr eine Banknote in
die Hand, die ich die ganze Zeit lang krampfhaft zerknittert und halb zerrissen hatte.</akap>


<akap>Wir standen uns eine Weile gegenüber.
Vor meinen Augen war es wie ein feuchter
Nebel; ich sah sie nicht.</akap>


<akap_dialog>--- Nun, auf Nimmerwiedersehn ---</akap_dialog>


<akap>Ich bewunderte mich, dass ich so brav war,
aber plötzlich wurde es auf einen Augenblick
ganz dunkel in meinen Augen, der Boden
wankte unter mir, wich mir aus, ich sank und
sank...</akap>


<akap>Alles übrige tat ich automatisch; ich
weiß nur, dass ich etwas getan habe, dass
plötzlich ein frischer Luftzug mich sehr unangenehm berührte. Als ich wieder zu mir
kam, fand ich mich in meinem Atelier allein.</akap>


<akap>Ich setzte mich an meinen Schreibtisch,
öffnete ein Buch und las; las wohl zwei
oder drei Seiten, ohne mich zu unterhalten
oder zu langweilen, ich verstand nämlich nichts,
nicht ein Wort.</akap>


<akap>Mein Kopf war leer, alle Gedanken wie
ausgefegt.</akap>


<akap>Raumlose Klarheit! hörte ich mich etliche
Male wiederholen.</akap>


<akap>Darauf entkleidete ich mich, legte mich ins
Bett, wobei ich den Bettschirm zurechtschob,
und schlief ein.</akap>


<akap>Plötzlich wacht' ich auf.</akap>


<akap>Es war mir, als ob jemand die Treppen
heraufkäme.</akap>


<akap>Ich setzte mich hoch, und mit unsagbarem
Entsetzen hört' ich einen Riesenleib sich über
berstende Treppen ächzend und keuchend heraufarbeiten. Ich hörte nur Krachen und
Bersten und Ächzen, und plötzlich, mit einem
Ruck, wurde die Tür aufgerissen, ein Teil
der Wand flog weg, und herein trat ein wandelndes Lichtmeer; alles schwamm im Lichte,
alles versank, floss zusammen, tauchte unter
in dieser grässlichen Lichtatmosphäre.</akap>


<akap>Licht goss sich in meine Kehle, Licht
brannte mir meine Finger auf, ich erstickte,
ich ging unter in diesem Lichte.</akap>


<akap>Ich riss mich auf.</akap>


<akap>Deutlich sah ich sie vor mir, schlaftrunken
streckte ich ihr beide Hände entgegen: nur eine
Sekunde, nur ein Tausendstel einer Sekunde
ihren Leib auf meinem fühlen! nur einen
Hauch ihrer Körperwärme, nur von weitem,
ein Vorüberstreifen nur, einen Hauch an mir
entlang, einen Hauch von dieser fliederweichen, kühlen Körperwärme!</akap>


<akap>Meine Hände wollten qualvoll aus den Gelenken heraus.</akap>


<akap>Eine wüste Raserei befiel mich; ich grub
mich mit den Nägeln in meinen Körper, ich
schlug mit wütenden Fäusten gegen meinen
Kopf:</akap>


<akap>O Gott, allmächtiger, barmherziger Gott!</akap>


<akap>Endlich wurd' ich ruhiger, ich fing an laut
zu sprechen; es war mir eine Freude, mich in
dieser tauben Einsamkeit sprechen zu hören.
Und ich flennte wie ein Kind, und winselte
wie ein geschlagenes Tier, und bat und bat,
und stürzte mich auf die Knie und rang die
Hände, wild, wüst, krank.</akap>


<akap_dialog>--- O komm, komm; lege Deine warmen,
weichen Hände an mein Herz! O, sieh', ich
bin krank und brauche Liebe und Wärme;
oh, komm, lege behutsam Deine weichen Hände
um mein Herz.</akap_dialog>


<akap>Ich sah mich mit einem Male in der Kirche,
ich sah mich als Knaben in der unendlichen
Atmosphäre gottbegnadeter Seligkeit, einer
Seligkeit von weicher Seidenwolle, gesponnen
aus leise fächelnden Rhythmen, oh ja ---
damals, als ich das erste Mal die heilige Kommunion genoss: das Glück, das wunde, heilige Glück des Gottgenusses.</akap>


<akap>Mein Herz wurde zum Gottesleibe, zur
gottesewigen Hostie.</akap>


<akap_dialog>--- O komm, lege behutsam Deine weichen
Hände um die Hostie meines Herzens, komm
und nimm ein seidenes, goldgesticktes Priesterornat um Deine Schultern, und jetzt recke
Deine Hände empor, langsam in gemessener,
würdevoller Bewegung.</akap_dialog>


<akap>Wir stehen vor der Kirche, auf den Stufen
der gen Osten gerichteten Kirche. Zuckende,
flirrende Mittagshitze um uns, Korngarben
ringsum auf den Äckern, golden glänzt das
Stoppelfeld, und weit im Hintergrunde uns
entgegen, in dem schwülen Nebelflor der alles
aufsaugenden Hitze, gähnt der schwarze Waldsaum.</akap>


<akap>Und über der Mittagshitze, über den goldenen Garben, in Deinen Händen zuckend, blutend, ragt die Hostie meines Herzens.</akap>


<akap>Und die Welt bebt, still neigt sich rings
der Brotsegen des Korns, schauernd rauscht
der Wald:</akap>


<akap><slowo_obce>Tantum ergo sacramentum!</slowo_obce></akap>


<akap>Ich zitterte, alles um mich zitterte in
kreisenden Schauern, ich griff mit beiden Händen um meinen Kopf, ich betastete meinen
Körper: die Vision verschwand, ich wurde
langsam ruhiger...</akap>


<akap>Ich zog mich notdürftig an.</akap>


<akap>Das Mondlicht fiel in dichten, breiten Strahlengarben durch die achtzehn Scheibenquadrate des Atelierfensters; ringsherum, in Silberglanz getaucht, standen auf den Staffeleien meine Bilder.</akap>


<akap>Dort traf ein schamlos nackter Sphinxblick meine Augen; von dort her wand sich mir durch mein Gehirn ein Strahl, geboren
aus den Augen einer blassen, hysterischen
Serpentinetänzerin; aus der Ecke krochen wie
ein körperlicher Wollustschauer die Reize einer
trunkenen Hetäre auf mich zu.</akap>


<akap>Ich fühlte wieder meinen Kopf anschwellen; maßlos. Ich war nicht mehr die blöde, in Raum und Zeit begrenzte Persönlichkeit;
ich wurde die reine, nackte Individualität, so
alt wie alle Welten zusammen, so endlos wie
die Weltenräume alle.</akap>


<akap>Und in sprühendem Gischte sah ich die
Jahrhunderte und Jahrtausende in einen endlosen Abgrund stürzen, etwas kam von beiden
Seiten, das den ziellosen Raum einengte, und
weit und breit schweifte mein unsterblicher
Blick über die Gefilde der Mutterlands. Ich
sah in endlosem Aufbau die ganze Kultur
zum Himmel ragen, und weit und breit
lagen die Fundamente meinem Auge sichtbar:
die Herrschaft des Weibes --- das Matriarchat.</akap>


<akap>Und deutlicher und sicherer fühlt' ich
meiner Bilder Sinn. Die Landschaft da entformte sich zu einem tiefen, tief abgründigen,
rätselhaften Auge. Aus dem Meeresstrande
tauchte ein weißer, glänzender Riesenleib;
wie eine Wunde quoll ihm aus der Abenddämmerung der lüsterne, mystische Mund. Aus allen Rahmen meiner Bilder tauchte das Weib
hervor, der kosmische Weltwille, die Allmutter,
die Herrscherin:</akap>


<akap>Mylitta, die babylonische Hure, die niemals
ein Verlangen stillte, die den Begnadeten den
Flammen preisgab ---</akap>


<akap>Isis, die eine Sonne in unbefleckter Empfängnis gebar: kein Sterblicher hat ihr die Röcke
hochgehoben! Isis, die Mutter der Könige,
Gattin des Mondstiers, die heilige Kuh, die
Königin der ganzen Erde ---</akap>


<akap>Athene, die niemals die Dunkelheit des
Mutterschoßes sah, geboren aus dem lichten
Gefilde des Gehirnes ---</akap>


<akap>Die heilige Jungfrau der teutonischen
Wälder, in der sich Odins Schöpferwille offenbarte ---</akap>


<akap>Und Du, du höher als Isis, heiliger als
Athene, weil dich Mein Gehirn geboren hat:
Ich Dein Erzeuger und Dein Sohn, Ich
habe mit den Mutterbrüsten meines Gehirnes
dich großgesäugt, ich an Deinen Brüsten
mich großgesäugt: du Mutter meiner Seele,
du mein Kind!</akap>


<akap>Hohn dir, alter Jahväh --- warum hast du
gelogen, als du sprachst: in Schmerzen wirst
du deine Kinder gebären, unter dem Willen
deines Mannes wirst du stehen, und er wird
dich unterjochen ---</akap>


<akap>Hohn dir, Hohn! denn über alles Seiende,
trotz deiner Worte, herrscht das Weib! ---</akap>



<naglowek_rozdzial>II</naglowek_rozdzial>






<akap>Und ich sitze und sitze und brüte, warum
musste ich dich lieben?</akap>


<akap>Und eine Stimmung wird in mir lebendig,
die mein Innerstes, mein Tiefstes in regenbogener Lichtpracht nach außen reflektiert.</akap>


<akap>Ich stehe in der Kirche. Abenddämmerung.
Tiefe, tiefste Stille. Stille in dem kauernden
Erwarten, Stille in dem schwülen Rausch der
Weihrauchdüfte, Stille in dem dumpfen, unterirdischen Orgelbrausen.</akap>


<akap>Dicke, schwarze Schatten von den steinernen
Säulen: geheimnisvolle, uralt mystische Riesenschatten, scharf umrissen am Hochaltar, in einer Flut von Kerzen strahlt er, weich verschwommen im Mittelschiff, und sanft zusammenfließend mit der lauen, wollustsüßen
Dämmerung unter dem Orgelchor. Und wie ein wachsendes Zittern geht es durch die Kirche, wie ein leises, schauerndes Entsetzen,
und jäh und plötzlich wird die Stille zerbrochen, mächtig dröhnen Orgeltöne, und aus der kauernden, keuchenden Erwartung erlöst
sich ein Lied, so tief, so sehnlich, so schwellend:
<slowo_obce>Salve Regina!</slowo_obce> ---</akap>


<akap>Und wieder Nacht. Der Himmel beglänzt,
o so beglänzt, wie die weite Niederung da unten
unter der Brücke, auf der die eisernen Züge
rasen. Millionen Lichter, eines an das andere
gepflanzt, in seltsamen Linien, vielfältigen
Farben, unter-- über einander, eine weite Wiese
mit leuchtenden Blumen.</akap>


<akap>Und Duft von Rosen wie weiches Nebelleuchten durch die laue Sommernacht. Ein Zug voll Menschen mit Kerzen in den Händen,
und ein Verhängnis über ihren Köpfen, und
wieder Gesang, Gesang in unendlich tiefen,
monotonen, halbverhaltenen Tönen, kauernden
Tönen, die explodieren können, die das Gehirn
mit ihrer schmerzlichen Wut zerreißen können.</akap>


<akap>Und das Lied wird zur Linie, Düfte werden zu Flächen und die Stimmungen zu Farben, ein seltsam verwirrtes Gemenge von Farben,
Linien, Düften, aber immer die eine Stimmung,
der eine Stimmungstrieb.</akap>


<akap>Und in den Tiefen, da wird die Stimmung,
die mein Herz in Beben und Erschüttern brachte,
zu der Fläche, dieser seltsam weichen, leise
ausgebuchteten Fläche deiner Wange von den
Backenknochen bis zum Rand des Kinns. Und
in der Tiefe wird der kauernde Gesang zu
der Sehnsucht deiner Sprache --- oh, ja, ja...</akap>


<akap>Ich bin ein Knabe, ein schwacher, zarter
Knabe von vierzehn Jahren.</akap>


<akap>Blaue Fernen vor mir, weißblau flimmernde
Fernen. Die Sonnenhitze schwillt dumpf an,
sie sengt den Boden, auf dem Seespiegel
steht sie mit flirrenden, stechenden Lichtern,
und über mir aufschießend, steil geästet, ragt
die Wipfelspitze einer Pappel.</akap>


<akap>Irrend schwimmen meine Knabenaugen
in die blauweiße Ferne, in die flirrende,
flimmernde, weiße Hitze, und in heißer
Brandung schwillt das Blut zum kochenden Strom.</akap>


<akap>Dies Flirren und Flimmern der Sommerhitze,
das hattest Du, Du unter den wollustseligen
Augen --- damals, als du heiß und glücklich
in meinen Armen lagst.</akap>


<akap>Da vor mir das Gemälde, das du so geliebt hast: eine dürre, trübe Fläche, gelbe
Grashalme und ausgedörrtes Unkraut. Ein Bach
mit Binsen bewachsen, ein stiller, flacher Bach,
mit den herrlichen Himmelsreflexen der beginnenden Abendröte. Paar struppige Weiden
mit vertrockneten Ästen steh'n am Bach, und
im Hintergrunde, im schwachen Nebel zerfließend, eine Hütte, halb zerfallen.</akap>


<akap>Das bist Du!</akap>


<akap>Und ich sehe den Himmel zerfließen in
allen Farben, in allen Gluten, in wolkigem
Wechsel, in fliehender Hast. Gelbgrün an
den Rändern, aschfarben über dem purpurvioletten Horizontrand, und von Orten nach Westen ein zackiger, tausendfach gebrochener
Ring von gelbem Purpur: eine breite
klaffende Wunde auf der Riesenstirn des
Himmels.</akap>


<akap>Den Himmel seh' ich und den schwindenden, weißen Tag. Die Wunde wird breiter zum feurigen Gangrän, zum Abgrund geronnenen Blutes. Um sie herum der Himmel matter und matter, und dunkler und tiefer der
aschfarb'ne Erdschatten, von zuckenden, goldnen
Reflexen zerrissen, und allmählich dunkelt alles
nach, tiefer und tiefer in ein schweres,
schwarzes Blau hinein.</akap>


<akap>Das bist Du!</akap>


<akap>In meinen Ohren klingt ein Lied; schwarzgrauer Tiefton, gesprenkelt mit hellblauen
Lichtern. Da plötzlich von hinten nach vorne
eine Schlange von heißem, begehrlichem
Lachen in kreischender, jauchzender Bewegung.</akap>


<akap>Aus deinen Augen sprangen manchmal diese
weichen, schillernden Schlangen an mein Herz.
Sie umringelten es, sie rieben sich wollüstig
an ihm und legten sich züngelnd in seiner
weichen Wärme schlafen.</akap> 


<akap>Und meine Kunst, das bist Du. Und das
heilige Werkzeug, das mir alle Töne der Erscheinungswelt auf diese eine Dominante abgestimmt hat, das bist Du. Und Ich bin Du!</akap>


<akap>Und weil du die Fläche zu meinem Liede
warst, und weil du mir die Linien meiner
Erlebnisse lebtest, und weil du die Farbe
meiner Düfte bist, musste ich dich lieben...</akap>


<akap>Bevor ich dich sah, warst du in mir; bevor ich dich in meinen Armen hielt, lebtest du in meinen Farben, zucktest du aus meinen
Tönen, und wie ein Abendlicht mildernd und
versöhnend lagst du über meinen Erlebnissen,
lagst und leuchtetest hinein mit seltsamen
Augen, und wobst sie mir mit weichen,
leuchtenden Händen zu einer mystischen, verhallenden, zerfließenden Melodie.</akap> 


<akap>Bevor ich dich sah, lagst du so in unbefleckter Reinheit als ein Urbild keusch in meinem Gehirn, eine rein angeschaute Idee, du
heilige Jungfrau, die niemals die Dunkelheit
des Mutterschoßes sah. Noch war mein Geschlecht aus dir nicht geboren: nur eine große, reine Wollust schöpferischer Sehnsucht.</akap>


<akap>Und da kamst du!</akap>


<akap>Und in einem Nu hattest du die Fäden zwischen meinem schaffenden Gehirn und der schlummernd brütenden Tierseele des Geschlechtes gesponnen, tausend Verbindungen eingefädelt zwischen deinem Leibe, den brünstig mein Geschlecht umfing, und meiner Gehirnidee; und Du Geschlechtstier bist mit Dir, dem Urbild meines Hirnes, ineinandergeflossen
und wurdest eine große Einheit, eine heilige
Synthese von fleischgewordenem Worte, das
herrliche Eden, darein das Anfangslose sich
verkleidete.</akap>


<akap>Und das war meiner Kraft werdender
Frühling, das war meiner Macht aufblühender
Stolz, denn du warst mir die purpurne, ahnende
Bangigkeit des Zwielichts und die zitternde
Farbenunruh' des jungen Tages, die jeden Nerv
mit heißer, beglückender Frühpracht sättigt.</akap>


<akap>Und du sitzest auf meinen Knien.
Warme Dämmerung im Atelier. Nur hier und
da taucht wie ein glänzender Fleck ein Gegenstand hervor. Draußen wiehert der Dezemberwind, Schneeflocken schlagen eisig gegen das
Fenster: windige, schneidende Kälte. Aber in
dem großen Kamine vor uns knistert lustig
das Feuer uNd wirft Purpurscheine auf dein
Gesicht, herrlich purpurgelbe Flecke, wie
die untergegangene Sonne der Erde ihre
letzten Abschiedsgrüße zuwirft. Du auf meinen
Knien, und in meinen Händen hob' ich
deine kleinen Füße und halte sie gegen das
Feuer; weißt du, ganz so lag ich als Knabe
auf dem Schoß meiner Mutter, wenn ich Husten
bekam, ganz so hielt sie meine Füße gegen
das Feuer und rieb mir die Sohlen mit
Zwiebeln ein.</akap>


<akap>O, ich liebe dich! liebe dich als meine
Kunst in Farbe, Ton und Wort, ich liebe
dich als meiner Vorzeit endlose Vergangenheit,
ich liebe dich als den Geruch meiner Heimatserde, als meiner Kirche mystischen Rausch, aber über alles lieb' ich dich als meinen kosmischen Sehnsuchtsschmerz, als meine höchste
Lebensbejahung in meiner grässlichsten Qual,
in meinem Siechtum, meiner Ohnmacht.</akap>


<akap>Die Uridee, die dich geboren hat, aus der mir
meine Kunst gewachsen ist, hast du zerstört: auf
tausend Wegen, in tausend Fäden floss jeder
Eindruck in den Abgrund des Geschlechtes, und
was makellos im Gehirne wuchs, erstarb in der
geschlechtlichen Sehnsucht nach dir.</akap>


<akap>Aber meine Qual war dein Recht!</akap>


<akap>Dazu meine Vergangenheit, dass ich durch
dich die Ewigkeit fortpflanzte. Dazu die
Farben. Töne, Linien, dass ich in erlesenster Zuchtwahl dich aus allen Weibern der
Erde wählte, dem Grundgesetze der Natur
Genüge zu tun.</akap>


<akap>Und die Kunst, die erbärmliche Kunst!
Eine Spielerei, die das Geschlecht mit dem
Gehirne treibt! Die ganze menschliche Kunst:
ein Liedchen, das nicht mal ein Weibchen anlocken kann, ein Bild von Farbenpracht, das
doch nicht mal die Macht von einem Pfauenschwanz erreicht!</akap>


<akap>Doch wozu? wozu Vernunft, wozu Raisonnement? Die Sehnsucht blieb, die große Sehnsucht...</akap>


<akap>Verschwunden ist mir das Weib mit ihrer
Mission und ihrer Kulturmacht, verschwunden du mit dem Geheimnis meiner Individualität, dem Sinn meiner Kunst, dem Willen
meiner Ewigkeitsbegierden --- nur eines blieb:
das Riesensymbol, das nun mein Weib geworden ist: die Sehnsucht.</akap>


<akap>Die Sehnsucht, die im Künstler zeugt, die
die Hände zu Gott emporringt, die das Gehirn
im Triebe nach Erkenntnis sich zerquälen lässt;
die schmerzhafte, ewige Sehnsucht des Daseins:
aufjauchzend, aufwirbelnd in heißen Stürmen,
wühlend mit tausend glühenden Nadeln, zerstörend, vermählend und wieder zerstörend, in ewigem Gleichmaß, ewiger Unrast, ewiger
Qual und Seligkeit.</akap>





<naglowek_rozdzial>III</naglowek_rozdzial>




<akap>Um dein Haupt ein Kranz welker
Blumen wie ein Gurt erloschener Sterne, und
dein Antlitz strahlt von den Spuren einstiger
Schönheit.</akap>


<akap>An deine Füße brandet in wilden, zerschäumenden Wogen die Flut meines Lebens, und wie ein Wirbel kreist um dich die kranke Brut meiner Seele.</akap>


<akap>Mit grauen Flügeln schlägt um dich mein
Schicksal rauschende Ringe, du meine Wiege,
du mein Sarg.</akap>


<akap>Aus dem Meere meines Urgrunds bist du
emporgestiegen, in der gebrechlichen Perlenmuschel meines Daseins fährst du einher, du schmerzhafte Schönheit, die du über alle Schönheit thronst, o Sehnsucht du!</akap>


<akap>Und warum musstest du zu meinem Sarge
werden, warum musste dein Zukunftsjauchzen
mir als Rabengekrächz mein Ende künden, und
die Fackeln, die du Andern auf den Weg zum
fernen Berg des Glückes stellst, mir als Totenkerzen um mein Bette stehen?</akap>


<akap>Das heilige Gotteswort, das Welten aus dem
Nichts ruft, Du dem Einen! Die Adamsrippe,
die ein neues, ungeahntes Urbild in sich trägt,
dem Andern! der zukunftgährende Sauerteig
des Lebens Du für Alle! nur auf Mein Haupt
hast du mir mit dürren Stacheln bohrend einen
Dornenkranz gedrückt, du schmerzhafte Schönheit, die du über alle Schönheit thronst, o Sehnsucht du!</akap>


<akap>Und dennoch stand es über meinem Haupt
geschrieben, dass meine Seele, deiner göttlichen
Urkraft schwanger, alle Kreatur und Welt in
leuchtender Neugestalt gebären sollte. Denn
Mir und all der Welt war von Anbeginn
derselbe Anfang.</akap>


<akap>Meine Seele sollte Dir kraft Deiner Macht
die Atmosphäre sein, in der sich alle Kreatur
mit neuer Lust belebte; das ganze Allsein
sollte sie umfangen, in jede Pore seiner Heimlichkeiten dringen, und über die Sterne, von
einem zum andern, sollte sie sich wie ein Purpurmantel spannen, deiner königlichen Heilandsmajestät als Ruheteppich.</akap>


<akap>Und in der Unzucht meiner Träume hast
du gelebt und in mein Wort dich einkerkern
lassen und mir den Ton zur wüsten Heimatsfläche hingebreitet, um nur in Mir dein neues Reich, deine Erlösung zu finden.</akap>


<akap>Über den Bergen solltest du in roter
Sonnenglut aufgehen für das Reich, das neue,
meines Gehirnes. Und nie, nie solltest du versinken, denn in meinem Reiche sollte die Sonne
nie untergehen.</akap>


<akap>Zur neuen Zukunft, zum dritten Reiche, in
Mir erlöst werden wolltest Du.</akap>

<sekcja_swiatlo/>
<akap>Da throne Ich, deine Erlösung; Ich, deine
Verdammnis. Da breitet meine Majestät sich
über alles Wesen: Ich, dein letztes Wort, das
mit weiten, langen Händen die gottgeborene
Tat, die Tat des dritten Reiches, die Tat
der wissenden Herrschaft, in die Zukunft
schreibt.</akap>





<akap>Da sitz' ich da und brüte, wie ich dich
erlösen könnt’.</akap>


<sekcja_swiatlo/>

<akap>Und jetzt seh’ ich dich.</akap>





<akap>Um dein Haupt ein Kranz tausend nackter Blitze. Die Stürme von Jahrhunderten
haben dein Haar zerrissen; eine Ewigkeit von
Menschenglück, eine Unendlichkeit von Menschenjammer ist in dir brünstig geworden. Auf
dem Regenbogen gährender Kräfte fährst du
einher, und dein Wille wie ein Abgrund schäumender Macht.</akap>





<akap>O gib mir den Akkord, in dem sich deine
Macht umfassen lässt! gib mir das Riesenwort,
das dich sagen könnte! das Wort, den Akkord,
der wie zuckende Fieberglut die Welt durchrast! den Akkord, den ein Himmel brennender
Sterne mit der hektischen Röte des Wahnsinns färbt! stärker noch, mächtiger noch,
--- haa, wer kennt das grausige Lied des blutenden, wissenden Gehirns, wer kennt das Wort der neuen Tat?!</akap>





<akap>Ich, ich kenne das Lied, ich kenne das
Wort: ich, der Sohn deiner ewigen Stürme,
der Sohn deiner Nöte und Irrgänge.</akap>





<akap>Gib mir her den neuen Akkord! O,
näher! oh, mächtiger! Schon braust er mit
Flügeln in meinem Gehirn, schon schüttet sich
die Brandung seiner Macht in meine Adern,
schon dehnt sich mein Leib zum bäumenden
Aufschwung, schon bersten die Wellen, schon...</akap>


<sekcja_swiatlo/>


<akap>Vergebens, versunken...</akap>





<akap>Wie ein Holzwurm bohrtest du dich in die
Füße meines Thrones, bohrtest unablässig, bis
er zu wanken begann, bis die Königskrone
meines Hauptes wackelte und der Sessel der
Caesaren morsch mit mir zu Boden brach,
um mich her in Lumpen und Fetzen mein
herrlicher Purpurmantel...</akap>

<sekcja_swiatlo/>



<akap>Müde strahlt dein Antlitz von den Spuren
einstiger Pracht; um dein Haupt ein Kranz
welker Blumen, und in der gebrechlichen Perlenmuschel meines Siechtums führst du dahin, du
schmerzhafte Schönheit, die du über alle
Schönheit thronst, o Sehnsucht du!</akap>




<naglowek_rozdzial>IV</naglowek_rozdzial>




<akap>In Qual und Ohnmacht zuckt mein Hirn
und ich will mich quälen. Ich will mich weiden
an seinem Schmerz, denn ich liebe den
Schmerz, er ist das Ewige; die ganze Vergangenheit beherbergt sein Vaterschoß und
alle Zukunft wird aus ihm geboren. Ja, ich
will mich weiden an meinem Schmerz! ---</akap>


<akap>Wir waren alle so betrunken, so betrunken.</akap>


<akap>Ein wilder Rausch, der unsre Geisteskräfte
herrlich potenzierte, der das Denken mit verjüngten Energien speiste, ließ uns alles tiefer,
heftiger empfinden.</akap>


<akap>Es war der schöne, mystische, grandiose
Durchbruch, den allein die sexuelle Spannung
in den ersten Stadien der Geschlechtsbrunst
leisten kann, wenn noch alles in verklärter
Schönheit erscheint und in tausendfach gesteigerten Verhältnissen genossen wird.</akap>


<akap>Er saß dort in der großen Fensternische.
Von der Seite fiel auf sein dämonisch blasses,
furchenwildes Gesicht grelles Lampenlicht.
Jeder seiner scharf geschnittenen Züge trat
noch schärfer, deutlicher, beinahe karikiert
hervor, jeder Zug ein Abgrund unbezwinglichen, unentrinnbar suggestiven Willens.</akap>


<akap>Ein Fatum lag in diesen Zügen. Ich
kann mich deutlich erinnern, dass ich ihn
damals garnicht als Persönlichkeit empfand,
sondern als verkörperlichte Macht, als das
Werkzeug einer Macht, die auf uns alle,
brütend, lauernd, ihre Hand gelegt hielt. So
sah ich Menschen, die in wenigen Stunden
sterben oder verunglücken sollten. So sah
ich Menschen, auf deren Stirn sich ein entsetzlicher Entschluss kundtat.</akap>


<akap>Er sprach mit seiner Schicksalsstimme das
mächtige Gedicht eines Freundes. Ich konnte
nicht dem Sinn der einzelnen Sätze folgen,
ich empfand nur ihren grauenstiefen, schmerzlichen Gefühlsuntergrund, eine Stimmung aus
zuckenden Blitzen und keuchenden Sehnsuchtsstürmen gewoben. In mir fühlte ich die ringenden Hände, sah sie, wie sich jeder Muskel
krampfhaft spannte, ihre Blutgefäße zu blauen
Aderbeulen schwollen. Aus tiefen Grüften
sah ich diese Hände sich nach Oben strecken,
die ringenden Hände der schmerzhaften
Brunst:</akap>





<poezja_cyt><strofa>»Niemals sah ich die Nacht beglänzter,/
Diamantisch reizen die Fernen...«</strofa></poezja_cyt>



<akap>Sie spielte weich, gedämpft eine Begleitung auf dem Klavier. Ich weiß nicht wie es kam, aber plötzlich richtete sich meine
ganze Seele auf ihr Spiel. Ich kroch in jeden
Ton, ich fasste sie mühsam zusammen, mit
tausend Händen umfasste ich krampfhaft
tausend Sätze, tausend Töne kribbelten und
krochen mir in meine Nerven, und so stand
ich da mit tausend geballten Fäusten, tausend
Lanzettenstichen durch mein Hirn --- und
plötzlich verstand ich...</akap>


<akap>Diese aus tausend Tiefen dumpf aufjauchzende Sehnsucht, diese in tausend Tönen schillernde Innigkeit der Brunst --- o Gott,
o Gott, wie schmerzte das...</akap>


<akap>Und Wort und Ton verflochten sich; Ton um
Ton klammerte sich, wie eine Klette an das sturmgepeitschte Haar des Wortes, und an seinen
flatternden Strahlen sehnte sich der Ton hinauf zum Himmel, zur Sonne des Glückes.</akap>


<akap>Und es waren nicht Töne, nicht Worte,
zwei Riesenseelen waren es, die sich an einander klammerten, in steigender Macht sich
umschlungen hielten; eine rang sich an der
andern hin, empor, hernieder, und immer fester
verschlangen sich die Hände, immer wilder
pressten sie sich in einander, und es wurde
eine Orgie geschlechtlicher Sehnsucht, zuckender Schmerzensschreie, winselnder, lechzender
Gier.</akap>


<akap>Ich verstand diesen stummen, satanischen
Geschlechtsakt, ich verstand dies Ringen und
Ersterben in der Abgrundstiefe der verschmolzenen Seelen, mein Kopf wollte bersten, aus
meinen Augen musste Blut spritzen, und hinein
in einen leisen, innigen Refrain schrie ich mit
der wilden Stimme brechenden Schmerzes:</akap>





<poezja_cyt><strofa>»Niemals sah ich die Nacht beglänzter/
Diamantisch reizen die Fernen...«</strofa></poezja_cyt>



<akap>Plötzlich wurde ich ruhig, matt und boshaft.</akap>


<akap>Niemand gab auf mich acht. Wir waren
ja so betrunken, so betrunken...</akap>


<akap>Jetzt musste ich mich quälen, den bittern
Kelch bis auf die Hefe leeren, ich musste mich
mit unerhörter Lüsternheit selbst quälen, wenn
ich auch dabei vergehen, hu --- verrecken
sollte.</akap>


<akap>Die Deklamation war zu Ende, ich heuchelte
eine maßlose Begeisterung:</akap>


<akap_dialog>--- Jetzt musst du ihn küssen! Du musst;
dem Künstler schenk' ich mein Weib, ich
König, königlich mein Preis --- schrie ich
ihr zu und setzte mich in meinem Sessel zurecht, um alles besser, tiefer, in der schärfsten
Lichtlage gemessen zu können.</akap_dialog>


<akap>Das war alles so selbstverständlich, in
dieser Rauschglut und Begeisterung so zwingend, dass es keinem auffallen konnte.</akap>


<akap>Und nun kam der große Keulenschlag.</akap>


<akap>Ich sehe sie beide vor mir, ganz deutlich,
da vor dem Klavier. Sie standen sich gegenüber wartend, keuchend; es kam mir vor, als
hätte irgend etwas Mächtiges ihre Muskeln
gelähmt.</akap>


<akap>Eine Ewigkeit verging. Ich sog mich gierig
in jeden Schauer, jedes Zucken ihrer Körper,
in diese Stille, die den Sturm gebären sollte.
Ich lenkte, berechnete, setzte sie in mir zurecht, diese schauernden Innervationsgefühle
ihrer Muskelfibern, nach der Richtung meines
intensivsten Schmerzempfindens.</akap>


<akap>Noch standen sie wie verzaubert. Da plötzlich legte sie sich ihre Hände um den Kopf,
reckte ihren Körper auf den Zehen hoch, in der
Linie des geschwungenen Bogens --- sie sah
ihn an! O Gott, wie sie ihn ansah! Diese
brünstige Innigkeit, diese schamhafte, schamlose Hingebung; eine ganze Welt von Brunst
lag in dieser Bewegung, und ihre Brust keuchte.
Dann seh ich ihn, wie er auf sie zustürzt, sie
auf seine Hände nimmt; mit beiden Händen
nahm er sie und schnellte sie empor, dann sah
ich ihre Lippen sich ineinander wühlen und
graben, dann fing mein Atelier an, um mich
herum zu tanzen, ich griff krampfhaft um die
Lehnen meines Sessels und schrie wütend:
Fester noch, fester!</akap>


<akap>Ich hetzte sie auf einander: mein schreiender Wille war wie eine Peitsche, die sie auf
einander loshieb, ich fühlte mich als eine
tausendköpfige Menge, die mit ihrem Wutgeschrei zwei Gladiatoren auf einander jagt.</akap>


<akap>Sie keuchte, und ich sah sie auf den Boden
gleiten zu seinen Füßen, und sie blickte zu
ihm auf.</akap>


<akap>O, diese Unendlichkeit von ungesättigter
Seligkeit in ihrem Blick, diese bettelnde Bitte:
Nimm mich, nimm mich doch!</akap>


<akap>Ja schamlos, schamlos!</akap>


<akap>Freilich brauchte man auf mich ja keine
Rücksicht zu nehmen; ich war ja so maßlos
betrunken...</akap>


<akap>Wieder richtete ich meine Augen auf ihr
Gesicht. Jede Fiber an ihr bekam mir selbstständiges Leben; jeder Schauer, der ihr Gesicht
durchzuckte, wurde mir zu einem Abgrund von
Brunstwillen, und mit tausend Fibern, wie
mit tausend Natternzungen, stach sie, biss sie,
sog sie sich in mich hinein.</akap>


<akap>Ich lief hinaus.</akap>


<akap>Vielleicht wollt' ich ihnen Zeit geben, sich
in befriedigungswütiger Orgie auszutoben.</akap>


<akap>Ich blieb lange draußen, sehr lange.</akap>


<akap>Als ich zurückkam, lag er zu ihren Füßen,
umklammerte und küsste sie und war so glücklich, so glücklich.</akap>


<akap>Jetzt litt ich nicht mehr; ich war kalt, und
sehr, sehr nüchtern. Ich fühlte keinen Schmerz
mehr, keine Eifersucht: die Sache war abgetan für mich.</akap>


<akap>Ich warf mich auf das Sofa, rauchte eine
Zigarette an und heuchelte eine maßlose
Müdigkeit.</akap>


<akap>Meine letzte Empfindung war eine ranzige,
bittere Geschmackshalluzination, wie von einer
alten, verdorbenen Speise.</akap>


<akap>Ich weiß nicht, wie es kam, aber ich schlief ein.</akap>


<akap>Als ich am andern Mittag erwachte, stand
sie angekleidet vor meinem Sofa und sah mich
offen, sehr offen an.</akap>


<akap>Scham, Reue, Trotz, Frechheit, die ganze Tonleiter der Ehebruchsgefühle sah ich in ihrem Blick.</akap>


<akap>Ach Gott, ich wusste alles; alles wusste, ich, was sollten denn die Blicke zwischen uns. Zwischen uns beiden waren alle Fäden zerschnitten.</akap>



<naglowek_rozdzial>V</naglowek_rozdzial>

<akap>Heute versuchte ich zu arbeiten:</akap> 


<akap>Es geht nicht!</akap> 


<akap>Die ziellose Sehnsucht fehlt mir. Sie hat
mit ihrer lächerlichen Leiblichkeit mir ihr Urbild zerstört. Was einst unbewusst hier in mir
ruhte, durch alle Empfindungen hingestreut,
wie Goldfäden in alle Erinnerungen eingewoben, duftend aus dem breitgesponnenen
Gewebe meiner Heimatsmelodien, das hat sie
wie in einem Brennspiegel in sich gesammelt.
Was sich einst in steigender Potenz dem
unbekannten Reich entgegenreckte, das gipfelt
jetzt nur in der leiblichen Sehnsucht nach ihr.</akap>


<akap>Aus jedem Pinselstrich, aus jedem Tonsatz
grinst mir ihr Gesicht entgegen, ihre Bewegungen seh ich unter meinen Fingern entstehen, ihr heißes Lachen trübt mir jeden
goldreinen Klang.</akap>


<akap>Anders, an ihr vorbei, kann ich nicht
schaffen. Ich kann sie nicht bei Seite schieben.
Meine Kunst ist nur der einzige Typus: ihr
Typus.</akap>


<akap>Ich kann nicht mehr arbeiten, wenn ich
nicht verbluten soll.</akap>

<akap>Die unpersönliche, undifferenzierte Sehnsucht fehlt mir.</akap>


<akap>Oh, die Sehnsucht, die mich als Knaben
in Mondscheinnächten auf den nassen, weichen
Frühlingsacker warf, dass ich mich mit meinen
Händen in die frische Krume grub, meine
heimatliche Erde über mich schüttend wie ein
weiches, wollüstiges Daunenbett.</akap>


<akap>Die Sehnsucht des Künstlers, in dessen
Seele etwas auf und nieder wogt, von einem
Pol zum andern, ohne die Achse finden zu
können, und in wilden Strömen dem Gehirne
zukreist, den Urbildern zu, die dort vom
Weibe aufgespeichert liegen und die nach
Wiedergeburt, nach neuer Schönheit, neuer
Kraft verlangen.</akap>


<akap>Oh, die herrliche Sehnsucht des reifenden
Knaben und hoffenden Weibes und des zeugenden Künstlers, die Sehnsucht des Beginnens und des Werdens, die große Sehnsucht
der Dämmerung, die sich in das Nachtbett
legen, und die Sehnsucht des Morgengrauens,
die in dem blutigen Erlöser-Rot der Auferstehung ihr Begehren stillen will.</akap>


<akap>Die heilige, zeugende, zukunftschwangere
Sehnsucht Deines Urbildes: Geliebte, Du!</akap>


<akap>Ich hasse dich, im kranken Schmerz hass’ ich
dein Blut, weil du dich in mir zerstört hast,
weil du, Blut, die Quelle meines Schaffens vergiftet hast.</akap>


<akap>Jetzt hab’ ich eine andere Sehnsucht, eine
schauerliche, körperliche Sehnsucht.</akap>


<akap>Im Granite meines einstmals festgefügten
Wesens zieht sie sich hin, wie Gänge fremden
Gesteins, bis der Granit auswittert und brüchig
wird an seinen kranken Adern.</akap>


<akap>In jede meiner Sensationen biss sie sich,
saugt ihnen das Mark des Willens aus, zernagt den Lebensstrang, der mein Empfinden
mit der Urkraft der Instinkte füllte; sie wickelt
sich wie eine Scheide um den nackten, lebenslüsternen, nach Licht und Sonne klopfenden
Nerven und sperrt ihn ein in eine dunkle
Höhle qualvoll träumender Schmerzensmysterien,
weitentrückten Ringens zwischen Ohnmacht und
fiebrigem Wünschen.</akap>


<akap>Aber in der Tiefe, da ringt etwas nach
Glück; etwas streckt da seine Hände in
ächzender Verzweiflung nach dem Becher der
erlösenden Arzenei, etwas windet und zuckt
und dreht sich nach der Lichtseite, wie die
Pflanze, die in stetem Schatten steht, und zwei
Schritte weiter lacht das helle, licht-- und
farbentrunkene Erdreich.</akap>


<akap>O Gott, vielleicht doch ein klein wenig
Glückt vielleicht das Glück des Tieres bloß,
das unwissende, unbewusste Glück der Herde,
sonnenhaft umstrahlt von der verblutenden
Heilandsmajestät meines wissenden Gehirnes!</akap>


<akap>In der starken Mutterkrippe des Sonnengeflechtes müsste es von selbst, wie mit der
Wünschelrute hingezaubert, plötzlich liegen;
von dort, ja, von dort müsste es kommen,
das prometheische Licht der Erlösung.</akap>


<akap>Und mit weit gen Westen offenem Portal
steht die Kirche meiner Seele da, das zertrümmerte Jerusalem meines Gehirns, palmengeschmückt, um den Bräutigam zu empfangen,
den Sohn der Gottestrunkenheit, der neuen,
ewigen Beglückung.</akap>


<akap>Und wie ein Erzpriester steh’ ich armer
Menschensohn auf den Stufen des Altars und
warte. Mit ausgestreckten Armen, mit starr
gen Morgen gerichteten Augen steh ich da
und warte.</akap>


<akap>Palmenwedel um mich, die Hand getaucht
ins heilige Feuer des Opferbeckens, vom geweihten Rauch der Glut und Räucherwerk
umdampft, so steh’ ich da, ich alter Simeon
des Gehirnes, um das Kindlein, das neue, zu
empfangen, --- das Kindlein, den neuen Heiland
der Erlösung.</akap>


<akap>Erlösung --- Erlösung!</akap>





<naglowek_rozdzial>VI</naglowek_rozdzial>




<akap>Ich denke drei Jahre zurück.</akap>


<akap>Wie viel Glückseligkeit damals, wie viel
Begierden, die mir seitdem zum Ekel wurden,
wie viel Hoffnungen, die nun zerstört sind,
und wie viel Herzenswärme --- oh ja, Herz,
Herz...</akap>


<akap>Um meinen Schreibtisch spielt mein zweijähriger, blonder Sohn. Schmerz hat ihn geboren, Schmerz spricht aus seinen Zügen,
schmerzhafte, kranke, alte Wehmut aus seinen
Bewegungen. Denn Schmerz ist das Ewige,
das alles geboren hat; Schmerz ist das, was
endlos die Vergangenheit enträtselt, und aus
Schmerz wird alle Zukunft geboren.</akap>


<akap>Ich und mein Sohn, wir beide ewig und
schmerzgeboren, wir beide mächtig in dem
Größenwahne unsrer Nichtigkeit.</akap>


<akap>Um meinen Schreibtisch spielt mein Sohn
mit dem Kaninchen, dem weißen, rotäugigen
Kaninchen. Ich liebe meinen Sohn; er ist die
große Idee meiner Vernichtung. Tag für Tag
zerstört er mir ein Stück meines Daseins durch
seine Mutter.</akap>


<akap>Und mein blonder Sohn ist schön und klug
mit diesen mystischen Augen und den schmerzhaften Zügen.</akap>


<akap>Und eine Flut von Erinnerungen stürzt
über mich; mein Gehirn wühlt sich zurück
und sieht die Zeit, als der Jubel des werdenden Vaters in mir jauchzte.</akap>


<akap>Damals warst du so jung, und deiner Brüste
schwellende Keime pochten scheu an deine
harte, frische Haut mit wachem Verlangen.</akap>


<akap>Damals warst du so schön, und über dein
Gesicht hin lag es wie ein Dunsthauch über
der hoffenden Frühlingserde.</akap>


<akap>Mit zwei Sternaugen sahst du mich an,
unschuldig, sündlos, unwissend; dein Blick kam
über mich, wie aus einer fremden Welt, aus
einer grauen Vergangenheit.</akap>


<akap>Etwas Fremdes, Fernes --- ja; denn aus
diesen Mädchenaugen zuckte zu mir her der
Strahl des Willens, der das Daseinswort, das
uns geschaffen, erst erfüllen sollte.</akap>


<akap>Kind, Geliebte! Der Messiasgedanke eines
großen Gottes, auf dass der Menschenewigkeit
kein Ende werde.</akap>


<akap>Und erinnerst du dich?</akap>


<akap>Unter meinem Arme führt’ ich dich, stolz,
weil alle Menschen uns um unser Glück beneideten. Durch den schwarzen, einsamen
Park, durch das heimliche Rauschen der
Blätter, durch das mystisch hochzeitliche Zittern der Natur führten wir uns an den Teich.
Rings im Kreise standen silberblass die Pappeln, und der Himmel tauchte unter in der
glatten Flut mit seiner sternenglühenden Ewigkeit und blickte so verführerisch zu uns herauf
mit seiner selbstgewissen Pracht.</akap>


<akap>Und da war es still und Wollust in uns,
und du zittertest in meinen Armen.</akap>


<akap>Nachtschauer schnitten mir mit leisen,
sammetweichen Stichen durch die Glieder, und
der Himmel blühte von Millionen sechsblätteriger Sternenkelche --- hei, wie lachte die
Himmelswiese mit den glühenden Sternenblumen!</akap>


<akap>Und wir beide so trunken von unserm
Glück, und wir beide in einander versinkend
und verflochten wie zwei Sterne zweier Hemisphären, und wir beide in einander gewirkt wie
Tugend und Sünde, Unschuld und Verbrechen.
Und schwellend keimte der Same.</akap>


<akap>Geliebte, Weib. Heilige, du meiner Seele
zuckendes Herz, du meines Weltenhirnes
kreisende Achse: meiner Zukunft ewiges Schicksal gebierst du mir!</akap>


<akap>Um deine Stirne wind' ich einen Kranz,
gewunden aus den großen, blutenden,
schwarzen Blumen meiner Sehnsucht, und in
das taube, weite Sturmgewand meiner verzweifelten Nöte hülle ich dich ein, und einen
Sternenregen goldener Kindesvergangenheit
schütte ich auf dich herab, du meine Heilige,
Gottgeschwängerte!</akap>


<akap>Und alles schwindet, sinkt. Nur Du: Du
über tausend Jahre hingestreckt. Du durch
Millionen Weltenräume ausgebreitet. Du an
meinem Herzen ---</akap>


<akap>Ehebrecherin du!</akap>




<naglowek_rozdzial>VII</naglowek_rozdzial>




<akap>Eine Sonne sah ich, sie war rot wie Purpurblut, und die Wolken ringsherum, wie wenn der Himmel verbluten wollte.</akap>


<akap>Mein Malraum wurde mir zur Hölle; unstet, rastlos lief ich hin und her und litt, litt, wie nur einer leiden kann, der mit seiner ganzen
Seele, seiner ganzen Kunst in einem Weibe
wurzelt, das ihn nicht mehr liebt.</akap>


<akap>Ja, ich hatte es lange gemerkt; ich wusste
es, ich brauchte keine Beweise. Ich fühlte es
in mir, in ihr; ich sah's in ihren Blicken, ich
las es von ihrer kleinsten Bewegung ab. Ich
sah in ihrer Seele so klar, wie in einem Wasser,
wenn die ersten Tinten der Abenddämmerung
sich durch den Sonnenhimmel gießen.</akap>


<akap>Ich wusste es schon, als der erste Gedanke
an ihn in ihrer Seele Keime schlug. Ich verfolgte von Minute zu Minute, wie es wuchs;
sah, wie sie sich das erstemal begehrlich ansahn, wie sie ihn umfing mit ihren Blicken,
wie er mit den Augen einer Königsschlange
sie zu bannen wüsste und sie an sich zog und
mit sich schleppte, dass sie gehen musste.</akap>


<akap>Und immer sah ich jenes blutige Purpurrot
der Sonne und jenen verblutenden Himmel,
ganz so wie ich ihn einmal als Kind gesehen.
Von Anfang an war diese längst verblichene
Erinnerung in mir wach geworden, dominierte
in meinem Gehirn, beherrschte mein Denken,
trieb und zwang meinen Willen, und immer
zwang sie ihn in eine einzige Richtung hin:
in das Verbrechen.</akap>


<akap>Wie seh ich deutlich den großen Hof
meines Vaters, sehe die Scheune mit dem
großen Storchnest auf dem Giebel und das
Storchenweibchen, das den halben Sommer
durch dort saß und brütete. Und auf der
Wiese hinter der Scheune, an dem großen,
dicht mit Schilf und Binsen bewachsenen Teich,
schritt das Männchen stundenlang mit gravitätischem Stolz einher und suchte nach Fröschen und Würmern. Ich seh ihn, wie er
unbeweglich, starr auf einem Beine steht, bis
unser Kindergeschrei ihn aufscheucht und er
langsam und in weiten Kreisen sich zum Neste
schwingt. Aber plötzlich war er verschwunden.
Jemand hatte ihn zufällig angeschossen; im
benachbarten Dorfe wurde er aufgefunden und
von einem Bauern in Pflege genommen. Nicht
lange, da erschien ein neuer Storch und kreiste
um das Nest des kranken Männchens; nach
einigem Zögern ließ das Weibchen ihn herein
und lebte jetzt mit diesem. Und jetzt erinnere
ich mich so deutlich, wie wenn der ganze Vorgang gestern geschehen wäre:</akap>


<akap>Eines Tages saß ich auf dem Hofe vor
dem Brunnen und spielte. Plötzlich höre ich
ein seltsam lautes Geklapper in der Luft. Es
ist der alte Storch, der mit gesträubten Flügeln
auf das Nest zustößt. Er ist schon fast am
Dache, da schwingt er sich von Neuem in die
Höhe, als wollte er die Lage erst recht klar
überblicken. Auf dem Neste entstand nun eine
unbeschreibliche Bewegung. Ein kurzes, ängstliches Geklapper, unruhiges Hin-- und Herlaufen,
dann wurde es still; der Liebhaber spannte die
Flügel aus, streckte mit weit vorgerecktem Halse
den Schnabel in die Luft, sprang zwei-- dreimal
in die Höhe, als ob er Mut fassen wollte, und
erhob sich zur Wehr. Im selben Augenblick
stürzte der alte Storch auf ihn los. Beide
Vögel fingen mit bestialischer Wut zu kämpfen
an. Sie hieben mit den roten Schnäbeln auf
einander los, schlugen mit den Flügeln um
sich, fielen herunter, wälzten sich am Boden;
sie stiegen wieder hoch, ihr Gefieder färbte
sich mit Blut. Federn flogen in der Luft
herum, immer wüster tobte die Raserei. Bis
der alte Storch mit einem furchtbaren Schlage
plötzlich seinem Rivalen einen Flügel zerbrach.
Der lahme Vogel schwankte einen Augenblick
in der Luft, fiel auf das Dach, suchte sich
mit den Beinen im Stroh festzuhalten, aber
der Rächer hatte schon zum letzten Schlage
ausgeholt: mitten in den Brustkorb hinein.
Man sah die Wollust, wie er seinen Schnabel
tief in den warmen Körper bohrte, dass das
Blut hoch herausspritzte. Noch ein taumelnder
Flügelschlag und der zu Tode getroffene Vogel
fiel herunter auf den Boden, warf sich im
Schmerzkrampf, streckte sich, grub den Schnabel
in den Sand, das Blut quoll schäumend um
die Wunden hervor und rötete das Gras.</akap>


<akap>Aber die Wut des Siegers war noch nicht
gestillt. Er warf sich auf das Nest, hieb auf
das Weibchen ein, trieb sie aus dem Bette,
und nun zerhackte er in wilder Raserei die
Eier, schmiss die Schalen heraus, dann flog er
auf die Wiese, wo er blutbefleckt in unbeweglicher Starrheit eine Weile stehen blieb. Plötzlich schwang er sich empor und flog davon.
Das Weibchen kroch in das Nest zurück.</akap>


<akap>Der Abend kam.</akap>


<akap>Niemals sah ich den Himmel in dieser
furchtbaren Glut auflodern. Es schien, als
wären fremde Welten in Brand geraten und
nun züngelten die Flammen hinter dem Horizonte am Himmel empor. Ein blutiger Widerschein ergoss sich über das Himmelsgewölbe,
bis zum Zenith hinauf zogen sich feurigblaue
Striemen, und über all das furchtbare Rotblau
triumphierte die untergehende Sonne mit ihrer
blendenden Brunstgewalt.</akap>


<akap>Auf einmal erscholl von der Wiese her ein
furchtbares Geklapper, in wechselndem Tempo
mit deutlichem Ausdruck und Rhythmus. Mindestens zwanzig Störche waren versammelt.</akap>


<akap>Eine Weile wurde es ganz still.</akap>


<akap>Plötzlich erhoben sich alle und steuerten
in weiten Kreisen auf das Nest zu.</akap>


<akap>Das Weibchen stand zuerst hochaufgerichtet,
lief nun unruhig hin und her, ließ von Zeit
zu Zeit ein eigentümlich heiseres Geklapper
hören.</akap>


<akap>Die Störche kamen in majestätischen Kreisen
auf sie zu.</akap>


<akap>Jetzt schien sie einen verzweifelten Entschluss gefasst zu haben. Sie spannte die
Flügel aus, flog eine Strecke weit dem Teiche
zu, wollte in die Binsen laufen. Sie wurde
eingeholt; mit einem kräftigen Hieb streckte
ihr Männchen, über und über von Blut bedeckt, sie zu Boden. Sie versuchte aufzufliegen, aber schon umringte sie die ganze
Schar.</akap>


<akap>Wieder verging eine Weile in tätlichem
Schweigen. Dann, wie auf geheimnisvollen
Wink, stürzten sie sich alle auf die Störchin;
in einem Nu wurde sie in Stücke zerhauen,
dass der zerrissene Körper in blutenden Gliedern herumflog und das blutige Gefieder in die
Luft aufwirbelte. Fetzen warmen Fleisches,
eine zuckende Lache Blut, herumliegendes Gedärm bezeichnete die Stelle, wo man Gericht
gehalten hatte über die Ehebrecherin.</akap>


<akap>Seit diese Erinnerung in mir lebendig geworden, wurde ich sie nicht mehr los. Immer
sah ich das Blut des Weibchens, roch an ihm,
sah Fetzen warmen Fleisches herumliegen.
Es quälte mich unerhört.</akap>


<akap>Aus den abgründigsten Tiefen meines Seins
krochen merkwürdige Empfindungen empor;
neue, immer neue, unbekannte, wilde, verbrecherische Instinkte wurden wach, und grell,
voll Höllenröte lag vor meinem grauenden
Blick der finstre Abgrund in mir aufgetan:
die grässliche Vergangenheit voll wüster Verbrechen, tierischer Lüste, die Vergangenheit des Tieres und des Wilden, und ich saß vor
dieser Hölle und stierte hinein und sah das
Ekle, Furchtbare aus allen Ritzen kriechen.</akap>


<akap>Und dann fühlte ich Gedanken aufsteigen,
langsam, allmählich, wie schmutzig grüne
Blasen aus einem Sumpfe, und ich sah tief
unten auf dem Grund das Riesenmeer uralter
Schlingpflanzen, in die ich mich verstrickt,
aus denen nicht mehr loszukommen war.</akap>


<akap>Alles schrie in mir nach Rache und Verbrechen.</akap> 


<akap>Und einmal abends, da quirlten wieder die
Sumpfblasen brodelnd hoch und der Hollenbrodem kroch wieder an mein Herz. Mein Gehirn verstrickte sich noch fester, immer fester
in die Schlingen der uralten, tückischen Sumpfpflanzen. Zu Zeiten sah ich nichts vor Augen,
alles wirbelte und floss in braunen Nebelkreisen
um mich; zu Zeiten hörte ich ein wildes Stöhnen in den Ohren, ein Gedröhne, als ob Blutgefäße, eines nach dem andern, im Gehirne platzten
und das Blut sich über die graue Rindenschicht in alle Falten, alle Buchten ergösse.</akap>


<akap>Dann sah ich wieder den Weltenbrand im blutigen Widerschein des Himmels und das zerrissene Storchenweibchen auf der Wiese.</akap>


<akap>Jäh sprang ich auf.</akap> 


<akap>Sie fuhr in wilder Angst empor.</akap>


<akap>Ich sah den schreckgelähmten Blick, ich
sah die fahle Blässe ihres Gesichtes, mein Blick
kroch in den ihren, ich sah eine schwarze, öde
Leere, und dann hört' ich einen Schrei in mir:
Morde sie!</akap>


<akap>Es schrie so furchtbar, dass ich wie taub
wurde; nur ein Empfinden blieb --- ein Empfinden, wie wenn sich ungeheure Nebelkreise zu
Riesenfäusten ballten, und dann fühlte ich
ganz deutlich, wie der Willensimpuls auf
meine Muskeln überging und ich beide Hände
in die Höhe hob, wie zu einem Schlag, der
alles zertrümmern, tief in die Erde einstampfen
sollte.</akap>


<akap>Da plötzlich fühlte ich etwas leuchtend
Nacktes, doch nicht in den Augen; es war
rings um das Herz herum, kalt, gleißend,
leuchtend. Es war nichts Leibliches, auch
nichts von dieser Welt; es war, wie wenn sich
etwas ungeheuer Weiches, Flüchtiges in mir
mit etwas Verwandtem berührt hätte.</akap>


<akap>Ich fühlte sie.</akap>


<akap>Ich wurde plötzlich nüchtern, ich bebte und
zitterte, meine Hände waren ausgestreckt und
liefen wie im Fieber herum, ich sah ihre Gestalt
deutlich aus den kreisenden Nebeln tauchen.</akap>


<akap>Noch stand sie da, aber jetzt spreizte sie
die Arme auseinander, und mit höhnendem,
zynischem Blick, mit spitzem Lachen schrie,
kreischte sie mir zu: Ja, würge, würg' mich
doch!</akap>


<akap>Eine wahnsinnige Wut befuhr mich, ich
packte sie mit eisernen Krallen, schleifte, riss
sie durch das Atelier, und dann, mit heiserem
Kreischen, das mir wie das Knirschen berstender Porzellanscherben in die Ohren kreilte,
stieß ich sie wie einen Haufen Lumpen von mir.</akap>


<akap>Und da, da aus der Ecke da, traf mich aus
den weit, stier aufgerissenen Augen ein Blick,
der aus einer Hölle dumpf abgründiger Macht
hervorgestoßen schien, ein Blick, in dem der
ganze ekle, lauernde, heimtückische Hass der
Sklavenohnmacht keuchte.</akap>


<akap>Und sie rächte sich. Ich wurde Zeuge, wie
sie ihn, in meiner Gegenwart, brutal begehrte.
Ich sah es, ich als Zeuge, und der Mann blutet
in mir. Tropfen für Tropfen seh ich ihn mein
Blut verlieren; ja, es rieselt, ja es tropft, das
stolze Mannesblut. Und leiden ließ sie mich,
leiden --- nicht mich allein: eine ganze Menschheit in mir. Alle die Zuchtwahlsempfindungen, durch Millionen Jahre in mir angehäuft, durch
endlose Wogen von Geschlechtern zu mir fortgeerbt, krümmen sich und zischeln und bäumen
sich und schäumen vor Wut, wie wenn ein
Riesenfuß auf sie getreten hätte.</akap>


<akap>O, das elende Weib, das eine ganze Menschheit zertrümmern darf!</akap>


<akap>Ja, sie rächt sich. Noch immer sehe ich
die Sonne am verblutenden Himmel, und
immer fühle ich sie um mich. Sie steht da
hinter meinem Stuhl, sie beugt sich über mich
mit grinsendem Hohngelächter, sie geht herum
wie ein Gespenst auf leisen, bösen, unhörbaren
Zehen. Ich höre sie draußen, ich seh' sie in
der Tür. Ich höre ihre Stimme, immer ist
sie da. Dreh’ ich mich dann um, seh' ich in
die schwarze Leere, in die schwarze Hölle
ihres Hasses.</akap>



<naglowek_rozdzial>VIII</naglowek_rozdzial>





<akap>Ich stehe auf der Straße. Um die Wurzel
dieses in die Erde eingerammten Gaskandelabers spielen so seltsam gerippte, schwarze,
eckige Schatten der Nacht.</akap>


<akap>Dir das Opfer, du neuer Gott: du Gott des
Schweigens und der Nacht!</akap>


<akap>Ich stehe auf der Straße. Hinter dir, du
krankes, schlankes Reh, schleicht fremder
Schritte wankende Trunkenheit, und in meinem
Ohr tost fernes, hohles Rädergeroll.</akap>


<akap>Da --- vor mir, in endloser, unförmiger
Masse, ein ungestaltes schwarzes Riesentier:
der Gott meines Schattens, der Gott meines
Schweigens.</akap>


<akap>Blödsinn! Mein Schatten.</akap>


<akap>Auf der Straße eine große, nasse Pfütze,
und silbern und in stiller Ruhe ruht auf ihm,
gefingert, eine weiße Riesenhand. Nein, der
Schein des elektrischen Lichtes.</akap>


<akap>Gott, was ruht die Riesenhand auf der
Pfütze?!</akap>


<akap>Die Hand des Gottes auf der Pfütze des
Lebens --- wie schwer sie ruht, wie breit gefingert!</akap>


<akap>Und da: daneben steht ein Kerl mit fürchterlichem Knüppel und schlägt hinein, dass
spritzende Kotmassen weit herumfliegen und
mein Gesicht beschmutzen.</akap>


<akap>Tötet er endlich die breitgefingerte Hand?</akap>


<akap>Dass er’s doch täte! Dass ich mit eigenen
Fingern in mein Leben packen, in sein Räderwerk mit eigenen Zähnen hineinbeißen könnte!</akap>


<akap>Ruhe --- Stille.</akap>


<akap>Und jetzt den Damm entlang.</akap>


<akap>Das schwarze Wasser da unten; Unendlichkeit von Tiefe, von Gram.</akap>


<akap>Ich beuge mich über die Ballustrade, blicke
die Böschung hinab.</akap>


<akap>Und wieder Lichter. Weiße, schmale Streifen, und jeder Streifen ein runder, großer Zylinder; weißer Strich in der Mitte, verfließend nach den Rändern hin mit tief und tiefer blauen Schatten, und weiter feinen,
feinsten Abstufungen ins Schwarze hinein.</akap>


<akap>Das sind die Gedanken meiner unbewussten,
dunklen, maßlosen Tierseele; wie spärlich, wie
ärmlich, wie verfließend.</akap>


<akap>Ein Meer von Licht, ein endloses Bewusstsein will ich haben, um mit eigenen Zähnen
in das Räderwerk meines Schicksals hineinzubeißen! ---</akap>


<akap>Vorn im Straßendunkel tauchen zwei glühende Reihen Laternenlichter auf, parallel nach
beiden Seiten hin verschwindend; ein Lichtkreis in den andern eingekeilt, mit spielend
strahlenden Protuberanzen. Und diese beiden
Reihen stehen vor der schwarzen Wand des
Himmels, der die Erde im nächtlichen Schweigen
küsst. Sie stehn wie Flammenschwerter vor
dem Tore des verlornen Paradieses und hüten
die Geheimnisse überweltlicher Lüste; sie, die
schweigenden Paradieserzengel.</akap>


<akap>Und ich gehe und gehe in die schwarze
Nacht hinein. Weitab verschwimmt die Stadt,
nur von ferne zucken flimmernde Reflexe,
Fäulnisphosphoreszenzen eines Sarkophages.</akap>


<akap>Im feuchten, taubehangenen Moose lieg’ ich;
über mir der Sternenhimmel, dunkle Fernen
vor mir, und in meinem Herzen Angst und
Grauen.</akap>


<akap>Ja, mir graut vor diesen schweigenden Geheimnissen, Angst steigt in mir auf, zittert,
wühlt in allen meinen Fibern; jeder Grashalm,
der sich zu mir neigt, wird mir zur Angst,
das Säuseln des Windes, die ganze Welt ist
mir zur Angst geworden. Das Weib lebt und
zuckt in ihr, treibt und ängstigt mich; sie
peitscht mein Herz in wilde Raserei, wie eine
Flutwelle staut sie sich in mir, grinst in mir
empor, wächst sich aus zu langen Fingern und
umkrallt meinen Kehlkopf --- oh, das fürchterliche Gesicht mit den dumpf abgründigen
Augen! ich sehe es, ich seh’ es wieder.</akap>


<akap>Die Lichter erlöschen. Über den weiten,
öden Feldern brütet die Angst des Todes.
Kalt, öde stehen am Wege die Stümpfe
kahler Bäume. Von Zeit zu Zeit streicht der
Wind über die toten, schwarzen Felder und
pfeift ein schauriges Nachtlied.</akap>


<akap>Ich gehe an der Hand meiner Mutter auf
dem kotigen Landweg. Wilde, unheimliche
Angst lähmt meine Glieder.</akap>


<akap>Hinter uns auf einem Hügel, eine dicke
schwarze Masse, steht die Kirche.</akap>


<akap>Es ist Allerseelentag.</akap>


<akap>Über, um uns, wie ein Alpdruck wahnsinnigsten Grauens, die Nacht.</akap>


<akap>Jetzt werden die Toten aus ihren Gräbern
auferstehn und in die Kirche gehen. Der alte
tote Priester wird das Ornat umnehmen, das
auf dem Altar liegt, wird das große, silberbeschlagene Messbuch lesen, und in der ganzen
Kirche nichts als das schaurige Geklapper
von Gerippen, nichts als das öde Grabesschwarz, das in den dumpfen Augenhöhlen
brütet, nichts als das Grinsen der weißen Zähne
und das Leuchten weißer Leinentücher. Und
sie stehen da, um den schwarzen Sarg, der
auf dem Katafalk steht; sie stehen da, in dem
unheimlichen, schwachen, gelblichen Schein der
faustdicken Totenkerzen.</akap>


<akap>Angstschweiß bricht aus allen Poren meines
Körpers, fester halt’ ich die Hand der Mutter,
und ich fühle, wie sie zittert.</akap>


<akap>Wir gehen schneller und schneller, ich
keuche, kaum kann ich mehr atmen.</akap>


<akap>Da plötzlich, an einem Baum, ein Geräusch, wie vom Anstreichen eines Schwefelhölzchens, und im selben Nu taucht aus dem
Dunkel eine Gestalt in schwarzen, kotigen
Lumpen, einen jungen Baumstamm in der
einen Hand, in der andern eine Totenkerze.</akap>


<akap>Ich sehe das gelbe, flackernde Licht, ich
sehe das grässliche Grinsen und zwei Augen,
aus denen der Wahnsinn wilde Phosphoreszenzen wirft.</akap>


<akap>Und jetzt ein pfeifender Ton: der Wahnsinnige hebt seine Keule hoch, er schwingt
die Kerze hin und her.</akap>


<akap>Meine Mutter fällt in die Knie, ich will
schreien, bringe keinen Laut von mir.</akap>


<akap>Plötzlich hebt sich meine Mutter auf:</akap>


<akap_dialog>--- Gelobt sei Jesus Christus! keucht sie
mühsam hervor.</akap_dialog>


<akap>Der Mann leuchtet ihr mit der Kerze in
die Augen; über sein grässlich entstelltes,
blutig zerkratztes und zerrissenes Gesicht geht
ein wildes, grauenhaftes Grinsen, seine Augen
quellen hervor, die tollgewordene Hyäne glotzt
aus ihnen heraus.</akap>


<akap>Er hebt die Keule hoch und schwingt und
schüttelt sie mit wildem Jauchzen in rasenden
Sprüngen über unsern Köpfen.</akap>


<akap>In diesem Augenblicke wird die Kerze vom
Winde ausgelöscht, der Wahnsinnige gleitet in
einer Kotlache aus, fällt um.</akap>


<akap>Die Mutter rennt, wie nur in fürchterlichster Todesgefahr Menschen rennen können, sie
zerrt, schleppt mich mit, aber der Irre hat uns
schon eingeholt und tanzt vor uns in wilden,
affenartigen Sprüngen.</akap>


<akap>Jetzt können wir uns kaum noch schleppen;
in letzter Verzweiflung sprechen wir beide laut
ein Gebet.</akap>


<akap>Der Mann verzerrt entsetzlich das Gesicht, knirscht mit den Zähnen, lallt und
schreit und schwingt seine Keule; ein Schlag
schon hätte genügt, uns beide zu Boden zu
strecken. Dann stellt er sich hinter uns, äfft
unsern Gang nach, und mit dämonischem
Lachen wiederholt er unaufhörlich:</akap>


<akap>Eins --- Zwei! Eins --- Zwei!</akap>


<akap>Da plötzlich ein Kreuz am Wege. Der
Wahnsinnige bleibt bedächtig stehen, pflanzt
die Kerze in den Boden und springt über sie,
hin und zurück, hin und zurück.</akap>


<akap>Die Mutter fällt mit mir in einen tiefen
Graben, wir sind gerettet...</akap>


<akap>Nein, jetzt seh' ich sie schon wieder, die
wahnsinnigen Augen; sie leuchten über mir
wie zwei erstorbene Sonnen in mattem, metallischem Glanz, ich sehe sie in mir, mit
kalten Strahlen kriechen sie an jedem meiner
Nerven in die innersten Wurzeltiefen herab,
mein Herz stockt.</akap>


<akap>Ist das der Wahnsinn?</akap> 


<akap>Sie --- das Weib war in ihm; er --- sie
kommt mir als Vorbote, als ein Ölzweig des
ewigen Bewusstseinsfriedens im Wahnsinn, des
öden, toten Friedens der Novemberfelder am
Allerseelentag.</akap>


<akap>Und dann wird die Nacht kommen --- und
ich am Kreuze mit der Kerze --- her mit der
Keule und der Kerze!</akap>


<akap>Und jetzt das Wiehern der Hölle in ihrer
gottbewussten Seligkeit; mit stampfendem Fuß
reißt mir der Teufel das Herz aus der Brust
und zündet Feuer an im Gehirne, und ich
wie ein Stier mit dem Bündel angezündeten
Reisigs --- toll, wild, rasend.</akap>


<akap>Nein, nein, das ist zu furchtbar.</akap>


<akap>Und einen Gesang höre ich, singend auf
tausend Nervenpfeifen, zuckend mit tausend
nackten Tastkörperchen, einen physischen,
schmerzenden Würgegesang. Und ein Herz,
ein Herz voll wüster Liebe fühle ich, wie es
Blut in diesen Gesang hineingießt und ihn
füllt mit Siedehitze, immer heißer, zuckender
und wütender, bis er birst und sich um mich,
über mich, in mich hinein ergießt mit feuchter,
warmer, dampfender Blutatmosphäre. ..</akap>


<akap>Nein, es klingt anders: weiß, ganz weiß,
hoch auf den höchsten Bergen geschmolzen.
Im Strom fließt es hernieder ins Tal, lautlos
glitscht es herab auf den breiten Eisfiesen
und wird so weich und flüssig; ausgebreitet
über tausend Bergabhänge, strömend über tausend nackte Felsen.</akap>


<akap>Ich höre es so mild, so weich, dies uralte
Gnadenlied der nächtlichen Himmelsseligkeit
mit den milden, tränenden Blicken...</akap>


<akap>Und da geschah es!</akap>


<akap>Auf meiner Seele trauerflorumflossenen
Acker fiel eine blasse Rose herab.</akap>


<akap>Ich weiß nicht, welchen Engels Hand sie
mir zugeworfen, ich weiß nicht, welcher
Lebenssturm sie mir zugeweht hatte.</akap>


<akap>Ist sie auf Gräbern im Schatten düsterer
Trauerweiden geboren? Ist sie aus bleichen
Strahlen längst erstorbener Welten gesponnen?
Floss sie zu mir her auf silbernen Todeswellen
weicher Nebeldünste?</akap>


<akap>Auf den weiten Acker meiner Seele ist die
blasse Rose gefallen.</akap>


<akap>Zitternd dämmert hinter den Bergen in
lichtem Golde die Sonne, und in wildem, verwegenem Bogen wölbt sich der Morgen empor.</akap>


<akap>Weib, du in mir. Ich --- Du. Du --- Ich.</akap>


<akap>Und in einander geschlungen wie die
üppigen Triebe wilder Lianen, und in einander
gefädelt wie des menschlichen Wirkens endlose Fäden, so ruhen wir, du Herz von meinem
Herzen, Hirn von meinem Gehirn. ---</akap>


<akap>Du mit den Knabenbrüsten ---</akap>


<akap>Androgyne!</akap>



<naglowek_rozdzial>IX</naglowek_rozdzial>





<akap>Und nun still, so still, dass jeder Ton in
der Luft hängen bleibt, dass jeder Lichtstrahl
in der Atmosphäre taub wird.</akap>


<akap>Kein Ton und kein Licht...</akap>


<akap>Ich liege da, so weich gebettet, so still um
mich herum, so weich und still.</akap>


<akap>Und dieses melancholische Dunkel, dieses
lustmüde, kranke Dunkel mit den fieberheißen,
pochenden Schläfen.</akap>


<akap>Die Rosen ganz welk. Wie sie zittern in
dem düstern Flor des Dunkels, und in den
Urnen ihrer Kelche ruht der Tod, und die
Blätter fallen ab --- wie Töne einer berührten
Saite...</akap>


<akap>Und wieder seh ich dich wie einst, in
deiner nackten Gliederpracht; doch du bist
mir fern, und ich sehe dich an mit dem kalten
Blick gestillter Brünste.</akap>


<akap>Mein großes Auge, die Weltensonne, hat
dich aus der Dunkelheit herausgehoben. Mein
kosmischer Wille hat in dir die Ewigkeit besucht. Du warst das lächerliche Spielzeug,
das unter meinen Händen zum Fetisch, zum
heiligen Idol wurde. Ich habe in dir die
Lüste geweckt und dir ewig neue Reize angedichtet --- doch jetzt ist mein Blick für dich
erloschen, nicht mehr schlägt das Herz in den
Rhythmen deiner Lust.</akap>


<akap>Nein, nein!</akap>


<akap>Du nicht, mit deines Leibes lockenden
Lüsten.</akap>


<akap>Du nicht, mit deines Schoßes tierischer
Brut.</akap>


<akap>Dich brauch ich nicht, und gleichgültig ist
mir mein blonder Knabe, dies lächerliche Stück
Unsterblichkeit...</akap>


<akap>Doch Du in mir, Du meines Hirnes ewige
Gefährtin. Du meines Herzens uferlose Macht ---</akap>


<akap>Du nur, Du zerlegt in tausend Flächen, Du
zerstäubt in tausende Stäubchen Duftreiz ---</akap>


<akap>Du in Milliarden Lichtfunken ---</akap> 


<akap>Du, zersiebt, zerflockt, zerfasert in tausend
Stimmungen, in tausend träufelnde Gefühle ---</akap>


<akap>Du, die Abendröte über dem herbstlichen
Feld ---</akap>


<akap>Du, der mystische Reiz der Religionen,
Du warst und bist meine Unsterblichkeit:</akap>


<akap>Du meine große, heilige Kunst!</akap>


<akap>Verschwunden ist mir deines Leibes Pracht
und vergessen; doch Du in Mir bist der Aufgang einer neuen Welt. Neue Instinkte habe
ich geschaffen, tausend schlummernde Organe
zum Genuss erweckt, tausend neue Verbindungen in hundert Gehirnen gestiftet, und das
alles seh’ ich zeugen fort und fort, und das
alles seh ich sich durch kommende Geschlechter
mehren, und sehe neue Kulturen wachsen, und
feinere Zuchtwahl seh ich tätig --- in die Unendlichkeit des Menschengeschlechtes lebe Ich
durch Dich...</akap>


<akap>Und eine lange, --- weiche Hund seh’ ich sich
zu mir herüberschieben, wie Sternenlicht im
Nebel dämmert sie aus der Dunkelheit.</akap>


<akap>Licht im Zimmer, --- eine Gestalt in sonnenhafter Herrlichkeit:</akap>


<akap>Abel!</akap>


<akap>Wie bist du auferstanden von der Bahre? Habe ich dich nicht getötet?</akap>


<akap>Komm, komm, mein Herzensbruder --- ein
tiefes Geheimnis!</akap>

<akap>An den Brüsten Einer Mutter haben wir
gesogen, von derselben Muttermilch sind wir
stark geworden, wir Kinder des Sündenfalls.</akap>

<akap>Verstehst du, dass ich dich töten musste?
Herzensbruder, weißt du's?</akap>


<akap>Du warst das starke, jungfräuliche Ja in
mir, die zeugungskräftige Sehnsucht, die wie
das heilige Werde ein neues Chaos brauchte,
sich zu offenbaren.</akap>


<akap>Ja, ich musste dich töten; denn die Macht
meiner Lüste, die nach neuen Brünsten ihre
Hände ringen, war zu groß für die gesättigte
Ruhe deines Urwillens.</akap> 


<akap>Bruder, komm nahe; ganz, ganz nahe...</akap>


<akap>Ich Kain, ich der große Geheimnisse geschaut, ich der Geist der Erkenntnis und des Bösen, ich älter als du, weil ich Sünde und
Verbrechen bin, ich weiß es:</akap>


<akap>Wir Beide sind Fehlgeburten, unsre Mutter
eine Afteroffenbarung, und er selber, der die
Mutter gezeugt hat, ist der Hohn Eines, der
da über ihm ist.</akap>


<akap>Ja: ER ist da, und in einen neuen Geschlechtswillen wird ER sich kleiden, bis du
und ich Eines werden.</akap>


<akap>Abel, Abel, Du wirst Ich!</akap>


<akap>Doch jetzt still --- still...</akap>


<akap>Die Rosen so welk, und die pochende,
fieberheiße Stille um mich...</akap>


<akap>Komm, mein blonder Sohn du; komm, du
mein winziges Stück Unsterblichkeit! Wir beide
in der Grandiosität unserer Nichtigkeit, wir
armen Erdenwürmer.</akap>


<akap>Du, ich, und das weiße, rotäugige Kaninchen...</akap>


<nota><akap>13. Nov. 93.</akap></nota>




</opowiadanie></utwor>