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<dc:creator xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Goethe, Johann Wolfgang von</dc:creator>
<dc:title xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Iphigenie auf Tauris</dc:title>
<dc:contributor.editor xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Ritter-Jasińska, Antje</dc:contributor.editor>
<dc:contributor.technical_editor xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Choromańska, Paulina</dc:contributor.technical_editor>
<dc:contributor.technical_editor xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Dug, Katarzyna</dc:contributor.technical_editor>
<dc:publisher xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Fundacja Nowoczesna Polska</dc:publisher>
<dc:subject.period xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Romantyzm</dc:subject.period>
<dc:subject.type xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Dramat</dc:subject.type>
<dc:subject.genre xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Tragedia</dc:subject.genre>
<dc:description xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Publikacja zrealizowana w ramach projektu Wolne Lektury (http://wolnelektury.pl). Wydano z finansowym wsparciem Fundacji Współpracy Polsko-Niemieckiej. Eine Publikation im Rahmen des Projektes Wolne Lektury. Herausgegeben mit finanzieller Unterstützung der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.</dc:description>
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<dc:source xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Johann Wolfgang von Goethe, Goethes sämmtliche Werke: in sechsunddreißich Bänden. Bd. 6, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, Stuttgart 1868.</dc:source>
<dc:rights xml:lang="pl" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">Domena publiczna - Johann Wolfgang von Goethe zm. 1832</dc:rights>
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 <category.legimi>Dramat</category.legimi>
<category.thema.main>DDT</category.thema.main>
    <category.thema>DD.WL-DR</category.thema>
    <category.thema>3MN</category.thema>
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  <dramat_wierszowany_lp><nota_red><akap>ORTHOGRAPHISCHE ÄNDERUNGEN</akap>
<strofa>th –> t:/
Heiligthum –> Heiligtum/
beklagenswerth –> beklagenswert/
athmen –> atmen/
Wohlthat –> Wohltat</strofa>
<strofa>Zusammenschreibung:/
Mit sanften Banden an einander knüpften. –> Mit sanften Banden aneinander knüpften.</strofa>
<strofa>Sonstiges:/
geheimnißvolles –> geheimnisvolles/
dieß –> dies/ 
Todten –> Toten/ 
kömmt –> kommt</strofa><akap>INTERPUNKTION</akap>
<strofa>Apostroph gestrichen:/
Tret' ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl –> Tret ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl/
Und an dem Ufer steh' ich lange Tage -> Und an dem Ufer steh ich lange Tage/
fänd’ –> fänd/ 
in’s –> ins</strofa></nota_red>













<autor_utworu>Johann Wolfgang von Goethe</autor_utworu>



<nazwa_utworu>Iphigenie auf Tauris</nazwa_utworu>
<podtytul>Ein Schauspiel</podtytul>




<lista_osob>
<naglowek_listy>PERSONEN:</naglowek_listy>




<lista_osoba><osoba>Iphigenie</osoba></lista_osoba>


<lista_osoba><osoba>Thoas</osoba>, König der Taurier</lista_osoba>

<lista_osoba><osoba>Orest</osoba></lista_osoba>


<lista_osoba><osoba>Pylades</osoba></lista_osoba>


<lista_osoba><osoba>Arkas</osoba></lista_osoba>
</lista_osob>






<miejsce_czas>Schauplatz: Hain vor Dianens Tempel</miejsce_czas>





<naglowek_akt>ERSTER AUFZUG</naglowek_akt>






<naglowek_scena>ERSTER AUFTRITT</naglowek_scena>





<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Heraus in eure Schatten, rege Wipfel/
Des alten, heil'gen, dichtbelaubten Haines, /
Wie in der Göttin stilles Heiligtum/
Tret ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl, /
Als wenn ich sie zum erstenmal beträte, /
Und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher. /
So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen/
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe; /
Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd. /
Denn ach mich trennt das Meer von den Geliebten, /
Und an dem Ufer steh ich lange Tage/
Das Land der Griechen mit der Seele suchend; /
Und gegen meine Seufzer bringt die Welle/
Nur dumpfe Töne brausend mir herüber. /
Weh dem, der fern von Eltern und Geschwistern/
Ein einsam Leben führt! Ihm zehrt der Gram/
Das nächste Glück vor seinen Lippen weg. /
Ihm schwärmen abwärts immer die Gedanken/
Nach seines Vaters Hallen, wo die Sonne/
Zuerst den Himmel vor ihm aufschloss, wo/
Sich Mitgeborne spielend fest und fester/
Mit sanften Banden aneinander knüpften. /
Ich rechte mit den Göttern nicht; allein/
Der Frauen Zustand ist beklagenswert. /
Zu Haus und in dem Kriege herrscht der Mann/
Und in der Fremde weiß er sich zu helfen. /
Ihn freuet der Besitz; ihn krönt der Sieg; /
Ein ehrenvoller Tod ist ihm bereitet. /
Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück! /
Schon einem rauhen Gatten zu gehorchen, /
Ist Pflicht und Trost; wie elend, wenn sie gar/
Ein feindlich Schicksal in die Ferne treibt! /
So hält mich Thoas hier, ein edler Mann, /
In ernsten, heil'gen Sklavenbanden fest. /
O wie beschämt gesteh ich, daß ich dir/
Mit stillem Widerwillen diene, Göttin, /
Dir meiner Retterin! Mein Leben sollte/
Zu freiem Dienste dir gewidmet sein. /
Auch hab ich stets auf dich gehofft und hoffe/
Noch jetzt auf dich, Diana, die du mich, /
Des größten Königes verstoßne Tochter, /
In deinen heil'gen sanften Arm genommen. /
Ja, Tochter Zeus', wenn du den hohen Mann, /
Den du, die Tochter fordernd, ängstigtest; /
Wenn du den göttergleichen Agamemnon, /
Der dir sein Liebstes zum Altare brachte, /
Von Troja's umgewandten Mauern rühmlich/
Nach seinem Vaterland zurück begleitet, /
Die Gattin ihm, Elektren und den Sohn, /
Die schönen Schätze, wohl erhalten hast; /
So gib auch mich den Meinen endlich wieder, /
Und rette mich, die du vom Tod errettet, /
Auch von dem Leben hier, dem zweiten Tode!</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>ZWEITER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Arkas</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Der König sendet mich hierher und beut/
Der Priesterin Dianens Gruß und Heil./
Dies ist der Tag, da Tauris seiner Göttin/
Für wunderbare neue Siege dankt./
Ich eile vor dem König und dem Heer,/
Zu melden, daß er kommt und daß es naht.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Wir sind bereit sie würdig zu empfangen,/
Und unsre Göttin sieht willkommnem Opfer/
Von Thoas Hand mit Gnadenblick entgegen.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>O fänd ich auch den Blick der Priesterin,/
Der werthen, vielgeehrten, deinen Blick,/
O, heil'ge Jungfrau, heller, leuchtender,/
Uns allen gutes Zeichen! Noch bedeckt/
Der Gram geheimnisvoll dein Innerstes;/
Vergebens harren wir schon Jahre lang/
Auf ein vertraulich Wort aus deiner Brust./
So lang ich dich an dieser Stätte kenne,/
Ist dies der Blick, vor dem ich immer schaudre;/
Und wie mit Eisenbanden bleibt die Seele/
Ins Innerste des Busens dir geschmiedet.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Wie's der Vertriebnen, der Verwais'ten ziemt.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Scheinst du dir hier vertrieben und verwais't?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Kann uns zum Vaterland die Fremde werden?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Und dir ist fremd das Vaterland geworden.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Das ist's, warum mein blutend Herz nicht heilt/
In erster Jugend, da sich kaum die Seele/
An Vater, Mutter und Geschwister band;/
Die neuen Schößlinge, gesellt und lieblich,/
Vom Fuß der alten Stämme himmelwärts/
Zu dringen strebten; leider faßte da/
Ein fremder Fluch mich an und trennte mich/
Von den Geliebten, riß das schöne Band/
Mit ehrner Faust entzwei. Sie war dahin,/
Der Jugend beste Freude, das Gedeihn/
Der ersten Jahre. Selbst gerettet, war/
Ich nur ein Schatten mir, und frische Lust/
Des Lebens blüht in mir nicht wieder auf.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Wenn du dich so unglücklich nennen willst;/
So darf ich dich auch wohl undankbar nennen.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Dank habt ihr stets.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Doch nicht den reinen Dank,</wers_cd>/
Um dessentwillen man die Wohltat tut;/
Den frohen Blick, der ein zufriednes Leben/
Und ein geneigtes Herz dem Wirte zeigt./
Als dich ein tief geheimnisvolles Schicksal/
Vor so viel Jahren diesem Tempel brachte,/
Kam Thoas dir, als einer Gottgegebnen,/
Mit Ehrfurcht und mit Neigung zu begegnen,/
Und dieses Ufer ward dir hold und freundlich,/
Das jedem Fremden sonst voll Grausens war,/
Weil niemand unser Reich vor dir betrat,/
Der an Dianens heil'gen Stufen nicht,/
Nach altem Brauch, ein blutig Opfer, fiel.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Frei atmen macht das Leben nicht allein./
Welch Leben ist's das an der heil'gen Stätte,/
Gleich einem Schatten um sein eigen Grab,/
Ich nur vertrauern muß? Und nenn ich das/
Ein fröhlich selbstbewußtes Leben, wenn/
Uns jeder Tag, vergebens hingeträumt,/
Zu jenen grauen Tagen vorbereitet,/
Die an dem Ufer Lethe's selbstvergessend,/
Die Trauerschaar der Abgeschiednen feiert?/
Ein unnütz Leben ist ein früher Tod;/
Dies Frauenschicksal ist vor allen meins.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Den edeln Stolz daß du dir selbst nicht g'nügest,/
Verzeih ich dir, so sehr ich dich bedaure;/
Er raubet den Genuss des Lebens dir./
Du hast hier nichts getan seit deiner Ankunft?/
Wer hat des König trüben Sinn erheitert?/
Wer hat den alten grausamen Gebrauch,/
Daß am Altar Dianens jeder Fremde/
Sein Leben blutend läßt, von Jahr zu Jahr,/
Mit sanfter Überredung aufgehalten,/
Und die Gefangnen vom gewissen Tod/
Ins Vaterland so oft zurückgeschickt?/
Hat nicht Diane, statt erzürnt zu sein,/
Daß sie der blut'gen alten Opfer mangelt,/
Dein sanft Gebet in reichem Maß erhört?/
Umschwebt mit frohem Fluge nicht der Sieg/
Das Heer? und eilt er nicht sogar voraus?/
Und fühlt nicht jeglicher ein besser Los,/
Seitdem der König, der uns weis und tapfer/
So lang geführet, nun sich auch der Milde/
In deiner Gegenwart erfreut und uns/
Des schweigenden Gehorsams Pflicht erleichtert?/
Das nennst du unnütz, wenn von deinem Wesen/
Auf Tausende herab ein Balsam träufelt?/
Wenn du dem Volke, dem ein Gott dich brachte,/
Des neuen Glückes ew'ge Quelle wirst,/
Und an dem unwirtbaren Todes-Ufer/
Dem Fremden Heil und Rückkehr zubereitest?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Das Wenige verschwindet leicht dem Blick,/
Der vorwärts sieht, wie viel noch übrig bleibt.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Doch lobst du den, der was er tut nicht schätzt?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Man tadelt den, der seine Taten wägt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Auch den, der wahren Wert zu stolz nicht achtet,/
Wie den, der falschen Wert zu eitel hebt./
Glaub mir und hör auf eines Mannes Wort,/
Der treu und redlich dir ergeben ist:/
Wenn heut der König mit dir redet, so/
Erleichtr' ihm was er dir zu sagen denkt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Du ängstest mich mit jedem guten Worte;/
Oft wich ich seinem Antrag mühsam aus.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Bedenke was du tust und was dir nützt./
Seitdem der König seinen Sohn verloren,/
Vertraut er wenigen der Seinen mehr,/
Und diesen wenigen nicht mehr wie sonst./
Mißgünstig sieht er jedes Edeln Sohn/
Als seines Reiches Folger an, er fürchtet/
Ein einsam hülflos Alter, ja vielleicht/
Verwegnen Aufstand und frühzeit'gen Tod./
Der Scythe setzt ins Reden keinen Vorzug,/
Am wenigsten der König. Er, der nur/
Gewohnt ist zu befehlen und zu tun,/
Kennt nicht die Kunst, von weitem ein Gespräch/
Nach seiner Absicht langsam fein zu lenken./
Erschwer's ihm nicht durch ein rückhaltend Weigern,/
Durch ein vorsetzlich Mißverstehen. Geh/
Gefällig ihm den halben Weg entgegen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Soll ich beschleunigen was mich bedroht?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Willst du sein Werben eine Drohung nennen?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Es ist die schrecklichste von allen mir.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Gib ihm für seine Neigung nur Vertraun.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Wenn er von Furcht erst meine Seele löst.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Warum verschweigst du deine Herkunft ihm?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Weil einer Priesterin Geheimnis ziemt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Dem König sollte nichts Geheimnis sein;/
Und ob er's gleich nicht fordert, fühlt er's doch/
Und fühlt es tief in seiner großen Seele,/
Daß du sorgfältig dich vor ihm verwahrst.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Nährt er Verdruss und Unmut gegen mich?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So scheint es fast. Zwar schweigt er auch von dir;/
Doch haben hingeworfne Worte mich/
Belehrt, daß seine Seele fest den Wunsch/
Ergriffen hat dich zu besitzen. Laß,/
O überlaß ihn nicht sich selbst! damit/
In seinem Busen nicht der Unmut reife/
Und dir Entsetzen bringe, du zu spät/
An meinen treuen Rat mit Reue denkest.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Wie? Sinnt der König, was kein edler Mann,/
Der seinen Namen liebt und dem Verehrung/
Der Himmlischen den Busen bändiget,/
Je denken sollte? Sinnt er vom Altar/
Mich in sein Bette mit Gewalt zu ziehn?/
So ruf ich alle Götter und vor allen/
Dianen, die entschloss'ne Göttin, an,/
Die ihren Schutz der Priesterin gewiß/
Und Jungfrau einer Jungfrau gern gewährt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Sei ruhig! Ein gewaltsam neues Blut/
Treibt nicht den König, solche Jünglingstat/
Verwegen auszuüben. Wie er sinnt,/
Befürcht ich andern harten Schluß von ihm,/
Den unaufhaltbar er vollenden wird:/
Denn seine Seel ist fest und unbeweglich./
Drum bitt ich dich, vertrau ihm, sei ihm dankbar,/
Wenn du ihm weiter nichts gewähren kannst.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
O sage was dir weiter noch bekannt ist.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Erfahr's von ihm. Ich seh den König kommen;/
Du ehrst ihn, und dich heißt dein eigen Herz,/
Ihm freundlich und vertraulich zu begegnen./
Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort/
Der Frauen weit geführt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba> 
<didaskalia>allein.</didaskalia>



<kwestia><strofa><wers_cd>Zwar seh ich nicht,</wers_cd>/
Wie ich dem Rat des Treuen folgen soll;/
Doch folg ich gern der Pflicht, dem Könige/
Für seine Wohltat gutes Wort zu geben,/
Und wünsche mir, daß ich dem Mächtigen,/
Was ihm gefällt, mit Wahrheit sagen möge.</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>DRITTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Thoas</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Mit königlichen Gütern segne dich/
Die Göttin! Sie gewähre Sieg und Ruhm/
Und Reichtum und das Wohl der Deinigen/
Und jedes frommen Wunsches Fülle dir!/
Daß, der du über viele sorgend herrschest,/
Du auch vor vielen seltnes Glück genießest.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Zufrieden wär ich wenn mein Volk mich rühmte:/
Was ich erwarb, genießen andre mehr/
Als ich. Der ist am glücklichsten, er sei/
Ein König oder ein Geringer, dem/
In seinem Hause Wohl bereitet ist./
Du nahmest Teil an meinen tiefen Schmerzen,/
Als mir das Schwert der Feinde meinen Sohn,/
Den letzten, besten, von der Seite riß./
So lang die Rache meinen Geist besaß,/
Empfand ich nicht die Öde meiner Wohnung;/
Doch jetzt, da ich befriedigt wiederkehre,/
Ihr Reich zerstört, mein Sohn gerochen ist,/
Bleibt mir zu Hause nichts das mich ergetze./
Der fröhliche Gehorsam, den ich sonst/
Aus einem jeden Auge blicken sah,/
Ist nun von Sorg und Unmut still gedämpft./
Ein jeder sinnt was künftig werden wird,/
Und folgt dem Kinderlosen, weil er muß./
Nun komm ich heut in diesen Tempel, den/
Ich oft betrat, um Sieg zu bitten und/
Für Sieg zu danken. Einen alten Wunsch/
Trag ich im Busen, der auch dir nicht fremd/
Noch unerwartet ist: ich hoffe, dich,/
Zum Segen meines Volks und mir zum Segen,/
Als Braut in meine Wohnung einzuführen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Der Unbekannten bietest du zu viel,/
O König, an. Es steht die Flüchtige/
Beschämt vor dir, die nichts an diesem Ufer/
Als Schutz und Ruhe sucht, die du ihr gabst.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Daß du in das Geheimnis deiner Ankunft/
Vor mir wie vor dem Letzten stets dich hüllest,/
Wär unter keinem Volke recht und gut./
Dies Ufer schreckt die Fremden: das Gesetz/
Gebietet's und die Not. Allein von dir,/
Die jedes frommen Rechts genießt, ein wohl/
Von uns empfangner Gast, nach eignem Sinn/
Und Willen ihres Tages sich erfreut,/
Von dir hofft ich Vertrauen, das der Wirt/
Für seine Treue wohl erwarten darf.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Verbarg ich meiner Eltern Namen und/
Mein Haus, o König, war's Verlegenheit,/
Nicht Mißtraun. Denn vielleicht, ach wüßtest du/
Wer vor dir steht, und welch verwünschtes Haupt/
Du nährst und schützest, ein Entsetzen faßte/
Dein großes Herz mit seltnem Schauer an,/
Und statt die Seite deines Thrones mir/
Zu bieten, triebest du mich vor der Zeit/
Aus deinem Reiche; stießest mich vielleicht,/
Eh zu den Meinen frohe Rückkehr mir/
Und meiner Wandrung Ende zugedacht ist,/
Dem Elend zu, das jeden Schweifenden,/
Von seinem Haus Vertriebnen überall/
Mit kalter fremder Schreckenshand erwartet.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Was auch der Rat der Götter mit dir sei,/
Und was sie deinem Haus und dir gedenken;/
So fehlt es doch, seitdem du bei uns wohnst/
Und eines frommen Gastes Recht genießest,/
An Segen nicht, der mir von oben kommt./
Ich möchte schwer zu überreden sein,/
Daß ich an dir ein schuldvoll Haupt beschütze.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Dir bringt die Wohltat Segen, nicht der Gast.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Was man Verruchten tut wird nicht gesegnet./
Drum endige dein Schweigen und dein Weigern;/
Es fordert dies kein ungerechter Mann./
Die Göttin übergab dich meinen Händen;/
Wie du ihr heilig warst, so warst du's mir./
Auch sei ihr Wink noch künftig mein Gesetz:/
Wenn du nach Hause Rückkehr hoffen kannst,/
So sprech ich dich von aller Fordrung los./
Doch ist der Weg auf ewig dir versperrt,/
Und ist dein Stamm vertrieben, oder durch/
Ein ungeheures Unheil ausgelöscht,/
So bist du mein durch mehr als Ein Gesetz./
Sprich offen! und du weißt, ich halte Wort.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Vom alten Bande löset ungern sich/
Die Zunge los, ein lang verschwiegenes/
Geheimnis endlich zu entdecken; denn/
Einmal vertraut, verläßt es ohne Rückkehr/
Des tiefen Herzens sichre Wohnung, schadet,/
Wie es die Götter wollen, oder nützt./
Vernimm! ich bin aus Tantalus Geschlecht.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Du sprichst ein großes Wort gelassen aus./
Nennst du Den deinen Ahnherrn, den die Welt/
Als einen ehmals Hochbegnadigten/
Der Götter kennt? Ist's jener Tantalus,/
Den Jupiter zu Rat und Tafel zog,/
An dessen alterfahrnen, vielen Sinn/
Verknüpfenden Gesprächen Götter selbst,/
Wie an Orakelsprüchen, sich ergetzten?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Er ist es; aber Götter sollten nicht/
Mit Menschen, wie mit ihres Gleichen, wandeln;/
Das sterbliche Geschlecht ist viel zu schwach/
In ungewohnter Höhe nicht zu schwindeln./
Unedel war er nicht und kein Verräter;/
Allein zum Knecht zu groß, und zum Gesellen/
Des großen Donnrers nur ein Mensch. So war/
Auch sein Vergehen menschlich; ihr Gericht/
War streng, und Dichter singen: Übermut/
Und Untreu stürzten ihn von Jovis Tisch/
Zur Schmach des alten Tartarus hinab./
Ach und sein ganz Geschlecht trug ihren Haß!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Trug es die Schuld des Ahnherrn oder eigne?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Zwar die gewalt'ge Brust und der Titanen/
Kraftvolles Mark war seiner Söhn und Enkel/
Gewisses Erbteil; doch es schmiedete/
Der Gott um ihre Stirn ein ehern Band./
Rat, Mäßigung und Weisheit und Geduld/
Verbarg er ihrem scheuen düstern Blick;/
Zur Wut ward ihnen jegliche Begier,/
Und gränzenlos drang ihre Wut umher./
Schon Pelops, der Gewaltig-wollende,/
Des Tantalus geliebter Sohn, erwarb/
Sich durch Verrat und Mord das schönste Weib,/
Önomaus Erzeugte, Hippodamien./
Sie bringt den Wünschen des Gemahls zwei Söhne,/
Thyest und Atreus. Neidisch sehen sie/
Des Vaters Liebe zu dem ersten Sohn/
Aus einem andern Bette wachsend an./
Der Haß verbindet sie, und heimlich wagt/
Das Paar im Brudermord die erste Tat./
Der Vater wähnet Hippodamien/
Die Mörderin, und grimmig fordert er/
Von ihr den Sohn zurück, und sie entleibt/
Sich selbst ---</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
<wers_cd>Du schweigest? Fahre fort zu reden!</wers_cd>/
Laß dein Vertraun dich nicht gereuen! Sprich!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt,/
Der froh von ihren Taten, ihrer Größe/
Den Hörer unterhält, und still sich freuend/
Ans Ende dieser schönen Reihe sich/
Geschlossen sieht! Denn es erzeugt nicht gleich/
Ein Haus den Halbgott noch das Ungeheuer;/
Erst eine Reihe Böser oder Guter/
Bringt endlich das Entsetzen, bringt die Freude/
Der Welt hervor. --- Nach ihres Vaters Tode/
Gebieten Atreus und Thyest der Stadt,/
Gemeinsam-herrschend. Lange konnte nicht/
Die Eintracht dauern. Bald entehrt Thyest/
Des Bruders Bette. Rächend treibet Atreus/
Ihn aus dem Reiche. Tückisch hatte schon/
Thyest, auf schwere Taten sinnend, lange/
Dem Bruder einen Sohn entwandt und heimlich/
Ihn als den seinen schmeichelnd auferzogen./
Dem füllet er die Brust mit Wut und Rache/
Und sendet ihn zur Königsstadt, daß er/
Im Oheim seinen eignen Vater morde./
Des Jünglings Vorsatz wird entdeckt: der König/
Straft grausam den gesandten Mörder, wähnend,/
Er töte seines Bruders Sohn. Zu spät/
Erfährt er, wer vor seinen trunknen Augen/
Gemartert stirbt; und die Begier der Rache/
Aus seiner Brust zu tilgen, sinnt er still/
Auf unerhörte Tat. Er scheint gelassen/
Gleichgültig und versöhnt, und lockt den Bruder/
Mit seinen beiden Söhnen in das Reich/
Zurück, ergreift die Knaben, schlachtet sie,/
Und setzt die ekle schaudervolle Speise/
Dem Vater bei dem ersten Mahle vor./
Und da Thyest an seinem Fleische sich/
Gesättigt, eine Wehmut ihn ergreift,/
Er nach den Kindern fragt, den Tritt, die Stimme/
Der Knaben an des Saales Türe schon/
Zu hören glaubt, wirft Atreus grinsend/
Ihm Haupt und Füße der Erschlagnen hin./
Du wendest schaudernd dein Gesicht, o König:/
So wendete die Sonn ihr Antlitz weg/
Und ihren Wagen aus dem ewg'en Gleise./
Dies sind die Ahnherrn deiner Priesterin;/
Und viel unseliges Geschick der Männer,/
Viel Taten des verworrnen Sinnes deckt/
Die Nacht mit schweren Fittigen und läßt/
Uns nur die grauenvolle Dämmrung sehn.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Verbirg sie schweigend auch. Es sei genug/
Der Gräuel! Sage nun, durch welch ein Wunder/
Von diesem wilden Stamme du entsprangst.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Des Altreus Ält'ster Sohn war Agamemnon:/
Er ist mein Vater. Doch ich darf es sagen,/
In ihm hab ich seit meiner ersten Zeit/
Ein Muster des vollkommnen Manns gesehn./
Ihm brachte Klytämnestra mich, den Erstling/
Der Liebe, dann Elektren. Ruhig herrschte/
Der König, und es war dem Hause Tantals/
Die lang entbehrte Rast gewährt. Allein/
Es mangelte dem Glück der Eltern noch/
Ein Sohn, und kaum war dieser Wunsch erfüllt,/
Daß zwischen beiden Schwestern nun Orest/
Der Liebling wuchs, als neues Übel schon/
Dem sichern Hause zubereitet war./
Der Ruf des Krieges ist zu euch gekommen,/
Der, um den Raub der schönsten Frau zu rächen,/
Die ganze Macht der Fürsten Griechenlands/
Um Trojens Mauern lagerte. Ob sie/
Die Stadt gewonnen, ihrer Rache Ziel/
Erreicht, vernahm ich nicht. Mein Vater führte/
Der Griechen Heer. In Aulis harrten sie/
Auf günst'gen Wind vergebens: denn Diane,/
Erzürnt auf ihren großen Führer, hielt/
Die Eilenden zurück und forderte/
Durch Kalchas Mund des Königs ält'ste Tochter./
Sie lockten mit der Mutter mich ins Lager;/
Sie rissen mich vor den Altar und weihten/
Der Göttin dieses Haupt. Sie war versöhnt:/
Sie wollte nicht mein Blut und hüllte rettend/
In eine Wolke mich; in diesem Tempel/
Erkannt ich mich zuerst vom Tode wieder./
Ich bin es selbst, bin Iphigenie,/
Des Altreus Enkel, Agamemnons Tochter,/
Der Göttin Eigentum, die mit dir spricht.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Mehr Vorzug und Vertrauen geb ich nicht/
Der Königstochter als der Unbekannten./
Ich wiederhole meinen ersten Antrag:/
Komm, folge mir, und teile was ich habe.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Wie darf ich solchen Schritt, o König, wagen?/
Hat nicht die Göttin, die mich rettete,/
Allein das Recht auf mein geweihtes Leben?/
Sie hat für mich den Schutzort ausgesucht,/
Und sie bewahrt mich einem Vater, den/
Sie durch den Schein genug gestraft, vielleicht/
Zur schönsten Freude seines Alters hier./
Vielleicht ist mir die frohe Rückkehr nah;/
Und ich, auf ihren Weg nicht achtend, hätte/
Mich wider ihren Willen hier gefesselt?/
Ein Zeichen bat ich, wenn ich bleiben sollte.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Das Zeichen ist, daß du noch hier verweilst./
Such Ausflucht solcher Art nicht ängstlich auf./
Man spricht vergebens viel, um zu versagen;/
Der andre hört von allem nur das Nein.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Nicht Worte sind es, die nur blenden sollen;/
Ich habe dir mein tiefstes Herz entdeckt./
Und sagst du dir nicht selbst, wie ich dem Vater,/
Der Mutter, den Geschwistern mich entgegen/
Mit ängstlichen Gefühlen sehnen muß?/
Daß in den alten Hallen, wo die Trauer/
Noch manchmal stille meinen Namen lispelt,/
Die Freude, wie um eine Neugeborne,/
Den schönsten Kranz von Säul an Säulen schlinge./
O sendetest du mich auf Schiffen hin!/
Du gäbest mir und allen neues Leben.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So kehr zurück! Tu was dein Herz dich heißt,/
Und höre nicht die Stimme guten Rats/
Und der Vernunft. Sei ganz ein Weib und gib/
Dich hin dem Triebe, der dich zügellos/
Ergreift und dahin oder dorthin reißt./
Wenn ihnen eine Lust im Busen brennt,/
Hält vom Verräter sie kein heilig Band,/
Der sie dem Vater oder dem Gemahl/
Aus langbewährten, treuen Armen lockt;/
Und schweigt in ihrer Brust die rasche Glut,/
So dringt auf sie vergebens treu und mächtig/
Der Überredung goldne Zunge los.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Gedenk, o König, deines edeln Wortes!/
Willst du mein Zutraun so erwidern? Du/
Schienst vorbereitet alles zu vernehmen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Aufs Ungehoffte war ich nicht bereitet;/
Doch sollt ich's auch erwarten: wußt ich nicht,/
Daß ich mit einem Weibe handeln ging?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Schilt nicht, o König, unser arm Geschlecht./
Nicht herrlich wie die euern, aber nicht/
Unedel sind die Waffen eines Weibes./
Glaub es, darin bin ich dir vorzuziehn,/
Daß ich dein Glück mehr als du selber kenne./
Du wähnest, unbekannt mit dir und mir,/
Ein näher Band werd uns zum Glück vereinen./
Voll guten Mutes wie voll guten Willens/
Dringst du in mich, daß ich mich fügen soll;/
Und hier dank ich den Göttern, daß sie mir/
Die Festigkeit gegeben, dieses Bündnis/
Nicht einzugehen, das sie nicht gebilligt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Es spricht kein Gott; es spricht dein eignes Herz.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sie reden nur durch unser Herz zu uns.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Und hab Ich, sie zu hören, nicht das Recht?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Es überbraust der Sturm die zarte Stimme.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Die Priesterin vernimmt sie wohl allein?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Vor allen andern merke sie der Fürst.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Dein heilig Amt und dein geerbtes Recht/
An Jovis Tisch bringt dich den Göttern näher,/
Als einen erdgebornen Wilden.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>So</wers_cd>/
Büß ich nun das Vertraun, das du erzwangst.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich bin ein Mensch; und besser ist's, wir enden./
So bleibe denn mein Wort: Sei Priesterin/
Der Göttin, wie sie dich erkoren hat;/
Doch mir verzeih Diane, daß ich ihr,/
Bisher mit Unrecht und mit innerm Vorwurf,/
Die alten Opfer vorenthalten habe./
Kein Fremder nahet glücklich unserm Ufer;/
Von Alters her ist ihm der Tod gewiß./
Nur du hast mich mit einer Freundlichkeit,/
In der ich bald der zarten Tochter Liebe,/
Bald stille Neigung einer Braut zu sehn/
Mich tief erfreute, wie mit Zauberbanden/
Gefesselt, daß ich meiner Pflicht vergaß./
Du hattest mir die Sinnen eingewiegt,/
Das Murren meines Volks vernahm ich nicht;/
Nun rufen sie die Schuld von meines Sohnes/
Frühzeit'gem Tode lauter über mich./
Um deinetwillen halt ich länger nicht/
Die Menge, die das Opfer dringend fordert.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Um meinetwillen hab ich's nie begehrt./
Der mißversteht die Himmlischen, der sie/
Blutgierig wähnt; er dichtet ihnen nur/
Dir eignen grausamen Begierden an./
Entzog die Göttin mich nicht selbst dem Priester?/
Ihr war mein Dienst willkommner, als mein Tod.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Es ziemt sich nicht für uns, den heiligen/
Gebrauch mit leicht beweglicher Vernunft/
Nach unserm Sinn zu deuten und zu lenken./
Tu deine Pflicht, ich werde meine tun./
Zwei Fremde, die wir in des Ufers Höhlen/
Versteckt gefunden, und die meinem Lande/
Nichts Gutes bringen, sind in meiner Hand./
Mit diesen nehme deine Göttin wieder/
Ihr erstes, rechtes, lang entbehrtes Opfer!/
Ich sende sie hierher; du weißt den Dienst.</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>VIERTER AUFTRITT</naglowek_scena>

<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba> 
<didaskalia>allein.</didaskalia>



<kwestia><strofa>
Du hast Wolken, gnädige Retterin,/
Einzuhüllen unschuldig Verfolgte,/
Und auf Winden dem ehrnen Geschick sie/
Aus den Armen, über das Meer,/
Über der Erde weiteste Strecken/
Und wohin es dir gut dünkt zu tragen./
Weise bist du und siehest das Künftige;/
Nicht vorüber ist dir das Vergangne,/
Und dein Blick ruht über den Deinen/
Wie dein Licht, das Leben der Nächte,/
Über der Erde ruhet und waltet./
O enthalte vom Blut meine Hände!/
Nimmer bringt es Segen und Ruhe;/
Und die Gestalt des zufällig Ermordeten/
Wird auf des traurig-unwilligen Mörders/
Böse Stunden lauern --- und schrecken./
Denn die Unsterblichen lieben der Menschen/
Weit verbreitete gute Geschlechter,/
Und sie fristen das flüchtige Leben/
Gerne dem Sterblichen, wollen ihm gerne/
Ihres eigenen, ewigen Himmels/
Mitgenießendes fröhliches Anschaun/
Eine Weile gönnen und lassen.
</strofa></kwestia>



<naglowek_akt>ZWEITER AUFZUG</naglowek_akt>





<naglowek_scena>ERSTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Orest</osoba>. <osoba>Pylades</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Es ist der Weg des Todes, den wir treten:/
Mit jedem Schritt wird meine Seele stiller./
Als ich Apollen bat, das gräßliche/
Geleit der Rachegeister von der Seite/
Mir abzunehmen, schien er Hülf und Rettung/
Im Tempel seiner vielgeliebten Schwester,/
Die über Tauris herrscht, mit hoffnungsreichen/
Gewissen Götterworten zu versprechen;/
Und nun erfüllet sich's, daß alle Not/
Mit meinem Leben völlig enden soll./
Wie leicht wird's mir, dem eine Götterhand/
Das Herz zusammendrückt, den Sinn betäubt,/
Dem schönen Licht der Sonne zu entsagen./
Und sollen Atreus Enkel in der Schlacht/
Ein siegbekröntes Ende nicht gewinnen;/
Soll ich wie meine Ahnen, wie mein Vater,/
Als Opfertier im Jammertode bluten:/
So sei es! Besser hier vor dem Altar,/
Als im verworfnen Winkel, wo die Netze/
Der nahverwandte Meuchelmörder stellt./
Laßt mir so lange Ruh, ihr Unterird'schen,/
Die nach dem Blut ihr, das von meinen Tritten/
Hernieder träufelnd meinen Pfad bezeichnet,/
Wie losgelass'ne Hunde spürend hetzt./
Laßt mich, ich komme bald zu euch hinab;/
Das Licht des Tags soll euch nicht sehn, noch mich./
Der Erde schöner grüner Teppich soll/
Kein Tummelplatz für Larven sein. Dort unten/
Such ich euch auf: dort bindet alle dann/
Ein gleich Geschick in ew'ge matte Nacht./
Nur dich, mein Pylades, dich, meiner Schuld/
Und meines Banns unschuldigen Genossen,/
Wie ungern nehm ich dich in jenes Trauerland/
Frühzeitig mit! Dein Leben oder Tod/
Gibt mir allein noch Hoffnung oder Furcht.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich bin noch nicht, Orest, wie du bereit,/
In jenes Schattenreich hinabzugehn./
Ich sinne noch, durch die verworrnen Pfade,/
Die nach der schwarzen Nacht zu führen scheinen,/
Uns zu dem Leben wieder aufzuwinden./
Ich denke nicht den Tod; ich sinn und horche,/
Ob nicht zu irgend einer frohen Flucht/
Die Götter Rat und Wege zubereiten./
Der Tod, gefürchtet oder ungefürchtet,/
Kommt unaufhaltsam. Wenn die Priesterin/
Schon, unsre Locken weihend abzuschneiden,/
Die Hand erhebt, soll dein' und meine Rettung/
Mein einziger Gedanke sein. Erhebe/
Von diesem Unmut deine Seele; zweifelnd/
Beschleunigest du die Gefahr. Apoll/
Gab uns das Wort: im Heiligtum der Schwester/
Sei Trost und Hülf und Rückkehr dir bereitet./
Der Götter Worte sind nicht doppelsinnig,/
Wie der Gedrückte sie im Unmut wähnt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Des Lebens dunkle Decke breitete/
Die Mutter schon mir um das zarte Haupt,/
Und so wuchs ich herauf, ein Ebenbild/
Des Vaters, und es war mein stummer Blick/
Ein bittrer Vorwurf ihr und ihrem Buhlen./
Wie oft, wenn still Elektra, meine Schwester,/
Am Feuer in der tiefen Halle saß,/
Drängt ich beklommen mich an ihren Schoß,/
Und starrte, wie sie bitter weinte, sie/
Mit großen Augen an. Dann sagte sie/
Von unserm hohen Vater viel: wie sehr/
Verlangt ich ihn zu sehn, bei ihm zu sein!/
Mich wünscht ich bald nach Troja, ihn bald her./
Es kam der Tag ---</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
<wers_cd>O laß von jener Stunde</wers_cd>/
Sich Höllengeister nächtlich unterhalten!/
Uns gebe die Erinnrung schöner Zeit/
Zu frischem Heldenlaufe neue Kraft./
Die Götter brauchen manchen guten Mann/
Zu ihrem Dienst auf dieser weiten Erde./
Sie haben noch auf dich gezählt; sie gaben/
Dich nicht dem Vater zum Geleite mit,/
Da er unwillig nach dem Orcus ging.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>O, wär ich, seinen Saum ergreifend, ihm/
Gefolgt!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>So haben die, die dich erhielten,</wers_cd>/
Für mich gesorgt: denn was ich worden wäre,/
Wenn du nicht lebtest, kann ich mir nicht denken;/
Da ich mit dir und deinetwillen nur/
Seit meiner Kindheit leb und leben mag.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Erinnre mich nicht jener schönen Tage,/
Da mir dein Haus die freie Stätte gab,/
Dein edler Vater klug und liebevoll/
Die halberstarrte junge Blüte pflegte;/
Da du ein immer munterer Geselle,/
Gleich einem leichten bunten Schmetterling/
Um eine dunkle Blume, jeden Tag/
Um mich mit neuem Leben gaukeltest,/
Mir deine Lust in meine Seele spieltest,/
Daß ich, vergessend meiner Not, mit dir/
In rascher Jugend hingerissen schwärmte.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Da fing mein Leben an, als ich dich liebte.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Sag: meine Not begann, und du sprichst wahr./
Das ist das Ängstliche von meinem Schicksal,/
Daß ich, wie ein verpesteter Vertriebner,/
Geheimen Schmerz und Tod im Busen trage;/
Daß, wo ich den gesund'sten Ort betrete,/
Gar bald um mich die blühenden Gesichter/
Den Schmerzenszug langsamen Tods verraten.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Der Nächste wär ich diesen Tod zu sterben,/
Wenn je dein Hauch, Orest, vergiftete./
Bin ich nicht immer noch voll Mut und Lust?/
Und Lust und Liebe sind die Fittige/
Zu großen Taten.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Große Taten? Ja,</wers_cd>/
Ich weiß die Zeit, da wir sie vor uns sahn!/
Wenn wir zusammen oft dem Wilde nach/
Durch Berg und Thäler rannten und dereinst/
An Brust und Faust dem hohen Ahnherrn gleich/
Mit Keul und Schwert dem Ungeheuer so,/
Dem Räuber auf der Spur zu jagen hofften;/
Und dann wir Abends an der weiten See/
Uns aneinander lehnend ruhig saßen,/
Die Wellen bis zu unsern Füßen spielten,/
Die Welt so weit, so offen vor uns lag;/
Da fuhr wohl Einer manchmal nach dem Schwert,/
Und künft'ge Taten drangen wie die Sterne/
Rings um uns her unzählig aus der Nacht.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Unendlich ist das Werk, das zu vollführen/
Die Seele dringt. Wir möchten jede Tat/
So groß gleich tun, als wie sie wächst und wird,/
Wenn Jahre lang durch Länder und Geschlechter/
Der Mund der Dichter sie vermehrend wälzt./
Es klingt so schön was unsre Väter taten,/
Wenn es in stillen Abendschatten ruhend/
Der Jüngling mit dem Ton der Harfe schlürft;/
Und was wir tun ist, wie es ihnen war,/
Voll Müh und eitel Stückwerk!/
So laufen wir nach dem, was vor uns flieht,/
Und achten nicht des Weges den wir treten,/
und sehen neben uns der Ahnherrn Tritte/
Und ihres Erdelebens Spuren kaum./
Wir eilen immer ihrem Schatten nach,/
Der göttergleich in einer weiten Ferne/
Der Berge Haupt auf goldnen Wolken krönt./
Ich halte nichts von dem, der von sich denkt/
Wie ihn das Volk vielleicht erheben möchte./
Allein, o Jüngling, danke du den Göttern,/
Daß sie so früh durch dich so viel getan.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Wenn sie dem Menschen frohe Tat bescheren/
Daß er ein Unheil von den Seinen wendet,/
Daß er sein Reich vermehrt, die Gränzen sichert,/
Und alte Feinde fallen oder fliehn;/
Dann mag er danken! denn ihm hat ein Gott/
Des Lebens erste, letzte Lust gegönnt./
Mich haben sie zum Schlächter auserkoren,/
Zum Mörder meiner doch verehrten Mutter,/
Und, eine Schandtat schändlich rächend, mich/
Durch ihren Wink zu Grund gerichtet. Glaube,/
Sie haben es auf Tantals Haus gerichtet,/
Und ich, der Letzte, soll nicht schuldlos, soll/
Nicht ehrenvoll vergehn.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Die Götter rächen</wers_cd>/
Der Väter Missetat nicht an dem Sohn;/
Ein jeglicher, gut oder böse, nimmt/
Sich seinen Lohn mit seiner Tat hinweg./
Es erbt der Eltern Segen, nicht ihr Fluch.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Uns führt ihr Segen, dünkt mich, nicht hierher.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Doch wenigstens der hohen Götter Wille.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
So ist's ihr Wille denn, der uns verderbt.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Tu was sie dir gebieten und erwarte./
Bringst du die Schwester zu Apollen hin,/
Und wohnen beide dann vereint zu Delphi,/
Verehrt von einem Volk das edel denkt;/
So wird für diese Tat das hohe Paar/
Dir gnädig sein, sie werden aus der Hand/
Der Unterird'schen dich erretten. Schon/
In diesen heil'gen Hain wagt keine sich.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So hab ich wenigstens geruh'gen Tod.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ganz anders denk ich, und nicht ungeschickt/
Hab ich das schon Geschehne mit dem Künft'gen/
Verbunden und im stillen ausgelegt./
Vielleicht reift in der Götter Rat schon lange/
Das große Werk. Diana sehnet sich/
Von diesem rauhen Ufer der Barbaren/
Und ihren blut'gen Menschenopfern weg./
Wir waren zu der schönen Tat bestimmt,/
Uns wird sie auferlegt, und seltsam sind/
Wir an der Pforte schon gezwungen hier.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Mit seltner Kunst flichtst du der Götter Rat/
Und deine Wünsche klug in Eins zusammen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Was ist des Menschen Klugheit, wenn sie nicht/
Auf Jener Willen droben achtend lauscht?/
Zu einer schweren Tat beruft ein Gott/
Den edeln Mann, der viel verbrach, und legt/
Ihm auf was uns unmöglich scheint zu enden./
Es siegt der Held, und büßend dienet er/
Den Göttern und der Welt, die ihn verehrt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Bin ich bestimmt zu leben und zu handeln,/
So nehm' ein Gott von meiner schweren Stirn/
Den Schwindel weg, der auf dem schlüpfrigen,/
Mit Mutterblut besprengten Pfade fort/
Mich zu den Toten reißt. Er trockne gnädig/
Die Quelle, die, mir aus der Mutter Wunden/
Entgegen sprudelnd, ewig mich befleckt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Erwart es ruhiger! Du mehrst das Übel/
Und nimmst das Amt der Furien auf dich./
Laß mich nur sinnen, bleibe still! Zuletzt,/
Bedarf's zur Tat vereinter Kräfte, dann/
Ruf ich dich auf, und beide schreiten wir/
Mit überlegter Kühnheit zur Vollendung.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich hör Ulyssen reden.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Spotte nicht.</wers_cd>/
Ein jeglicher muß seinen Helden wählen,/
Dem er die Wege zum Olymp hinauf/
Sich nacharbeitet. Laß es mich gestehn:/
Mir scheinen List und Klugheit nicht den Mann/
Zu schänden, der sich kühnen Taten weiht.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich schätze den, der tapfer ist und grad.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Drum hab ich keinen Rat von dir verlangt./
Schon ist ein Schritt getan. Von unsern Wächtern/
Hab ich bisher gar vieles ausgelockt./
Ich weiß, ein fremdes, göttergleiches Weib/
Hält jenes blutige Gesetz gefesselt;/
Ein reines Herz und Weihrauch und Gebet/
Bringt sie den Göttern dar. Man rühmet hoch/
Die Gütige; man glaubet, sie entspringe/
vom Stamm der Amazonen, sei geflohn,/
Um einem großen Unheil zu entgehn.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Es scheint, ihr lichtes Reich verlor die Kraft/
Durch des Verbrechers Nähe, den der Fluch/
Wie eine breite Nacht verfolgt und deckt./
Die fromme Blutgier löst den alten Brauch/
Von seinen Fesseln los, uns zu verderben./
Der wilde Sinn des Königs tötet uns;/
Ein Weib wird uns nicht retten, wenn er zürnt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Wohl uns, daß es ein Weib ist! denn ein Mann,/
Der beste selbst, gewöhnet seinen Geist/
An Grausamkeit und macht sich auch zuletzt/
Aus dem, was er verabscheut, ein Gesetz,/
Wird aus Gewohnheit hart und fast unkenntlich./
Allein ein Weib bleibt stät auf Einem Sinn/
Den sie gefaßt. Du rechnest sicherer/
Auf sie im Guten wie im Bösen. --- Still!/
Sie kommt; laß uns allein. Ich darf nicht gleich/
Ihr unsre Namen nennen, unser Schicksal/
Nicht ohne Rückhalt ihr vertraun. Du gehst,/
Und eh sie mit dir spricht, treff ich dich noch.</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>ZWEITER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Pylades</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Woher du seist und kommst, o Fremdling, sprich!/
Mir scheint es, daß ich eher einem Griechen/
Als einem Scythen dich vergleichen soll./
<didask_tekst>Sie nimmt ihm die Ketten ab.</didask_tekst>/
Gefährlich ist die Freiheit, die ich gebe;/
Die Götter wenden ab was euch bedroht!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>O süße Stimme! Vielwillkommner Ton/
Der Muttersprach in einem fremden Lande!/
Des väterlichen Hafens blaue Berge/
Seh ich Gefangner neu willkommen wieder/
Vor meinen Augen. Laß dir diese Freude/
Versichern, daß auch ich ein Grieche bin!/
Vergessen hab ich einen Augenblick,/
Wie sehr ich dein bedarf, und meinen Geist/
Der herrlichen Erscheinung zugewendet./
O sage, wenn dir dein Verhängnis nicht/
Die Lippe schließt, aus welchem unsrer Stämme/
Du deine göttergleiche Herkunft zählst.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Die Priesterin, von ihrer Göttin selbst/
Gewählet und geheiligt, spricht mit dir./
Das laß dir g'nügen; sage, wer du seist/
Und welch unselig-waltendes Geschick/
Mit dem Gefährten dich hierher gebracht.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Leicht kann ich dir erzählen, welch ein Übel/
Mit lastender Gesellschaft uns verfolgt./
O könntest du der Hoffnung frohen Blick/
Uns auch so leicht, du Göttliche, gewähren!/
Aus Kreta sind wir, Söhne des Adrasts:/
Ich bin der jüngste, Cephalus genannt,/
Und er Laodamas, der älteste/
Des Hauses. Zwischen uns stand rauh und wild/
Ein mittlerer, und trennte schon im Spiel/
Der ersten Jugend Einigkeit und Lust./
Gelassen folgten wir der Mutter Worten,/
So lang des Vaters Kraft vor Troja stritt;/
Doch als er beutereich zurücke kam/
Und kurz darauf verschied, da trennte bald/
Der Streit um Reich und Erbe die Geschwister./
Ich neigte mich zum ält'sten. Er erschlug/
Den Bruder. Um der Blutschuld willen treibt/
Die Furie gewaltig ihn umher./
Doch diesem wilden Ufer sendet uns/
Apoll, der Delphische, mit Hoffnung zu./
Im Tempel seiner Schwester hieß er uns/
Der Hülfe segensvolle Hand erwarten./
Gefangen sind wir und hierher gebracht,/
Und dir als Opfer dargestellt. Du weißt's.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Fiel Troja? Teurer Mann, versichr' es mir.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Es liegt. O sichre du uns Rettung zu!/
Beschleunige die Hülfe, die ein Gott/
Versprach. Erbarme meines Bruders dich./
O sag ihm bald ein gutes holdes Wort;/
Doch schone seiner wenn du mit ihm sprichst,/
Das bitt ich eifrig: denn es wird gar leicht/
Durch Freud und Schmerz und durch Erinnerung/
Sein Innerstes ergriffen und zerrüttet./
Ein fieberhafter Wahnsinn fällt ihn an,/
Und seine schöne freie Seele wird/
Den Furien zum Raube hingegeben.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So groß dein Unglück ist, beschwör ich dich,/
Vergiß es, bis du mir genug getan.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Die hohe Stadt, die zehen lange Jahre/
Dem ganzen Heer der Griechen widerstand,/
Liegt nun im Schutte, steigt nicht wieder auf./
Doch manche Gräber unsrer Besten heißen/
Uns an das Ufer der Barbaren denken./
Achill liegt dort mit seinem schönen Freunde.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
So seid ihr Götterbilder auch zu Staub!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Auch Palamedes, Ajax Telamons,/
Sie sahn des Vaterlandes Tag nicht wieder.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Er schweigt von meinem Vater, nennt ihn nicht/
Mit den Erschlagnen. Ja! er lebt mir noch!/
Ich werd ihn sehn! O hoffe, liebes Herz!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Doch selig sind die Tausende, die starben/
Den bittersüßen Tod von Feindes Hand!/
Denn wüste Schrecken und ein traurig Ende/
Hat den Rückkehrenden statt des Triumphs/
Ein feindlich aufgebrachter Gott bereitet./
Kommt denn der Menschen Stimme nicht zu euch?/
So weit sie reicht, trägt sie den Ruf umher/
Von unerhörten Taten die geschahn./
So ist der Jammer, der Mycenens Hallen/
Mit immer wiederholten Seufzern füllt,/
Dir ein Geheimnis? --- Klytämnestra hat/
Mit Hülf Ägisthens den Gemahl berückt,/
Am Tage seiner Rückkehr ihn ermordet! ---/
Ja, du verehrest dieses Königs Haus!/
Ich seh es, deine Brust bekämpft vergebens/
Das unerwartet ungeheure Wort./
Bist du die Tochter eines Freundes? bist/
Du nachbarlich in dieser Stadt geboren?/
Verbirg es nicht und rechne mir's nicht zu,/
Daß ich der Erste diese Gräuel melde.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Sag an, wie ward die schwere Tat vollbracht?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Am Tage seiner Ankunft, da dir König/
Vom Bad erquickt und ruhig, sein Gewand/
Aus der Gemahlin Hand verlangend, stieg,/
Warf die Verderbliche ein faltenreich/
Und künstlich sich verwirrendes Gewebe/
Ihm auf die Schultern, um das edle Haupt;/
Und da er wie von einem Netze sich/
Vergebens zu entwickeln strebte, schlug/
Ägisth ihn, der Verräter, und verhüllt/
Ging zu den Toten dieser große Fürst.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Und welchen Lohn erhielt der Mitverschworne?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Ein Reich und Bette, das er schon besaß.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So trieb zur Schandtat eine böse Lust?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Und einer alten Rache tief Gefühl.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Und wie beleidigte der König sie?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Mit schwerer Tat, die, wenn Entschuldigung/
Des Mordes wäre, sie entschuldigte./
Nach Aulis lockt' er sie und brachte dort,/
Als eine Gottheit sich der Griechen Fahrt/
Mit ungstümen Winden widersetzte,/
Die ält'ste Tochter, Iphigenien,/
Vor den Altar Dianens, und sie fiel/
Ein blutig Opfer für der Griechen Heil./
Dies, sagt man, hat ihr einen Widerwillen/
So tief ins Herz geprägt, daß sie dem Werben/
Ägisthens sich ergab und den Gemahl/
Mit Netzen des Verderbens selbst umschlang.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba> 
<didaskalia>sich verhüllend.</didaskalia>



<kwestia><strofa>
Es ist genug. Du wirst mich wiedersehn.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba> 
<didaskalia>allein.</didaskalia>



<kwestia><strofa>Von dem Geschick des Königs-Hauses scheint/
Sie tief gerührt. Wer sie auch immer sei,/
So hat sie selbst den König wohl gekannt/
Und ist, zu unserm Glück, aus hohem Hause/
Hierher verkauft. Nur stille, liebes Herz,/
Und laß dem Stern der Hoffnung, der uns blinkt,/
Mit frohem Mut uns klug entgegen steuern.</strofa></kwestia>



<naglowek_akt>DRITTER AUFZUG</naglowek_akt>





<naglowek_scena>ERSTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Orest</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Unglücklicher, ich löse deine Bande/
Zum Zeichen eines schmerzlichern Geschicks./
Die Freiheit, die das Heiligtum gewährt,/
Ist, wie der letzte lichte Lebensblick/
Des schwer Erkrankten, Todesbote. Noch/
Kann ich es mir und darf es mir nicht sagen,/
Daß ihr verloren seid! Wie könnt ich euch/
Mit mörderischer Hand dem Tode weihen?/
Und niemand, wer es sei, darf euer Haupt,/
So lang ich Priesterin Dianens bin,/
Berühren. Doch verweigr' ich jene Pflicht,/
Wie sie der aufgebrachte König fordert;/
So wählt er eine meiner Jungfraun mir/
Zur Folgerin, und ich vermag alsdann/
Mit heißem Wunsch allein euch beizustehn./
O werther Landsmann! Selbst der letzte Knecht,/
Der an den Herd der Vatergötter streifte,/
Ist uns in fremdem Lande hoch willkommen:/
Wie soll ich euch genug mit Freud und Segen/
Empfangen, die ihr mir das Bild der Helden,/
Die ich von Eltern her verehren lernte,/
Entgegen bringet und das innre Herz/
Mit neuer schöner Hoffnung schmeichelnd labet!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Verbirgst du deinen Namen, deine Herkunft/
Mit klugem Vorsatz? oder darf ich wissen,/
Wer mir, gleich einer Himmlischen, begegnet?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Du sollst mich kennen. Jetzo sag mir an,/
Was ich nur halb von deinem Bruder hörte,/
Das Ende derer, die von Troja kehrend/
Ein hartes unerwartetes Geschick/
Auf ihrer Wohnung Schwelle stumm empfing./
Zwar ward ich jung an diesen Strand geführt;/
Doch wohl erinnr' ich mich des scheuen Blicks,/
Den ich mit Staunen und mit Bangigkeit/
Auf jene Helden warf. Sie zogen aus,/
Als hätte der Olymp sich aufgetan/
Und die Gestalten der erlauchten Vorwelt/
Zum Schrecken Ilions herabgesendet,/
Und Agamemnon war vor allen herrlich!/
O sage mir! Er fiel, sein Haus betretend,/
Durch seiner Frauen und Ägisthens Tücke?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Du sagst's!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Weh dir, unseliges Mycen!</wers_cd>/
So haben Tantals Enkel Fluch auf Fluch/
Mit vollen wilden Händen ausgesät!/
Und gleich dem Unkraut, wüste Häupter schüttelnd/
Und tausendfält'gen Samen um sich streuend,/
Den Kindeskindern nahverwandte Mörder/
Zur ew'gen Wechselwut erzeugt! Enthülle,/
Was von der Rede deines Bruders schnell/
Die Finsternis des Schreckens mir verdeckte./
Wie ist des großen Stammes letzter Sohn,/
Das holde Kind, bestimmt des Vaters Rächer/
Dereinst zu sein, wie ist Orest dem Tage/
Des Bluts entgangen? Hat ein gleich Geschick/
Mit des Avernus Netzen ihn umschlungen?/
Ist er gerettet? Lebt er? Lebt Elektra?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sie leben.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
<wers_cd>Goldne Sonne, leihe mir</wers_cd>/
Die schönsten Strahlen, lege sie zum Dank/
Vor Jovis Thron! denn ich bin arm und stumm.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Bist du gastfreundlich diesem Königs-Hause,/
Bist du mit nähern Banden ihm verbunden,/
Wie deine schöne Freude mir verrät:/
So bändige dein Herz und halt es fest!/
Denn unerträglich muß dem Fröhlichen/
Ein jäher Rückfall in die Schmerzen sein./
Du weißt nur, merk ich, Agamemnons Tod.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Hab ich an dieser Nachricht nicht genug?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Du hast des Gräuels Hälfte nur erfahren.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Was fürcht ich noch? Orest, Elektra leben.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Und fürchtest du für Klytämnestren nichts?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sie rettet weder Hoffnung, weder Furcht.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Auch schied sie aus dem Land der Hoffnung ab.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Vergoß sie reuig wütend selbst ihr Blut?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Nein, doch ihr eigen Blut gab ihr den Tod.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sprich deutlicher, daß ich nicht länger sinne./
Die Ungewißheit schlägt mir tausendfältig/
Die dunkeln Schwingen um das bange Haupt.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So haben mich die Götter ausersehn/
Zum Boten einer Tat, die ich so gern/
Ins klanglos-dumpfe Höhlenreich der Nacht/
Verbergen möchte? Wider meinen Willen/
Zwingt mich dein holder Mund; allein er darf/
Auch etwas Schmerzlichs fordern und erhält's./
Am Tage, da der Vater fiel, verbarg/
Elektra rettend ihren Bruder: Strophius,/
Des Vaters Schwäher, nahm ihn willig auf,/
Erzog ihn neben seinem eignen Sohne,/
Der, Pylades genannt, die schönsten Bande/
Der Freundschaft um den Angekommnen knüpfte./
Und wie sie wuchsen, wuchs in ihrer Seele/
Die brennende Begier des Königs Tod/
Zu rächen. Unversehen, fremd gekleidet,/
Erreichen sie Mycen, als brächten sie/
Die Trauernachricht von Orestens Tode/
Mit seiner Asche. Wohl empfänget sie/
Die Königin; sie treten in das Haus./
Elektren gibt Orest sich zu erkennen;/
Sie bläst der Rache Feuer in ihm auf,/
Das vor der Mutter heil'ger Gegenwart/
In sich zurückgebrannt war. Stille führt/
Sie ihn zum Orte, wo sein Vater fiel,/
Wo eine alte leichte Spur des frech/
Vergossnen Blutes oftgewaschnen Boden/
Mit blassen ahndungsvollen Streifen färbte./
Mit ihrer Feuerzunge schilderte/
Sie jeden Umstand der verruchten Tat,/
Ihr knechtisch elend durchgebrachtes Leben,/
Den Übermut der glücklichen Verräter,/
Und die Gefahren, die nun der Geschwister/
Von einer stiefgewordnen Mutter warteten;/
--- Hier drang sie jenen alten Dolch ihm auf,/
Der schon in Tantals Hause grimmig wütete,/
Und Klytämnestra fiel durch Sohnes Hand.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Unsterbliche, die ihr den reinen Tag/
Auf immer neuen Wolken selig lebet,/
Habt ihr nur darum mich so manches Jahr/
Von Menschen abgesondert, mich so nah/
Bei euch gehalten, mir die kindliche/
Beschäftigung, des heil'gen Feuers Glut/
Zu nähren aufgetragen, meine Seele/
Der Flamme gleich in ew'ger frommer Klarheit/
Zu euern Wohnungen hinaufgezogen,/
Daß ich nur meines Hauses Gräuel später/
Und tiefer fühlen sollte? --- Sage mir/
Vom Unglücksel'gen! sprich mir von Orest! ---</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
O, könnte man von seinem Tode sprechen!/
Wie gährend stieg aus der Erschlagnen Blut/
Der Mutter Geist/
Und ruft der Nacht uralten Töchtern zu:/
,,Laßt nicht den Muttermörder entfliehn!/
Verfolgt den Verbrecher! Euch ist er geweiht!/
Sie horchen auf, es schaut ihr hohler Blick/
Mit der Begier des Adlers um sich her./
Sie rühren sich in ihren schwarzen Höhlen,/
Und aus den Winkeln schleichen ihre Gefährten,/
Der Zweifel und die Reue, leis herbei./
Vor ihnen steigt ein Dampf vom Acheron;/
In seinen Wolkenkreisen wälzet sich/
Die ewige Betrachtung des Geschehnen/
Verwirrend um des Schuld'gen Haupt umher/
Und sie, berechtigt zum Verderben, treten/
Der gottbesäten Erde schönen Boden,/
Von dem ein alter Fluch sie längst verbannte./
Den Flüchtigen verfolgt ihr schneller Fuß;/
Sie geben nur um neu zu schrecken Rast.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Unseliger, du bist in gleichem Fall,/
Und fühlst was er, der arme Flüchtling, leidet!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Was sagst du mir? was wähnst du gleichen Fall?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Dich drückt ein Brudermord wie jenen; mir/
Vertraute dies dein jüngster Bruder schon.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich kann nicht leiden, daß du große Seele/
Mit einem falschen Wort betrogen werdest./
Ein lügenhaft Gewebe knüpf' ein Fremder/
Dem Fremden, sinnreich und der List gewohnt,/
Zur Falle vor die Füße; zwischen uns/
Sei Wahrheit!/
Ich bin Orest! und dieses schuld'ge Haupt/
Senkt nach der Grube sich und sucht den Tod;/
In jeglicher Gestalt sei er willkommen!/
Wer du auch seist, so wünsch ich Rettung dir/
Und meinem Freunde; mir wünsch ich sie nicht./
Du scheinst hier wider Willen zu verweilen;/
Erfindet Rat zur Flucht und laßt mich hier./
Es stürze mein entseelter Leib vom Fels,/
Es rauche bis zum Meer hinab mein Blut,/
Und bringe Fluch dem Ufer der Barbaren!/
Geht ihr, daheim im schönen Griechenland/
Ein neues Leben freundlich anzufangen.</strofa></kwestia>


<didaskalia>Er entfernt sich.</didaskalia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So steigst du denn, Erfüllung, schönste Tochter/
Des größten Vaters, endlich zu mir nieder!/
Wie ungeheuer steht dein Bild vor mir!/
Kaum reicht mein Blick dir an die Hände, die/
Mit Furcht und Segenskränzen angefüllt/
Die Schätze des Olympus niederbringen./
Wie man den König an dem Übermaß/
Der Gaben kennt: denn ihm muß wenig scheinen/
Was Tausenden schon Reichtum ist; so kennt/
Man euch, ihr Götter, an gesparten, lang/
Und weise zubereiteten Geschenken./
Denn ihr allein wißt was uns frommen kann,/
Und schaut der Zukunft ausgedehntes Reich,/
Wenn jedes Abends Stern --- und Nebelhülle/
Die Aussicht uns verdeckt. Gelassen hört/
Ihr unser Flehn, das um Beschleunigung/
Euch kindisch bittet; aber eure Hand/
Bricht unreif nie die goldnen Himmelsfrüchte;/
Und wehe dem, der ungeduldig sie/
Ertrotzend saure Speise sich zum Tod/
Genießt. O laßt das lang erwartete,/
Noch kaum gedachte Glück nicht, wie den Schatten/
Des abgeschiednen Freundes, eitel mir/
Und dreifach schmerzlicher vorübergehn!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba> 
<didaskalia>der wieder zu ihr tritt.</didaskalia>



<kwestia><strofa>Rufst du die Götter an für dich und Pylades,/
So nenne meinen Namen nicht mit eurem./
Du rettest den Verbrecher nicht, zu dem/
Du dich gesellst, und teilest Fluch und Not.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Mein Schicksal ist an deines fest gebunden.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Mit nichten! Laß allein und unbegleitet/
Mich zu den Toten gehn. Verhülltest du/
In deinen Schleier selbst den Schuldigen;/
Du birgst ihn nicht vorm Blick der Immerwachen,/
Und deine Gegenwart, du Himmlische,/
Drängt sie nur seitwärts und verscheucht sie nicht./
Sie dürfen mit den ehrnen frechen Füßen/
Des heil'gen Waldes Boden nicht betreten;/
Doch hör ich aus der Ferne hier und da/
Ihr gräßliches Gelächter. Wölfe harren/
So um den Baum, auf den ein Reisender/
Sich rettete. Da draußen ruhen sie/
Gelagert; und verlass ich diesen Hain,/
Dann steigen sie, die Schlangenhäupter schüttelnd,/
Von allen Seiten Staub erregend auf/
Und treiben ihre Beute vor sich her.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Kannst du, Orest, ein freundlich Wort vernehmen?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Spar es für einen Freund der Götter auf.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sie geben dir zu neuer Hoffnung Licht.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Durch Rauch und Qualm seh ich den matten Schein/
Des Totenflusses mir zur Hölle leuchten.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Hast du Elektren, Eine Schwester nur?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Die Eine kannt ich; doch die ält'ste nahm/
Ihr gut Geschick, das uns so schrecklich schien,/
Bei Zeiten aus dem Elend unsers Hauses./
O laß dein Fragen, und geselle dich/
Nicht auch zu den Erinnyen; sie blasen/
Mir schadenfroh die Asche von der Seele,/
Und leiden nicht, daß sich die letzten Kohlen/
Von unsers Hauses Schreckensbrande still/
In mir verglimmen. Soll die Glut denn ewig,/
Vorsätzlich angefacht, mit Höllenschwefel/
Genährt, mir auf der Seele marternd brennen?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich bringe süßes Rauchwerk in die Flamme./
O laß den reinen Hauch der Liebe dir/
Die Glut des Busens leise wehend kühlen./
Orest, mein Teurer, kannst du nicht vernehmen?/
Hat das Geleit der Schreckensgötter so/
Das Blut in deinen Adern aufgetrocknet?/
Schleicht, wie vom Haupt der gräßlichen Gorgone,/
Versteinernd dir ein Zauber durch die Glieder?/
O wenn vergossnen Mutterblutes Stimme/
Zur Höll hinab mit dumpfen Tönen ruft;/
Soll nicht der reinen Schwester Segenswort/
Hülfreiche Götter von Olympus rufen?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Es ruft! es ruft! So willst du mein Verderben!/
Verbirgt in dir sich eine Rachegöttin?/
Wer bist du, deren Stimme mir entsetzlich/
Das Innerste in seinen Tiefen wendet?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Es zeigt sich dir im tiefsten Herzen an:/
Orest, ich bin's! Sieh Iphigenien!/
Ich lebe!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
<wers_cd>Du!</wers_cd>
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
<wers_cd>Mein Bruder!</wers_cd>
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Laß! Hinweg!</wers_cd>/
Ich rate dir, berühre nicht die Locken!/
Wie von Kreusas Brautkleid zündet sich/
Ein unauslöschlich Feuer von mir fort./
Laß mich! Wie Hercules will ich Unwürd'ger/
Den Tod voll Schmach, in mich verschlossen, sterben.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Du wirst nicht untergehn! O daß ich nur/
Ein ruhig Wort von dir vernehmen könnte!/
O löse meine Zweifel, laß des Glückes,/
Des lang erflehten, mich auch sicher werden./
Es wälzet sich ein Rad von Freud und Schmerz/
Durch meine Seele. Von dem fremden Manne/
Entfernet mich ein Schauer; doch es reißt/
Mein Innerstes gewaltig mich zum Bruder.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ist hier Lyäens Tempel? und ergreift/
Unbändig-heil'ge Wut die Priesterin?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>O höre mich! O sieh mich an, wie mir/
Nach einer langen Zeit das Herz sich öffnet,/
Der Seligkeit, dem Liebsten, was die Welt/
Noch für mich tragen kann, das Haupt zu küssen,/
Mit meinen Armen, die den leeren Winden/
Nur ausgebreitet waren, dich zu fassen!/
O laß mich! Laß mich! Denn es quillet heller/
Nicht vom Parnass die ew'ge Quelle sprudelnd/
Von Fels zu Fels ins goldne Tal hinab,/
Wie Freude mir vom Herzen wallend fließt,/
Und wie ein selig Meer mich rings umfängt./
Orest! Orest! Mein Bruder!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Schöne Nymphe,</wers_cd>/
Ich traue dir und deinem Schmeicheln nicht./
Diana fordert strenge Dienerinnen/
Und rächet das entweihte Heiligtum./
Entferne deinen Arm von meiner Brust!/
Und wenn du einen Jüngling rettend lieben,/
Das schöne Glück ihm zärtlich bieten willst,/
So wende meinem Freunde dein Gemüt,/
Dem würd'gern Manne zu. Er irrt umher/
Auf jenem Felsenpfade; such ihn auf,/
Weis ihn zurecht und schone meiner.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Fasse</wers_cd>/
Dich, Bruder, und erkenne die Gefundne!/
Schilt einer Schwester reine Himmelsfreude/
Nicht unbesonnene, strafbare Lust./
O nehmt den Wahn ihm von dem starren Auge,/
Daß uns der Augenblick der höchsten Freude/
Nicht dreifach elend mache! Sie ist hier,/
Die längst verlorne Schwester. Vom Altar/
Riß mich die Göttin weg und rettete/
Hierher mich in ihr eigen Heiligtum./
Gefangen bist du, dargestellt zum Opfer,/
Und findest in der Priesterin die Schwester.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Unselige! So mag die Sonne denn/
Die letzten Gräuel unsers Hauses sehn!/
Ist nicht Elektra hier? damit auch sie/
Mit uns zu Grunde gehe, nicht ihr Leben/
Zu schwererem Geschick und Leiden friste./
Gut, Priesterin! Ich folge zum Altar:/
Der Brudermord ist hergebrachte Sitte/
Des alten Stammes; und ich danke, Götter,/
Daß ihr mich ohne Kinder auszurotten/
Beschlossen habt. Und laß dir raten, habe/
Die Sonne nicht zu lieb und nicht die Sterne;/
Komm, folge mir ins dunkle Reich hinab!/
Wie sich vom Schwefelpfuhl erzeugte Drachen/
Bekämpfend die verwandte Brut verschlingen,/
Zerstört sich selbst das wütende Geschlecht;/
Komm kinderlos und schuldlos mit hinab!/
Du siehst mich mit Erbarmen an? Laß ab!/
Mit solchen Blicken suchte Klytämnestra/
Sich einen Weg nach ihres Sohnes Herzen;/
Doch sein geschwungner Arm traf ihre Brust./
Die Mutter fiel! --- Tritt auf, unwill'ger Geist!/
Im Kreis geschlossen tretet an, ihr Furien,/
Und wohnet dem willkommnen Schauspiel bei,/
Dem letzten, gräßlichsten, das ihr bereitet!/
Nicht Haß und Rache schärfen ihren Dolch;/
Die liebevolle Schwester wird zur Tat/
Gezwungen. Weine nicht! Du hast nicht Schuld./
Seit meinen ersten Jahren hab ich nichts/
Geliebt, wie ich dich lieben könnte, Schwester./
Ja, schwinge deinen Stahl, verschone nicht,/
Zerreiße diesen Busen, und eröffne/
Den Strömen die hier sieden einen Weg!</strofa></kwestia>


<didaskalia>Er sinkt in Ermattung.</didaskalia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Allein zu tragen dieses Glück und Elend/
Vermag ich nicht. --- Wo bist du, Pylades?/
Wo find ich deine Hülfe, teurer Mann?</strofa></kwestia>


<didaskalia>Sie entfernt sich suchend.</didaskalia>


<naglowek_scena>ZWEITER AUFTRITT</naglowek_scena>

<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<didaskalia>aus seiner Betäubung erwachend und sich aufrichtend.</didaskalia>




<kwestia><strofa>Noch Einen! reiche mir aus Lethe's Fluthen/
Den letzten kühlen Becher der Erquickung!/
Bald ist der Krampf des Lebens aus dem Busen/
Hinweggespült; bald fließet still mein Geist,/
Der Quelle des Vergessens hingegeben,/
Zu euch, ihr Schatten, in die ew'gen Nebel./
Gefällig laßt in eurer Ruhe sich/
Den umgetriebnen Sohn der Erde laben! --- /
Welch ein Gelispel hör ich in den Zweigen,/
Welch ein Geräusch aus jener Dämmrung säuseln?/
Sie kommen schon, den neuen Gast zu sehn!/
Wer ist die Schaar, die herrlich mit einander/
Wie ein versammelt Fürstenhaus sich freut?/
Sie gehen friedlich, Alt' und Junge, Männer/
Mit Weibern; göttergleich und ähnlich scheinen/
Die wandelnden Gestalten. Ja, sie sind's,/
Die Ahnherrn meines Hauses! --- Mit Thyesten/
Geht Atreus in vertraulichen Gesprächen;/
Die Knaben schlüpfen scherzend um sie her./
Ist keine Feindschaft hier mehr unter euch?/
Verlosch die Rache wie das Licht der Sonne?/
So bin auch ich willkommen, und ich darf/
In euern feierlichen Zug mich mischen./
Willkommen, Väter! euch grüßt Orest,/
Von euerm Stamme der letzte Mann;/
Was ihr gesät, hat er geerntet:/
Mit Fluch beladen stieg er herab,/
Doch leichter träget sich hier jede Bürde:/
Nehmt ihn, o nehmt ihn in euern Kreis! --- /
Dich, Atreus, ehr ich, auch dich Thyesten:/
Wir sind hier alle der Feindschaft los. --- /
Zeigt mir den Vater, den ich nur einmal/
Im Leben sah! --- Bist du's, mein Vater?/
Und führst die Mutter vertraut mit dir?/
Darf Klytämnestra die Hand dir reichen;/
So darf Orest auch zu ihr treten/
Und darf ihr sagen: sieh deinen Sohn! --- /
Seht euern Sohn! Heißt ihn willkommen./
Auf Erden war in unserm Hause/
Der Gruß des Mordes gewisse Losung,/
Und das Geschlecht des alten Tantalus/
Hat seine Freuden jenseits der Nacht./
Ihr ruft: Willkommen! und nehmt mich auf!/
O führt zum Alten, zum Ahnherrn mich!/
Wo ist der Alte? daß ich ihn sehe,/
Das teure Haupt, das vielverehrte,/
Das mit den Göttern zu Rate saß./
Ihr scheint zu zaudern, euch wegzuwenden?/
Was ist es? Leidet der Göttergleiche?/
Weh mir! es haben die Übermächt'gen/
Der Heldenbrust grausame Qualen/
Mit ehrnen Ketten fest aufgeschmiedet.</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>DRITTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Orest</osoba>. <osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Pylades</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Seid ihr auch schon herabgekommen?/
Wohl Schwester dir! Noch fehlt Elektra:/
Ein güt'ger Gott send' uns die Eine/
Mit sanften Pfeilen auch schnell herab./
Dich, armer Freund, muß ich bedauern!/
Komm mit! komm mit! zu Plutos Thron,/
Als neue Gäste den Wirt zu grüßen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Geschwister, die ihr an dem weiten Himmel/
Das schöne Licht bei Tag und Nacht herauf/
Den Menschen bringet, und den Abgeschiednen/
Nicht leuchten dürfet, rettet uns Geschwister!/
Du liebst, Diane, deinen holden Bruder/
Vor allem, was dir Erd und Himmel bietet,/
Und wendest dein jungfräulich Angesicht/
Nach seinem ew'gen Lichte sehnend still./
O laß den einz'gen Spätgefundnen mir/
Nicht in der Finsternis des Wahnsinns rasen!/
Und ist dein Wille, da du hier mich bargst,/
Nunmehr vollendet, willst du mir durch ihn/
Und ihm durch mich die sel'ge Hülfe geben;/
So lös ihn von den Banden jenes Fluchs,/
Daß nicht die teure Zeit der Rettung schwinde.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Erkennst du uns und diesen heil'gen Hain/
Und dieses Licht, das nicht den Toten leuchtet?/
Fühlst du den Arm des Freundes und der Schwester,/
Die dich noch fest, noch lebend halten? Faß/
Uns kräftig an; wir sind nicht leere Schatten./
Merk auf mein Wort! Vernimm es! Raffe dich/
Zusammen! Jeder Augenblick ist teuer,/
Und unsre Rückkehr hängt an zarten Fäden,/
Die, scheint es, eine günst'ge Parce spinnt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba> 
<didaskalia>zu <osoba>Iphigenien</osoba>.</didaskalia>



<kwestia><strofa>Laß mich zum erstenmal mit freiem Herzen/
In deinen Armen reine Freude haben!/
Ihr Götter, die mit flammender Gewalt/
Ihr schwere Wolken aufzuzehren wandelt,/
Und gnädig-ernst den lang erflehten Regen/
Mit Donnerstimmen und mit Windesbrausen/
In wilden Strömen auf die Erde schüttet,/
Doch bald der Menschen grausendes Erwarten/
In Segen auflöst und das bange Staunen/
In Freudeblick und lauten Dank verwandelt,/
Wenn in den Tropfen frischerquickter Blätter/
Die neue Sonne tausendfach sich spiegelt,/
Und Iris freundlich bunt mit leichter Hand/
Den grauen Flor der letzten Wolken trennt;/
O laßt mich auch in meiner Schwester Armen,/
An meines Freundes Brust, was ihr mir gönnt/
Mit vollem Dank genießen und behalten./
Es löset sich der Fluch, mir sagt's das Herz./
Die Eumeniden ziehn, ich höre sie,/
Zum Tartarus und schlagen hinter sich/
Die ehrnen Tore fernabdonnernd zu./
Die Erde dampft erquickenden Geruch/
Und ladet mich auf ihren Flächen ein,/
Nach Lebensfreud und großer Tat zu jagen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Versäumt die Zeit nicht, die gemessen ist!/
Der Wind der unsre Segel schwellt, er bringe/
Erst unsre volle Freude zum Olymp./
Kommt! Es bedarf hier schnellen Rat und Schluß.</strofa></kwestia>



<naglowek_akt>VIERTER AUFZUG</naglowek_akt>





<naglowek_scena>ERSTER AUFTRITT</naglowek_scena>

<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Denken die Himmlischen/
Einem der Erdgebornen/
Viele Verwirrungen zu,/
Und bereiten sie ihm/
Von der Freude zu Schmerzen/
Und von Schmerzen zur Freude/
Tief-erschütternden Übergang;/
Dann erziehen sie ihm/
In der Nähe der Stadt,/
Oder am fernen Gestade,/
Daß in Stunden der Not/
Auch die Hülfe bereit sei,/
Einen ruhigen Freund./
O segnet, Götter, unsern Pylades/
Und was er immer unternehmen mag!/
Er ist der Arm des Jünglings in der Schlacht,/
Des Greises leuchtend Aug in der Versammlung:/
Denn seine Seel ist stille; sie bewahrt/
Der Ruhe heil'ges unerschöpftes Gut,/
Und den Umhergetriebnen reichet er/
Aus ihren Tiefen Rat und Hülfe. Mich/
Riß er vom Bruder los; den staunt ich an/
Und immer wieder an, und konnte mir/
Das Glück nicht eigen machen, ließ ihn nicht/
Aus meinen Armen los, und fühlte nicht/
Die Nähe der Gefahr die uns umgibt./
Jetzt gehn sie ihren Anschlag auszuführen/
Der See zu, wo das Schiff mit den Gefährten/
In einer Bucht versteckt aufs Zeichen lauert,/
Und haben kluges Wort mir in den Mund/
Gegeben, mich gelehrt was ich dem König/
Antworte, wenn er sendet und das Opfer/
Mir dringender gebietet. Ach! ich sehe wohl,/
Ich muß mich leiten lassen wie ein Kind./
Ich habe nicht gelernt zu hinterhalten/
Noch jemand etwas abzulisten. Weh!/
O weh der Lüge! Sie befreiet nicht,/
Wie jedes andre wahrgesprochne Wort,/
Die Brust; sie macht uns nicht getrost, sie ängstet/
Den, der sie heimlich schmiedet, und sie kehrt,/
Ein losgedruckter Pfeil, von einem Gotte/
Gewendet und versagend, sich zurück/
Und trifft den Schützen. Sorg auf Sorge schwankt/
Mir durch die Brust. Es greift die Furie/
Vielleicht den Bruder auf dem Boden wieder/
Des ungeweihten Ufers grimmig an./
Entdeckt man sie vielleicht? Mich dünkt, ich höre/
Gewaffnete sich nahen! --- Hier! --- Der Bote/
Kommt von dem Könige mit schnellem Schritt,/
Es schlägt mein Herz, es trübt sich meine Seele,/
Da ich des Mannes Angesicht erblicke,/
Dem ich mit falschem Wort begegnen soll.</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>ZWEITER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Arkas</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Beschleunige das Opfer, Priesterin!/
Der König wartet und es harrt das Volk.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich folgte meiner Pflicht und deinem Wink,/
Wenn unvermutet nicht ein Hindernis/
Sich zwischen mich und die Erfüllung stellte.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Was ist's, das den Befehl des Königs hindert?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Der Zufall, dessen wir nicht Meister sind.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
So sage mir's, daß ich's ihm schnell vermelde:/
Denn er beschloß bei sich der beiden Tod.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Die Götter haben ihn noch nicht beschlossen./
Der ält'ste dieser Männer trägt die Schuld/
Des nahverwandten Bluts, das er vergoß./
Die Furien verfolgen seinen Pfad,/
Ja in dem innern Tempel faßte selbst/
Das Übel ihn, und seine Gegenwart/
Entheiligte die reine Stätte. Nun/
Eil ich mit meinen Jungfraun, an dem Meere/
Der Göttin Bild mit frischer Welle netzend,/
Geheimnisvolle Weihe zu begehn./
Es störe niemand unsern stillen Zug!</strofa></kwestia>

<kwestia><strofa></strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich melde dieses neue Hindernis/
Dem Könige geschwind; beginne du/
Das heil'ge Werk nicht eh bis er's erlaubt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Dies ist allein der Priestrin überlassen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Solch seltnen Fall soll auch der König wissen.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Sein Rat wie sein Befehl verändert nichts.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Oft wird der Mächtige zum Schein gefragt.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Erdringe nicht, was ich versagen sollte.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Versage nicht, was gut und nützlich ist.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Ich gebe nach, wenn du nicht säumen willst.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Schnell bin ich mit der Nachricht in dem Lager,/
Und schnell mit seinen Worten hier zurück./
O könnt ich ihm noch eine Botschaft bringen,/
Die alles löste, was uns jetzt verwirrt:/
Denn du hast nicht des Treuen Rat geachtet.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Was ich vermochte, hab ich gern getan.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Noch änderst du den Sinn zur rechten Zeit.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Das steht nun einmal nicht in unsrer Macht.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Du hältst unmöglich, was dir Mühe kostet.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Dir scheint es möglich, weil der Wunsch dich trügt.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Willst du denn alles so gelassen wagen?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich hab es in der Götter Hand gelegt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sie pflegen Menschen menschlich zu erretten.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Auf ihren Fingerzeig kommt alles an.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich sage dir, es liegt in deiner Hand./
Des Königs aufgebrachter Sinn allein/
Bereitet diesen Fremden bittern Tod./
Das Heer entwöhnte längst vom harten Opfer/
Und von dem blut'gen Dienste sein Gemüt./
Ja, mancher, den ein widriges Geschick/
An fremdes Ufer trug, empfand es selbst,/
Wie göttergleich dem armen Irrenden,/
Umhergetrieben an der fremden Gränze,/
Ein freundlich Menschenangesicht begegnet./
O wende nicht von uns was du vermagst!/
Du endest leicht was du begonnen hast:/
Denn nirgends baut die Milde, die herab/
In menschlicher Gestalt vom Himmel kommt,/
Ein Reich sich schneller, als wo trüb und wild/
Ein neues Volk, voll Leben, Muth und Kraft,/
Sich selbst und banger Ahnung überlassen,/
Des Menschenlebens schwere Bürden trägt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Erschüttre meine Seele nicht, die du/
Nach deinem Willen nicht bewegen kannst.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
So lang es Zeit ist, schont man weder Mühe/
Noch eines guten Wortes Wiederholung.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Du machst dir Müh und mir erregst du Schmerzen:/
Vergebens beides: darum laß mich nun.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Die Schmerzen sind's, die ich zu Hülfe rufe:/
Denn es sind Freunde, Gutes raten sie.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sie fassen meine Seele mit Gewalt,/
Doch tilgen sie den Widerwillen nicht.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Fühlt eine schöne Seele Widerwillen/
Für eine Wohltat, die der Edle reicht?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Ja, wenn der Edle, was sich nicht geziemt,/
Statt meines Dankes mich erwerben will.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Wer keine Neigung fühlt, dem mangelt es/
An einem Worte der Entschuld'gung nie./
Dem Fürsten sag ich an, was hier geschehn./
O wiederholtest du in deiner Seele,/
Wie edel er sich gegen dich betrug/
Von deiner Ankunft an bis diesen Tag!</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>DRITTER AUFTRITT</naglowek_scena>

<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba> 
<didaskalia>allein.</didaskalia>




<kwestia><strofa>Von dieses Mannes Rede fühl ich mir/
Zur ungelegnen Zeit das Herz im Busen/
Auf einmal umgewendet. Ich erschrecke! ---/
Denn wie die Flut mit schnellen Strömen wachsend/
Die Felsen überspült, die in dem Sand/
Am Ufer liegen: so bedeckte ganz/
Ein Freudenstrom mein Innerstes. Ich hielt/
In meinen Armen das Unmögliche./
Es schien sich eine Wolke wieder sanft/
Um mich zu legen, von der Erde mich/
Empor zu heben und in jenen Schlummer/
Mich einzuwiegen, den die gute Göttin/
Um meine Schläfe legte, da ihr Arm/
Mich rettend faßte. --- Meinen Bruder/
Ergriff das Herz mit einziger Gewalt:/
Ich horchte nur auf seines Freundes Rat;/
Nur sie zu retten drang die Seele vorwärts./
Und wie den Klippen einer wüsten Insel/
Der Schiffer gern den Rücken wendet: so/
Lag Tauris hinter mir. Nun hat die Stimme/
Des treuen Manns mich wieder aufgeweckt,/
Daß ich auch Menschen hier verlasse, mich/
Erinnert. Doppelt wird mir der Betrug/
Verhaßt. O bleibe ruhig, meine Seele!/
Beginnst du nun zu schwanken und zu zweifeln?/
Den festen Boden deiner Einsamkeit/
Mußt du verlassen! Wieder eingeschifft/
Ergreifen dich die Wellen schaukelnd, trüb/
Und bang verkennest du die Welt und dich.</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>VIERTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Pylades</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Wo ist sie? daß ich ihr mit schnellen Worten/
Die frohe Botschaft unsrer Rettung bringe!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Du siehst mich hier voll Sorgen und Erwartung/
Des sichern Trostes, den du mir versprichst.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Dein Bruder ist geheilt! Den Felsenboden/
Des ungeweihten Ufers und den Sand/
Betraten wir mit fröhlichen Gesprächen;/
Der Hain blieb hinter uns, wir merkten's nicht./
Und herrlicher und immer herrlicher/
Umloderte der Jugend schöne Flamme/
Sein lockig Haupt; sein volles Auge glühte/
Von Mut und Hoffnung, und sein freies Herz/
Ergab sich ganz der Freude, ganz der Lust,/
Dich, seine Retterin, und mich zu retten.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Gesegnet seist du, und es möge nie/
Von deiner Lippe, die so Gutes sprach,/
Der Ton des Leidens und der Klage tönen!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich bringe mehr als das; denn schön begleitet,/
Gleich einem Fürsten, pflegt das Glück zu nahn./
Auch die Gefährten haben wir gefunden./
In einer Felsenbucht verbargen sie/
Das Schiff und saßen traurig und erwartend./
Sie sahen deinen Bruder, und es regten/
Sich alle jauchzend, und sie baten dringend/
Der Abfahrt Stunde zu beschleunigen./
Es sehnet jede Faust sich nach dem Ruder,/
Und selbst ein Wind erhob vom Lande lispelnd,/
Von allen gleich bemerkt, die holden Schwingen./
Drum laß uns eilen, führe mich zum Tempel,/
Laß mich das Heiligtum betreten, laß/
Mich unsrer Wünsche Ziel verehrend fassen./
Ich bin allein genug, der Göttin Bild/
Auf wohl geübten Schultern wegzutragen;/
Wie sehn ich mich nach der erwünschten Last!/

<didask_tekst>Er geht gegen den Tempel unter den letzten Worten, ohne zu bemerken, daß <osoba>Iphigenie</osoba> nicht folgt; endlich kehrt er sich um.</didask_tekst>/

Du stehst und zauderst --- Sage mir --- Du schweigst!/
Du scheinst verworren! Widersetzet sich/
Ein neues Unheil unserm Glück? Sag an!/
Hast du dem Könige das kluge Wort/
Vermelden lassen, das wir abgeredet?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich habe, teurer Mann; doch wirst du schelten./
Ein schweigender Verweis war mir dein Anblick./
Des Königs Bote kam, und wie du es/
Mir in den Mund gelegt, so sagt ich's ihm./
Er schien zu staunen, und verlangte dringend/
Die seltne Feier erst dem Könige/
Zu melden, seinen Willen zu vernehmen;/
Und nun erwart ich seine Wiederkehr.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Weh uns! Erneuert schwebt nun die Gefahr/
Um unsre Schläfe! Warum hast du nicht/
Ins Priesterrecht dich weislich eingehüllt?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Als eine Hülle hab ich's nie gebraucht.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So wirst du, reine Seele, dich und uns/
Zu Grunde richten. Warum dacht ich nicht/
Auf diesen Fall voraus, und lehrte dich/
Auch dieser Fordrung auszuweichen!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Schilt</wers_cd>/
Nur mich, die Schuld ist mein, ich fühl es wohl;/
Doch konnt ich anders nicht dem Mann begegnen,/
Der mit Vernunft und Ernst von mir verlangte,/
Was ihm mein Herz als Recht gestehen mußte.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Gefährlicher zieht sich's zusammen; doch auch so/
Laß uns nicht zagen, oder unbesonnen/
Und übereilt uns selbst verraten. Ruhig/
Erwarte du die Wiederkunft des Boten,/
Und dann steh fest, er bringe was er will:/
Denn solcher Weihung Feier anzuordnen/
Gehört der Priesterin und nicht dem König./
Und fordert er den fremden Mann zu sehn,/
Der von dem Wahnsinn schwer belastet ist;/
So lehn es ab, als hieltest du uns beide/
Im Tempel wohl verwahrt. So schaff uns Luft,/
Daß wir aufs eiligste, den heil'gen Schatz/
Dem rauh unwürd'gen Volk entwendend, fliehn./
Die besten Zeichen sendet uns Apoll,/
Und, eh wir die Bedingung fromm erfüllen,/
Erfüllt er göttlich sein Versprechen schon./
Orest ist frei, geheilt! --- Mit dem Befreiten/
O führet uns hinüber, günst'ge Winde,/
Zur Felsen-Insel die der Gott bewohnt;/
Dann nach Mycen, daß es lebendig werde,/
Daß von der Asche des verloschnen Herdes/
Die Vatergötter fröhlich sich erheben,/
Und schönes Feuer ihre Wohnungen/
Umleuchte! Deine Hand soll ihnen Weihrauch/
Zuerst aus goldnen Schalen streuen. Du/
Bringst über jene Schwelle Heil und Leben wieder,/
Entsühnst den Fluch und schmückest neu die Deinen/
Mit frischen Lebensblüten herrlich aus.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Vernehm ich dich, so wendet sich, o Teurer,/
Wie sich die Blume nach der Sonne wendet,/
Die Seele, von dem Strahle deiner Worte/
Getroffen, sich dem süßen Troste nach./
Wie köstlich ist des gegenwärt'gen Freundes/
Gewisse Rede, deren Himmelskraft/
Ein Einsamer entbehrt und still versinkt./
Denn langsam reift, verschlossen in dem Busen,/
Gedank ihm und Entschluß; die Gegenwart/
Des Liebenden entwickelte sie leicht.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Leb wohl! Die Freunde will ich nun geschwind/
Beruhigen, die sehnlich wartend harren./
Dann komm ich schnell zurück und lausche hier/
Im Felsenbusch versteckt auf deinen Wink ---/
Was sinnest du? Auf einmal überschwebt/
Ein stiller Trauerzug die freie Stirne.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Verzeih! Wie leichte Wolken vor der Sonne,/
So zieht mir vor der Seele leichte Sorge/
Und Bangigkeit vorüber.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Fürchte nicht!</wers_cd>/
Betrüglich schloß die Furcht mit der Gefahr/
Ein enges Bündnis; beide sind Gesellen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Die Sorge nenn ich edel, die mich warnt,/
Den König, der mein zweiter Vater ward,/
Nicht tückisch zu betrügen, zu berauben.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Der deinen Bruder schlachtet, dem entfliehst du.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Es ist derselbe, der mir Gutes tat.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Das ist nicht Undank, was die Not gebeut.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Es bleibt wohl Undank; nur die Not entschuldigt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Vor Göttern und vor Menschen dich gewiß.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Allein mein eigen Herz ist nicht befriedigt.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Zu strenge Fordrung ist verborgner Stolz.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Ich untersuche nicht, ich fühle nur.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Fühlst du dich recht, so mußt du dich verehren.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Ganz unbefleckt genießt sich nur das Herz.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So hast du dich im Tempel wohl bewahrt;/
Das Leben lehrt uns, weniger mit uns/
Und andern strenge sein; du lernst es auch./
So wunderbar ist dies Geschlecht gebildet,/
So vielfach ist's verschlungen und verknüpft,/
Daß keiner in sich selbst, noch mit den andern/
Sich rein und unverworren halten kann./
Auch sind wir nicht bestellt uns selbst zu richten;/
Zu wandeln und auf seinen Weg zu sehen/
Ist eines Menschen erste, nächste Pflicht:/
Denn selten schätzt er recht was er getan,/
Und was er tut weiß er fast nie zu schätzen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Fast überredst du mich zu deiner Meinung.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Braucht's Überredung, wo die Wahl versagt ist?/
Den Bruder, dich, und einen Freund zu retten/
Ist nur Ein Weg; fragt sich's ob wir ihn gehen?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>O laß mich zaudern! denn du tätest selbst/
Ein solches Unrecht keinem Mann gelassen,/
Dem du für Wohltat dich verpflichtet hieltest.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Wenn wir zu Grunde gehen, wartet dein/
Ein härtrer Vorwurf, der Verzweiflung trägt./
Man sieht, du bist nicht an Verlust gewohnt,/
Da du dem großen Übel zu entgehen/
Ein falsches Wort nicht einmal opfern willst.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>O trüg ich doch ein männlich Herz in mir!/
Das, wenn es einen kühnen Vorsatz hegt,/
Vor jeder andern Stimme sich verschließt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Du weigerst dich umsonst; die ehrne Hand/
Der Not gebietet, und ihr ernster Wink/
Ist oberstes Gesetz, dem Götter selbst/
Sich unterwerfen müssen. Schweigend herrscht/
Des ew'gen Schicksals unberatne Schwester./
Was sie dir auferlegt, das trage: tu/
Was sie gebeut. Das Andre weißt du. Bald/
Komm ich zurück, aus deiner heil'gen Hand/
Der Rettung schönes Siegel zu empfangen.</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>FÜNFTER AUFTRITT</naglowek_scena>

<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba> 
<didaskalia>allein.</didaskalia>



<kwestia><strofa>Ich muß ihm folgen: denn die Meinigen/
Seh ich in dringender Gefahr. Doch ach!/
Mein eigen Schicksal macht mir bang und bänger./
O soll ich nicht die stille Hoffnung retten,/
Die in der Einsamkeit ich schön genährt?/
Soll dieser Fluch denn ewig walten? Soll/
Nie dies Geschlecht mit einem neuen Segen/
Sich wieder heben? --- Nimmt doch alles ab!/
Das beste Glück, des Lebens schönste Kraft/
Ermattet endlich, warum nicht der Fluch?/
So hofft ich denn vergebens, hier verwahrt,/
Von meines Hauses Schicksal abgeschieden,/
Dereinst mit reiner Hand und reinem Herzen/
Die schwer befleckte Wohnung zu entsühnen!/
Kaum wird in meinen Armen mir ein Bruder/
Vom grimm'gen Übel wundervoll und schnell/
Geheilt, kaum naht ein lang erflehtes Schiff,/
Mich in den Port der Vaterwelt zu leiten,/
So legt die taube Not ein doppelt Laster/
Mit ehrner Hand mir auf: das heilige/
Mir anvertraute, viel verehrte Bild/
Zu rauben und den Mann zu hintergehn,/
Dem ich mein Leben und mein Schicksal danke./
O daß in meinem Busen nicht zuletzt/
Ein Widerwille keime! der Titanen/
Der alten Götter tiefer Haß auf euch,/
Olympier, nicht auch die zarte Brust/
Mit Geierklauen fasse! Rettet mich/
Und rettet euer Bild in meiner Seele!</strofa>

<strofa><wers_cd>Vor meinen Ohren tönt das alte Lied ---</wers_cd>/ 
Vergessen hatt ich's und vergaß es gern --- /
Das Lied der Parzen, das sie grausend sangen,/
Als Tantalus vom goldnen Stuhle fiel:/
Sie litten mit dem edeln Freunde; grimmig/
War ihre Brust, und furchtbar ihr Gesang./
In unsrer Jugend sang's die Amme mir/
Und den Geschwistern vor, ich merkt es wohl.</strofa>

<strofa><wers_cd>Es fürchte die Götter</wers_cd>/
Das Menschengeschlecht!/
Sie halten die Herrschaft/
In ewigen Händen,/
Und können sie brauchen/
Wie's ihnen gefällt.
</strofa>

<strofa><wers_cd>Der fürchte sie doppelt,</wers_cd>/
Den je sie erheben!/
Auf Klippen und Wolken/
Sind Stühle bereitet/
Um goldene Tische.
</strofa>

<strofa><wers_cd>Erhebet ein Zwist sich:</wers_cd>/
So stürzen die Gäste/
Geschmäht und geschändet/
In nächtliche Tiefen,/
Und harren vergebens,/
Im Finstern gebunden,/
Gerechten Gerichtes.
</strofa>

<strofa><wers_cd>Sie aber, sie bleiben</wers_cd>/
In ewigen Festen/
An goldenen Tischen./
Sie schreiten vom Berge/
Zu Bergen hinüber:/
Aus Schlünden der Tiefe/
Dampft ihnen der Atem/
Erstickter Titanen,/
Gleich Opfergerüchen,/
Ein leichtes Gewölke.</strofa>

<strofa><wers_cd>Es wenden die Herrscher</wers_cd>/
Ihr segnendes Auge/
Von ganzen Geschlechtern,/
Und meiden, im Enkel/
Die ehmals geliebten/
Still redenden Züge/
Des Ahnherrn zu sehn.
</strofa>

<strofa><wers_cd>So sangen die Parzen;</wers_cd>/
Es horcht der Verbannte/
In nächtlichen Höhlen/
Der Alte die Lieder,/
Denkt Kinder und Enkel/
Und schüttelt das Haupt.
</strofa></kwestia>



<naglowek_akt>FÜNFTER AUFZUG</naglowek_akt>





<naglowek_scena>ERSTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Thoas</osoba>. <osoba>Arkas</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Verwirrt muß ich gestehn, daß ich nicht weiß,/
Wohin ich meinen Argwohn richten soll./
Sind's die Gefangnen, die auf ihre Flucht/
Verstohlen sinnen? Ist's die Priesterin,/
Die ihnen hilft? Es mehrt sich das Gerücht:/
Das Schiff, das diese beiden hergebracht,/
Sei irgend noch in einer Bucht versteckt./
Und jenes Mannes Wahnsinn, diese Weihe,/
Der heil'ge Vorwand dieser Zögrung, rufen/
Den Argwohn lauter und die Vorsicht auf.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Es komme schnell die Priesterin herbei!/
Dann geht, durchsucht das Ufer scharf und schnell/
Vom Vorgebirge bis zum Hain der Göttin./
Verschonet seine heil'gen Tiefen, legt/
Bedächt'gen Hinterhalt und greift sie an;/
Wo ihr sie findet, faßt sie wie ihr pflegt.
</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>ZWEITER AUFTRITT</naglowek_scena>

<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>
<didaskalia>allein.</didaskalia>




<kwestia><strofa>Entsetzlich wechselt mir der Grimm im Busen;/
Erst gegen sie, die ich so heilig hielt;/
Dann gegen mich, der ich sie zum Verrat/
Durch Nachsicht und durch Güte bildete./
Zur Sklaverei gewöhnt der Mensch sich gut/
Und lernet leicht gehorchen, wenn man ihn/
Der Freiheit ganz beraubt. Ja, wäre sie/
In meiner Ahnherrn rohe Hand gefallen,/
Und hätte sie der heil'ge Grimm verschont:/
Sie wäre froh gewesen, sich allein/
Zu retten, hätte dankbar ihr Geschick/
Erkannt und fremdes Blut vor dem Altar/
Vergossen, hätte Pflicht genannt/
Was Not war. Nun lockt meine Güte/
In ihrer Brust verwegnen Wunsch herauf./
Vergebens hofft ich, sie mir zu verbinden;/
Sie sinnt sich nun ein eigen Schicksal aus./
Durch Schmeichelei gewann sie mir das Herz:/
Nun widersteh ich der; so sucht sie sich/
Den Weg durch List und Trug, und meine Güte/
Scheint ihr ein alt verjährtes Eigentum.</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>DRITTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Thoas</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Du forderst mich! was bringt dich zu uns her?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Du schiebst das Opfer auf; sag an, warum?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich hab an Arkas alles klar erzählt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Von dir möcht ich es weiter noch vernehmen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Die Göttin gibt dir Frist zur Überlegung.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sie scheint dir selbst gelegen, diese Frist.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Wenn dir das Herz zum grausamen Entschluß/
Verhärtet ist: so solltest du nicht kommen!/
Ein König, der Unmenschliches verlangt,/
Findt Diener g'nug, die gegen Gnad und Lohn/
Den halben Fluch der Tat begierig fassen;/
Doch seine Gegenwart bleibt unbefleckt./
Er sinnt den Tod in einer schweren Wolke,/
Und seine Boten bringen flammendes/
Verderben auf des Armen Haupt hinab;/
Er aber schwebt durch seine Höhen ruhig,/
Ein unerreichter Gott, im Sturme fort.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Die heil'ge Lippe tönt ein wildes Lied.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Nicht Priesterin! nur Agamemnons Tochter./
Der Unbekannten Wort verehrtest du;/
Der Fürstin willst du rasch gebieten? Nein!/
Von Jugend auf hab ich gelernt gehorchen,/
Erst meinen Eltern und dann einer Gottheit,/
Und folgsam fühlt ich immer meine Seele/
Am schönsten frei; allein dem harten Worte,/
Dem rauhen Ausspruch eines Mannes mich/
Zu fügen, lernt ich weder dort noch hier.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Ein alt Gesetz, nicht ich, gebietet dir.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Wir fassen ein Gesetz begierig an,/
Das unsrer Leidenschaft zur Waffe dient./
Ein andres spricht zu mir, ein älteres,/
Mich dir zu widersetzen, das Gebot,/
Dem jeder Fremde heilig ist.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Es scheinen die Gefangnen dir sehr nah/
Am Herzen: denn vor Anteil und Bewegung/
Vergissest du der Klugheit erstes Wort,/
Daß man den Mächtigen nicht reizen soll.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Red oder schweig ich, immer kannst du wissen,/
Was mir im Herzen ist und immer bleibt./
Löst die Erinnerung des gleichen Schicksals/
Nicht ein verschlossnes Herz zum Mitleid auf?/
Wie mehr denn meins! In ihnen seh ich mich./
Ich habe vorm Altare selbst gezittert,/
Und feierlich umgab der frühe Tod/
Die Knieende; das Messer zuckte schon,/
Den lebenvollen Busen zu durchbohren;/
Mein Innerstes entsetzte wirbelnd sich,/
Mein Auge brach, und --- ich fand mich gerettet./
Sind wir, was Götter gnädig uns gewährt,/
Unglücklichen nicht zu erstatten schuldig?/
Du weißt es, kennst mich, und du willst mich zwingen!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Gehorche deinem Dienste, nicht dem Herrn.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Laß ab! Beschönige nicht die Gewalt,/
Die sich der Schwachheit eines Weibes freut./
Ich bin so frei geboren als ein Mann./
Stünd Agamemnons Sohn dir gegenüber,/
Und du verlangtest was sich nicht gebührt:/
So hat auch Er ein Schwert und einen Arm,/
Die Rechte seines Busens zu verteid'gen./
Ich habe nichts als Worte, und es ziemt/
Dem edeln Mann, der Frauen Wort zu achten.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich acht es mehr als eines Bruders Schwert.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Das Los der Waffen wechselt hin und her:/
Kein kluger Streiter hält den Feind gering./
Auch ohne Hülfe gegen Trutz und Härte/
Hat die Natur den Schwachen nicht gelassen./
Sie gab zur List ihm Freude, lehrt ihn Künste;/
Bald weicht er aus, verspätet und umgeht./
Ja, der Gewaltige verdient, daß man sie übt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Die Vorsicht stellt der List sich klug entgegen.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Und eine reine Seele braucht sie nicht.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Sprich unbehutsam nicht dein eigen Urteil.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>O sähest du wie meine Seele kämpft,/
Ein bös Geschick, das sie ergreifen will,/
Im ersten Anfall mutig abzutreiben!/
So steh ich denn hier wehrlos gegen dich?/
Die schöne Bitte, den anmuth'gen Zweig,/
In einer Frauen Hand gewaltiger/
Als Schwert und Waffe, stößest du zurück:/
Was bleibt mir nun, mein Innres zu verteid'gen?/
Ruf ich die Göttin um ein Wunder an?/
Ist keine Kraft in meiner Seele Tiefen?</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Es scheint, der beiden Fremden Schicksal macht/
Unmäßig dich besorgt. Wer sind sie? sprich,/
Für die dein Geist gewaltig sich erhebt?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Sie sind --- sie scheinen --- für Griechen halt ich sie.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Landsleute sind es? und sie haben wohl/
Der Rückkehr schönes Bild in dir erneut?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba> 
<didaskalia>nach einigem Stillschweigen.</didaskalia>



<kwestia><strofa>Hat denn zur unerhörten Tat der Mann/
Allein das Recht? Drückt denn Unmögliches/
Nur Er an die gewalt'ge Heldenbrust?/
Was nennt man groß? Was hebt die Seele schaudernd/
Dem immer wiederholenden Erzähler?/
Als was mit unwahrscheinlichem Erfolg/
Der Mutigste begann. Der in der Nacht/
Allein das Heer des Feindes überschleicht,/
Wie unversehen eine Flamme wütend/
Die Schlafenden, Erwachenden ergreift,/
Zuletzt gedrängt von den Ermunterten/
Auf Feindes Pferden, doch mit Beute kehrt,/
Wird der allein gepriesen? der allein,/
Der, einen sichern Weg verachtend, kühn/
Gebirg und Wälder durchzustreifen geht,/
Daß er von Räubern eine Gegend säubre?/
Ist uns nichts übrig? Muß ein zartes Weib/
Sich ihres angebornen Rechts entäußern,/
Wild gegen Wilde sein, wie Amazonen/
Das Recht des Schwerts euch rauben und mit Blute/
Die Unterdrückung rächen? Auf und ab/
Steigt in der Brust ein kühnes Unternehmen:/
Ich werde großem Vorwurf nicht entgehn,/
Noch schwerem Übel wenn es mir mißlingt;/
Allein Euch leg ich's auf die Kniee! Wenn/
Ihr wahrhaft seid, wie ihr gepriesen werdet;/
So zeigt's durch euern Beistand und verherrlicht/
Durch mich die Wahrheit! --- Ja, vernimm, o König,/
Es wird ein heimlicher Betrug geschmiedet;/
Vergebens fragst du den Gefangnen nach;/
Sie sind hinweg und suchen ihre Freunde,/
Die mit dem Schiff am Ufer warten, auf./
Der ält'ste, den das Übel hier ergriffen/
Und nun verlassen hat --- es ist Orest,/
Mein Bruder, und der andre sein Vertrauter,/
Sein Jugendfreund, mit Namen Pylades./
Apoll schickt sie von Delphi diesem Ufer/
Mit göttlichen Befehlen zu, das Bild/
Dianens wegzurauben und zu ihm/
Die Schwester hinzubringen, und dafür/
Verspricht er dem von Furien Verfolgten,/
Des Mutterblutes Schuldigen, Befreiung./
Uns beide hab ich nun, die Überbliebnen/
Von Tantals Haus, in deine Hand gelegt:/
Verdirb uns --- wenn du darfst.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
<wers_cd>Du glaubst, es höre</wers_cd>/
Der rohe Scythe, der Barbar, die Stimme/
Der Wahrheit und der Menschlichkeit, die Atreus,/
Der Grieche, nicht vernahm?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Es hört sie jeder,</wers_cd>/
Geboren unter jedem Himmel, dem/
Des Lebens Quelle durch den Busen rein/
Und ungehindert fließt. --- Was sinnst du mir,/
O König, schweigend in der tiefen Seele?/
Ist es Verderben? so töte mich zuerst!/
Denn nun empfind ich, da uns keine Rettung/
Mehr übrig bleibt, die gräßliche Gefahr,/
Worein ich die Geliebten übereilt/
Vorsetzlich stürzte. Weh! ich werde sie/
Gebunden vor mir sehn! Mit welchen Blicken/
Kann ich von meinem Bruder Abschied nehmen,/
Den ich ermorde? Nimmer kann ich ihm/
Mehr in die vielgeliebten Augen schaun!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>So haben die Betrüger künstlich-dichtend/
Der lang Verschlossnen, ihre Wünsche leicht/
Und willig Glaubenden, ein solch Gespinnst/
Ums Haupt geworfen!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Nein! o König, nein!</wers_cd>/
Ich könnte hintergangen werden; diese/
Sind treu und wahr. Wirst du sie anders finden,/
So laß sie fallen und verstoße mich,/
Verbanne mich zur Strafe meiner Torheit/
An einer Klippen-Insel traurig Ufer./
Ist aber dieser Mann der lang erflehte,/
Geliebte Bruder: so entlaß uns, sei/
Auch den Geschwistern wie der Schwester freundlich!/
Mein Vater fiel durch seiner Frauen Schuld,/
Und sie durch ihren Sohn. Die letzte Hoffnung/
Von Atreus Stamme ruht auf ihm allein./
Laß mich mit reinem Herzen, reiner Hand,/
Hinübergehn und unser Haus entsühnen./
Du hältst mir Wort! --- Wenn zu den Meinen je/
Mir Rückkehr zubereitet wäre, schwurst/
Du mich zu lassen; und sie ist es nun./
Ein König sagt nicht, wie gemeine Menschen,/
Verlegen zu, daß er den Bittenden/
Auf einen Augenblick entferne; noch/
Verspricht er auf den Fall, den er nicht hofft:/
Dann fühlt er erst die Höhe seiner Würde,/
Wenn er den Harrenden beglücken kann.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Unwillig, wie sich Feuer gegen Wasser/
Im Kampfe wehrt und gischend seinen Feind/
Zu Tilgen sucht, so wehret sich der Zorn/
In meinem Busen gegen deine Worte.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
O laß die Gnade, wie das heil'ge Licht/
Der stillen Opferflamme, mir, umkränzt/
Von Lobgesang und Dank und Freude, lodern.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Wie oft besänftigte mich diese Stimme!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
O reiche mir die Hand zum Friedenszeichen.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Du forderst viel in einer kurzen Zeit.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Um Guts zu thun braucht's keiner Überlegung.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Sehr viel! denn auch dem Guten folgt das Übel.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Der Zweifel ist's, der Gutes böse macht./
Bedenke nicht; gewähre, wie du's fühlst.
</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>VIERTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Orest</osoba> gewaffnet. Die Vorigen.</didaskalia>



<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba> 
<didaskalia>nach der Szene gekehrt.</didaskalia>



<kwestia><strofa>Verdoppelt eure Kräfte! Haltet sie/
Zurück! nur wenig Augenblicke! Weicht/
Der Menge nicht, und deckt den Weg zum Schiffe/
Mir und der Schwester./
<didask_tekst>Zu <osoba>Iphigenien</osoba> ohne den <osoba>König</osoba> zu sehen.</didask_tekst>/
Komm, wir sind verraten./
Geringer Raum bleibt uns zur Flucht. Geschwind!</strofa></kwestia>


<didaskalia>Er erblickt den <osoba>König</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba> 
<didaskalia>nach dem Schwerte greifend.</didaskalia>



<kwestia><strofa>
In meiner Gegenwart führt ungestraft/
Kein Mann das nackte Schwert.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Entheiliget</wers_cd>/
Der Göttin Wohnung nicht durch Wut und Mord./
Gebietet euerm Volke Stillstand, höret/
Die Priesterin, die Schwester.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
<wers_cd>Sage mir!</wers_cd>/
Wer ist es, der uns droht?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Verehr in ihm</wers_cd>/
Den König, der mein zweiter Vater ward!/
Verzeih mir, Bruder! doch mein kindlich Herz/
Hat unser ganz Geschick in seine Hand/
Gelegt. Gestanden hab ich euern Anschlag/
Und meine Seele vom Verrat gerettet.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Will er die Rückkehr friedlich uns gewähren?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Dein blinkend Schwert verbietet mir die Antwort.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba> 
<didaskalia>der das Schwert einsteckt.</didaskalia>



<kwestia><strofa>
So sprich! Du siehst, ich horche deinen Worten.
</strofa></kwestia>


<naglowek_scena>FÜNFTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia>Die Vorigen. <osoba>Pylades</osoba>. Bald nach ihm <osoba>Arkas</osoba>, beide mit bloßen Schwertern.</didaskalia>



<naglowek_osoba>PYLADES</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Verweilet nicht! Die letzte Kräfte raffen/
Die Unsrigen zusammen; weichend werden/
Sie nach der See langsam zurückgedrängt./
Welch ein Gespräch der Fürsten find ich hier!/
Dies ist des Königes verehrtes Haupt!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>ARKAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Gelassen, wie es dir, o König, ziemt,/
Stehst du den Feinden gegenüber. Gleich/
Ist die Verwegenheit bestraft; es weicht/
Und fällt ihr Anhang, und ihr Schiff ist unser./
Ein Wort von dir, so steht's in Flammen.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
<wers_cd>Geh!</wers_cd>/
Gebiete Stillstand meinem Volke! keiner/
Beschädige den Feind, so lang wir reden.
</strofa></kwestia>


<didaskalia><osoba>Arkas</osoba> ab.</didaskalia>



<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Ich nehm es an. Geh, sammle, treuer Freund,/
Den Rest des Volkes; harret still, welch Ende/
Die Götter unsern Taten zubereiten.</strofa></kwestia>


<didaskalia><osoba>Pylades</osoba> ab.</didaskalia>



<naglowek_scena>SECHSTER AUFTRITT</naglowek_scena>


<didaskalia><osoba>Iphigenie</osoba>. <osoba>Thoas</osoba>. <osoba>Orest</osoba>.</didaskalia>



<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Befreit von Sorge mich, eh ihr zu sprechen/
Beginnet. Ich befürchte bösen Zwist,/
Wenn du, o König, nicht der Billigkeit/
Gelinde Stimme hörest; du, mein Bruder,/
Der raschen Jugend nicht gebieten willst.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Ich halte meinen Zorn, wie es dem Ältern/
Geziemt, zurück. Antworte mir! Womit/
Bezeugst du, daß du Agamemnons Sohn/
Und Dieser Bruder bist?
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>Hier ist das Schwert,</wers_cd>/
Mit dem er Trojas tapfre Männer schlug./
Dies nahm ich seinem Mörder ab und bat/
Die Himmlischen, den Mut und Arm, das Glück/
Des großen Königes mir zu verleihn,/
Und einen schönern Tod mir zu gewähren./
Wähl einen aus den Edeln deines Heers/
Und stelle mir den Besten gegenüber./
So weit die Erde Heldensöhne nährt,/
Ist keinem Fremdling dies Gesuch verweigert.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Dies Vorrecht hat die alte Sitte nie/
Dem Fremden hier gestattet.
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa><wers_cd>So beginne</wers_cd>/
Die neue Sitte denn von dir und mir!/
Nachahmend heiliget ein ganzes Volk/
Die edle Tat der Herrscher zum Gesetz./
Und laß mich nicht allein für unsre Freiheit,/
Laß mich, den Fremden, für die Fremden kämpfen./
Fall ich, so ist ihr Urteil mit dem meinen/
Gesprochen; aber gönnet mir das Glück,/
Zu überwinden, so betrete nie/
Ein Mann dies Ufer, dem der schnelle Blick/
Hülfreicher Liebe nicht begegnet, und/
Getröstet scheide jeglicher hinweg!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Nicht unwert scheinest du, o Jüngling, mir/
Der Ahnherrn, deren du dich rühmst, zu sein./
Groß ist die Zahl der edeln, tapfern Männer,/
Die mich begleiten; doch ich stehe selbst/
In meinen Jahren noch dem Feinde, bin/
Bereit, mit dir der Waffen Los zu wagen.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>


<kwestia><strofa>Mit nichten! Dieses blutigen Beweises/
Bedarf es nicht, o König! Laßt die Hand/
Vom Schwerte! Denkt an mich und mein Geschick./
Der rasche Kampf verewigt einen Mann:/
Er falle gleich, so preiset ihn das Lied./
Allein die Tränen, die unendlichen/
Der überbliebnen, der verlassnen Frau/
Zählt keine Nachwelt, und der Dichter schweigt/
Von tausend durchgeweinten Tag-- und Nächten,/
Wo eine stille Seele den verlornen,/
Rasch abgeschiednen Freund vergebens sich/
Zurückzurufen bangt und sich verzehrt./
Mich selbst hat eine Sorge gleich gewarnt,/
Daß der Betrug nicht eines Räubers mich/
Vom sichern Schutzort reiße, mich der Knechtschaft/
Verrate. Fleißig hab ich sie befragt,/
Nach jedem Umstand mich erkundigt, Zeichen/
Gefordert, und gewiß ist nun mein Herz./
Sieh hier an seiner rechten Hand das Mahl/
Wie von drei Sternen, das am Tage schon,/
Da er geboren ward, sich zeigte, das/
Auf schwere Tat, mit dieser Faust zu üben,/
Der Priester deutete. Dann überzeugt/
Mich doppelt diese Schramme, die ihm hier/
Die Augenbraune spaltet. Als ein Kind/
Ließ ihn Elektra, rasch und unvorsichtig/
Nach ihrer Art, aus ihren Armen stürzen./
Er schlug auf einen Dreifuß auf --- Er ist's ---</strofa>





<strofa>
<wers_cd>Soll ich dir noch die Ähnlichkeit des Vaters,</wers_cd>/
Soll ich das innre Jauchzen meines Herzens/
Dir auch als Zeugen der Versichrung nennen?/
</strofa></kwestia>





<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Und hübe deine Rede jeden Zweifel/
Und bändigt' ich den Zorn in meiner Brust:/
So würden doch die Waffen zwischen uns/
Entscheiden müssen; Frieden seh ich nicht./
Sie sind gekommen, du bekennest selbst,/
Das heil'ge Bild der Göttin mir zu rauben./
Glaubt ihr, ich sehe dies gelassen an?/
Der Grieche wendet oft sein lüstern Auge/
Den fernen Schätzen der Barbaren zu,/
Dem goldnen Felle, Pferden, schönen Töchtern;/
Doch führte sie Gewalt und List nicht immer/
Mit den erlangten Gütern glücklich heim.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>OREST</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Das Bild, o König, soll uns nicht entzweien!/
Jetzt kennen wir den Irrtum, den ein Gott/
Wie einen Schleier um das Haupt uns legte,/
Da er den Weg hierher uns wandern hieß./
Um Rat und um Befreiung bat ich ihn/
Von dem Geleit der Furien; er sprach:/
,,Bringst du die Schwester, die an Tauris Ufer/
Im Heiligtume wider Willen bleibt,/
Nach Griechenland, so löset sich der Fluch./
Wir legten's von Apollens Schwester aus,/
Und er gedachte dich! Die strengen Bande/
Sind nun gelöst; du bist den Deinen wieder,/
Du Heilige, geschenkt. Von dir berührt,/
War ich geheilt; in deinen Armen faßte/
Das Übel mich mit allen seinen Klauen/
Zum letztenmal und schüttelte das Mark/
Entsetzlich mir zusammen; dann entfloh's/
Wie eine Schlange zu der Höhle. Neu/
Genieß ich nun durch dich das weite Licht/
Des Tages. Schön und herrlich zeigt sich mir/
Der Göttin Rat. Gleich einem heil'gen Bilde,/
Daran der Stadt unwandelbar Geschick/
Durch ein geheimes Götterwort gebannt ist,/
Nahm sie dich weg, dich Schützerin des Hauses;/
Bewahrte dich in einer heil'gen Stille/
Zum Segen deines Bruders und der Deinen./
Da alle Rettung auf der weiten Erde/
Verloren schien, gibst du uns alles wieder./
Laß deine Seele sich zum Frieden wenden,/
O König! Hindre nicht, daß sie die Weihe/
Des väterlichen Hauses nun vollbringe,/
Mich der entsühnten Halle wiedergebe,/
Mir auf das Haupt die alte Krone drücke!/
Vergilt den Segen, den sie dir gebracht,/
Und laß des nähern Rechtes mich genießen!/
Gewalt und List, der Männer höchster Ruhm,/
Wird durch die Wahrheit dieser hohen Seele/
Beschämt, und reines kindliches Vertrauen/
Zu einem edeln Manne wird belohnt.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Denk an dein Wort, und laß durch diese Rede/
Aus einem graden, treuen Munde dich/
Bewegen! Sieh uns an! Du hast nicht oft/
Zu solcher edeln Tat Gelegenheit./
Versagen kannst du's nicht; gewähr es bald!</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
So geht!
</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>IPHIGENIE</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>Nicht so, mein König! Ohne Segen,/
In Widerwillen scheid ich nicht von dir./
Verbann uns nicht! Ein freundlich Gastrecht walte/
Von dir zu uns: so sind wir nicht auf ewig/
Getrennt und abgeschieden. Wert und teuer,/
Wie mir mein Vater war, so bist du's mir,/
Und dieser Eindruck bleibt in meiner Seele./
Bringt der Geringste deines Volkes je/
Den Ton der Stimme mir ins Ohr zurück,/
Den ich an euch gewohnt zu hören bin,/
Und seh ich an dem Ärmsten eure Tracht:/
Empfangen will ich ihn wie einen Gott,/
Ich will ihm selbst ein Lager zubereiten,/
Auf einen Stuhl ihn an das Feuer laden,/
Und nur nach dir und deinem Schicksal fragen./
O geben dir die Götter deiner Taten/
Und deiner Milde wohlverdienten Lohn!/
Leb wohl! O wende dich zu uns und gib/
Ein holdes Wort des Abschieds mir zurück!/
Dann schwellt der Wind die Segel sanfter an,/
Und Tränen fließen lindernder vom Auge/
Des Scheidenden. Leb wohl! und reiche mir/
Zum Pfand der alten Freundschaft deine Rechte.</strofa></kwestia>


<naglowek_osoba>THOAS</naglowek_osoba>

<kwestia><strofa>
Lebt wohl!
</strofa></kwestia>
</dramat_wierszowany_lp></utwor>